Der Polizistenmord wurde an drei Prozesstagen beleuchtet

Heilbronn  Im Fall des Mordanschlags auf die zwei Polizisten auf der Theresienwiese bleiben auch zum Ende des NSU-Prozesses in München einige Fragen offen.

Von Carsten Friese

An drei von 438 Prozesstagen Heilbronner Bluttat beleuchtet
Große Anteilnahme nach der Bluttat in Heilbronn: Nicht nur Polizisten, auch viele Bürger legten am Tatort Theresienwiese Blumen und Kerzen nieder. Foto: Archiv/Veigel

Fragen gab es viele, als im Januar 2014 der Mordanschlag auf die zwei Polizisten auf der Heilbronner Theresienwiese im Münchener NSU-Prozess an drei Tagen im Fokus stand.

Überlebender spricht von großem, schwarzen Loch

Bemerkenswert war der Auftritt des überlebenden Anschlagsopfers Martin A. Der Polizist beschrieb seine früheren Erinnerungen an das Aussehen der Täter als verzweifelte Versuche, zur Aufklärung etwas beizutragen. Er wisse nur noch, dass sie an jenem 25. April 2007 auf die Theresienwiese gefahren sind. Dann erinnere er sich an die Ersthelfer.

Die Minuten dazwischen sind für A. "ein riesengroßes schwarzes Loch". Frühere vage Täterbeschreibungen, die er unter Hypnose abgab, erklärt er damit, dieses Loch zu füllen, "um mich nicht zerreißen zu lassen".

Der Prozess offenbart auch Schwächen bei den Ermittlungen. Zwar fanden die Beamten die Tatwaffen von Heilbronn im Brandschutt des Hauses des NSU-Trios in Zwickau. An einer Jogginghose, die Uwe Mundlos zuzuordnen ist, fanden sie eine Blutspur mit der DNA von Mordopfer Michèle Kiesewetter. Ein Gutachter erklärte, dass diese Spur von Lage und Winkel zum tödlichen Schuss am Wagen der Opfer passt. Aus 90 Zentimetern Distanz hatte der Täter auf Kiesewetter gefeuert.

 

 

Täter fuhren offenbar direkt an Polizeikontrolle vorbei

Warum die Täter in Heilbronn waren und auf die Polizisten schossen, blieb indes unklar. Ein Bundesermittler verwies auf keinerlei Vorbeziehung der Beamten zu den Tätern. Auch im thüringischen Heimatort Kiesewetters sahen Ermittler keine Anhaltspunkte. Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe wuchsen auch in Thüringen auf. Ein Bezug der Täter zu Polizisten im Einsatzzug von Michèle Kiesewetter, die früher im rechtsextremen Ku-Klux-Klan waren, wurde ebenso verneint.

Weshalb die Täter nach Morden an neun Migranten plötzlich Polizisten ins Visier nahmen und die Mordserie dann endete? Eine Antwort darauf gibt es bis heute nicht. Als die Polizei am Tattag Heilbronn abriegelte und eine Ringfahndung auslöste, notierten zwei Beamte auch in Oberstenfeld Kennzeichen vorbeifahrender Fahrzeuge, unter anderem das eines Wohnmobils. Bei einer Kontrolle wäre es wohl ein Volltreffer gewesen: Wie sich nach Auffliegen des NSU-Trios 2011 herausstellte, hatte Uwe Böhnhardt das Wohnmobil für die Tatwoche unter falschem Namen gemietet.

Ob es lokale Helfer oder Tippgeber aus der rechten Szene für den NSU gab, ist bis heute offen. Fakt ist: Mundlos und Böhnhardt hatten rechtsextreme Kumpel in Ludwigsburg. Und: Die Theresienwiese war als Pausenplatz von Polizisten durchaus bekannt.

 


- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Zeitleiste




Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

Zeitleiste vergrößern

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 


Videos


Stimme Premium: Alle Videos zum Polizistenmord