BKA: Von Islamismus-Spur bleibt nichts übrig

Heilbronn  Der NSU-Ausschuss in Stuttgart beleuchtet den mysteriösen Funkzellentreffer am Tag des Polizistenmordes, der zum Fall der Sauerland-Terroristen führte. Das Gremium will die Hintergründe weiter prüfen.

Von Carsten Friese

BKA: Von Islamismus-Spur bleibt nichts übrig

Intensive Polizeikontrollen am Tag des Polizistenmords in Heilbronn: In einer Funkzelle, die den Hauptbahnhof und die Theresienwiese abdeckt, war der sonderbare Treffer mit einem Bezug zur Sauerlandgruppe aufgefallen.

Foto: Archiv/Dirks

Ein mysteriöser Kreuztreffer im Funkzellennetz um den Tatort des Heilbronner Polizistenmords, der zur islamistischen Sauerlandgruppe führte, ist offenbar ein unbedeutender "Beifang" in einem großen Ermittlungsverfahren gewesen.

Wie ein Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) gestern vor dem NSU-Untersuchungsausschuss in Stuttgart erläuterte, ist diese Nummer zwar im Verfahren gegen die islamistischen Sprengstofftäter aufgetaucht, ebenso am Tattag des Mordes an Polizistin Michele Kiesewetter im April 2007. Aber: Der Datensatz mit der Nummer sei im Verfahren gegen die Sauerlandgruppe früh gelöscht worden, was der Beamte mit einer nicht vorhandenen Tatrelevanz erklärte. Eine Rekonstruktion des damaligen Nutzers sei beim Mobilfunkbetreiber später nicht mehr möglich gewesen. Wenn die 0163er Nummer im Zusammenhang mit Islamisten gestanden hätte, wäre sie nicht gelöscht worden.

Kein greifbares Motiv

Umgekehrt führten Anrufe dieser Nummer am Tag des Polizistenmords aus Funkzellen im Areal Theresienwiese-Hauptbahnhof-Nordstadt zu einer Firmennummer in Schwäbisch Hall. Heute sei dort eine Alufirma zu finden, erklärte der Beamte. Es ergebe sich "kein greifbares Motiv", dass die Sauerlandgruppe zur Tatzeit in Heilbronn gewesen sei. Es gab Medienberichte mit Spekulationen über eine solche Verbindung. Bei dieser Rufnummer bleibe von einem Islamismus-Bezug "nichts übrig", fasste der Kriminalhauptkommissar zusammen.

Ganz so schnell will der Ausschuss diesen Punkt noch nicht abhaken. Vorsitzender Wolfgang Drexler kündigte an, dass man mit der heutigen Firma, die diese Nummer hat, Kontakt aufnehmen will. Um zu klären, wem die Nummer zur Zeit des Polizistenmords gehörte.

Neonazis und Islamisten?

Für den Mord an der Polizistin und den Mordanschlag auf ihren Streifenkollegen machen Bundesermittler den rechtsextremen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) um Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verantwortlich. Wie passen Neonazis und Islamisten zusammen? Ein verurteiltes Mitglied der Sauerlandgruppe verneinte gestern als Zeuge im Ausschuss eine Zusammenarbeit. Der deutsche Konvertit Daniel S. nannte es "relativ absurd", eine Verbindung der Sauerlandgruppe mit der Heilbronner Mordtat herzustellen. "Was haben wir mit dem NSU zu tun?" Er selbst sei nie in Heilbronn gewesen. Die Treffen der Gruppe hätten in Stuttgart und Frankfurt stattgefunden.

Bei einem zweitem Kreuztreffer zwischen dem Heilbronner Fall und einem weiteren Islamismus-Verfahren war die Spur nach Angaben des BKA-Beamten ebenfalls kalt. Es habe sich um eine Kontaktperson in einem Reisebüro gehandelt.

Im Heilbronner Polizistenmordfall hat die Polizei in einem Neun-Kilometer-Radius vom Tatort am Tattag 115.000 Gesprächsverbindungen erfasst. Eine Verbindung zum NSU hat sich nach Angaben des Ermittlers dabei indes auch nicht ergeben.

 


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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