Das Phantom hinterlässt die 32. Spur

In Niederstetten ist bei einem Einbruch die DNA-Spur der mutmaßlichen Heilbronner Polizistenmörderin gesichert worden. Das Phantom brach dort in ein stillgelegtes Hallenbad ein. Es wird davon ausgegangen, dass sie dort nur übernachten wollte. Die Bevölkerung wird um Mithilfe gebeten. Für Hinweise zur Ergreifung der Person sind 150.000 Euro ausgesetzt

Das Phantom ist wieder aufgetaucht. Die DNA-Spur der „Frau ohne Gesicht“, die auch für den Polizistenmord in Heilbronn verantwortlich gemacht wird, fanden die Ermittler bei einem Einbruch in ein stillgelegtes Hallenbad in Niederstetten, Main-Tauber-Kreis.

Bereits in der Nacht zum 23. März sollen mehrere Personen, darunter auch die mysteriöse Unbekannte, in einen Anbau des abgelegenen Bades eingestiegen sein, der vom Judoka-Sportverein genutzt wird. Sie gelangten in das Gebäude, indem sie eine Fensterscheibe einschlugen und durch die Öffnung kletterten. Da nichts fehlt, gehen die Fahnder davon aus, dass die Einbrecher auf ein Nachtquartier aus waren. In den Vereinsräumen gibt es Sportmatten, die als Matratze genutzt worden sein könnten. Die Spurensicherer stellten den genetischen Code in „blutähnlichen“ Rückständen sicher, wie Heilbronns Polizeisprecher Rainer Köller berichtet. Möglicherweise hat sich die Serientäterin, die die Fahnder in halb Europa suchen, bei dem Einbruch leicht verletzt.

Das Hallenbad und der Tatort des Polizistenmordes auf der Heilbronner Theresienwiese liegen rund 75 Kilometer voneinander entfernt. Der DNA-Fund ist der 32. in 15 Jahren. Der Einbruch ereignete sich aber rund zweieinhalb Wochen vor einem weiteren Einbruch in ein Einfamilienhaus in Oberstenfeld-Gronau (Kreis Ludwigsburg), der bisher jüngsten bekannten Straftat des Phantoms (wir berichteten).

Seit 1993 finden die Ermittler die Spur der Frau im Zusammenhang mit zahlreichen Straftaten in Süddeutschland, Österreich und Frankreich. Die Bandbreite der Delikte ist dabei extrem groß – vom „Einbrüchle“, wie Köller sagt, bis zu schweren Kapitalverbrechen, darunter mehrere Morde. Genau dieser Umstand gibt der Polizistenmord-Soko Rätsel auf. Auch die geografische Verteilung der Straftaten ergibt keine Linie. Wieso Niederstetten? Köller: „Das bestätigt unsere These, dass sie sehr mobil sein muss. Und weiterhin unterwegs ist.“

Zum Einbruch in das alte Niederstettener Hallenbad hat die Kriminalpolizei folgende Fragen:

  • Wer hat in der Nacht vom 22. auf 23. März 2008 rund um das stillgelegte Hallenbad in Niederstetten verdächtige Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit dem Einbruch stehen können?

  • Wer hat in den Tagen vor dem Einbruch verdächtige Fahrzeuge oder Personen gesehen? Zeugen werden gebeten, sich bei der Soko „Parkplatz“, 07131/104-4444, zu melden.


Auch lässt sich keine Häufung der Taten in bestimmten Monaten feststellen. Allerdings prüfen die Ermittler, ob in der Zeit der DNA-Funde große Feste stattfanden. Während des Polizistenmordes wurde gerade das Maifest auf der Theresienwiese aufgebaut. Die Soko nimmt Zeugenhinweise unter 07131/104-4444 entgegen.

Spuren


Die Verdächtige im Fall der in Heilbronn erschossenen Polizistin hat seit Jahren europaweit DNA-Spuren hinterlassen. Auf ihr Konto sollen weitere Morde und Einbrüche gehen - zusammen weit mehr als 20 Straftaten.

Mai 1993: In Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) wird eine 62-jährige Rentnerin in ihrer Wohnung erdrosselt und ausgeraubt. Am Tatort sichert die Polizei erstmals genetische Spuren der Frau.

März 2001:
In Freiburg wird ein 61-jähriger Frührentner erdrosselt gefunden. Die Polizei entdeckt am Tatort die DNA, die auch beim Mord in Idar-Oberstein sichergestellt worden war.

Oktober 2001: Die Polizei entdeckt auf einem Parkplatz in Gerolstein (Rheinland-Pfalz) die DNA der Frau an einer Einwegspritze, mit der ein Drogencocktail gespritzt worden war.

Oktober 2001: Unbekannte brechen in einen Wohnwagen in Mainz ein und hinterlassen Reste eines Kekses. Auch daran konnte die Polizei DNA-Material der Frau feststellen. In diese Zeit datiert auch ein Einbruch bei Offenbach (Hessen), bei dem ihre Spuren entdeckt wurden.

August 2002:
Nach der Frau wird zum ersten Mal in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ gefahndet. Die Sendung führt nicht zur erhofften Aufklärung der Morde von 1993 und 2001.

Herbst 2004: Entlang der Inntalstrecke in Österreich beschäftigt sich die Polizei mit einer Diebstahlserie. Nach Einbrüchen in Gartenhäuschen werden Kleidungsstücke wie Jogginghose und Kapuzenjacke gefunden, an denen sich DNA-Spuren der Frau befinden.

April 2005: In der Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ startet die Kripo einen neuen Anlauf, um auf die Spur der Unbekannten zu kommen. Die Fahndung bleibt ohne Erfolg.

April 2007: In Heilbronn wird eine 22 Jahre alte Polizistin bei ihrem Streifenwagen erschossen. Ihr Kollege überlebt seine lebensgefährlichen Kopfverletzungen. Am Wagen wird DNA-Material der unbekannten Frau sichergestellt.

31. Mai 2007: Die Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ soll erneut bei der Aufklärung des Mordes helfen. Entscheidende Hinweise bringt sie nicht.

August 2007: In Kornwestheim wird bei der Untersuchung von Gartenhausaufbrüchen eine DNA-Spur der mutmaßlichen Mörderin festgestellt.

27. März 2008: Die Polizei gibt bekannt: Nach dem Mord an drei Georgiern im Raum Heppenheim (Hessen) wurde im Auto eines verdächtigen V-Manns des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes eine genetische Spur der Frau gefunden.

8. April 2008:
Die Polizei in Saarbrücken entdeckt nach einem Einbruch Gen-Spuren der Frau. Die DNA wird an einem Stein gesichert, mit dem im Oktober 2006 bei einem Einbruch in Saarbrücken eine Terrassentür zertrümmert wurde.

13. Mai 2008: Die genetische Spur der unbekannten Tatverdächtigen taucht erneut auf. Die Frau war an einem Einbruch in der Nacht zum 10. April in Oberstenfeld  beteiligt.

3. Juni 2008: Zum 32. Mal wird die DNA der Frau gefunden: Diesmal hatte sie ihre Spur im März bei einem Einbruch in ein stillgelegtes Hallenbad in Niederstetten (Main-Tauber-Kreis) hinterlassen.

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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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