Wie Lauffener Weingärtner den Terrassen-Weinbau durch neue Rebsorten stärken

Lauffen  Das Projekt "Steile Weine" experimentiert mit neuen Rebsorten in Terrassenlagen. Das hat verschiedene Gründe - einer ist der Klimawandel.

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Neue Weine in den Steillagen von Lauffen präsentierten Götz Reustle (von links), Dietrich Rembold, Weinkönigin Tamara Elbl und Bernd Wittenmayer.

Foto: Ralf Seidel

Die Weinerzeuger der Region gehen neue Wege. In den Terrassenlagen probieren sie alternative Rebsorten aus. Das hat mehrere Gründe. Sie wollen das Kulturerbe der Terrassenweinberge erhalten, auf den hohen Arbeitsaufwand des Anbaus aufmerksam machen und außerdem neue an den Standort angepasste Rebsorten anbauen. Das Ganze nennt sich "Steile Weine" und ist ein auf drei Jahre angelegtes Projekt der Europäischen Innovationspartnerschaft Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-AGRI). Es wird komplett von der EU finanziert. Rund eine halbe Million Euro sei dafür im Gespräch, erklärte Dr. Götz Reustle von der Felsengartenkellerei Besigheim und Projekt-Koordinator.

Steillagen-Projekt

Federführend sind die Felsengartenkellerei und die Lauffener Weingärtner. Letztere sind die einzigen aus dem Landkreis Heilbronn an diesem Steillagen-Projekt beteiligten Weinerzeuger. Anlässlich der Ernte des ersten Jahrgangs begutachteten die Akteure des Projekts einschließlich der württembergischen Weinkönigin Tamara Elbl aus Pfedelbach-Untersteinbach nun den Weinberg von Bernd Mittenmayer in Lauffen.

Dietrich Rembold von den Lauffener Weingärtnern zog ein positives Fazit: "Wir sind froh über den guten Startschuss mit guter Qualität und gespannt, wie sich diese Sorten in den nächsten Jahren entwickeln." Mittenmayer hat auf seinem zehn Ar großen Weinberg versuchsweise drei Sorten gepflanzt: Montepulciano, Teroldego und Cabernet Sauvignon. In anderen Terrassenlagen der Felsengartenkellerei werden weitere ausprobiert. Zwölf Rebsorten aus Frankreich, Italien und der Schweiz werden im Rahmen des Projekt von 15 beteiligten Wengertern angebaut.

Trockenheits-Resistenz

Die Weinerzeuger wollen damit auch eine Antwort auf den Klimawandel geben. So sei die Trockenheits-Resistenz ein wichtiger Aspekt und einer der Gründe, warum vermehrt mediterrane Rebsorten getestet werden, erklärte Dietrich Rembold. Hinzu kommt ein weiterer Grund: Es sollen auch neue Rebsorten getestet werden, die widerstandsfähiger gegenüber Pilzbefall sind. Laut Rembold soll dieser Weg zukünftig dazu führen, dass die Weinbauern Pflanzenschutzmittel einsparen können.

Weinkönigin Tamara Elbl setzt sich bewusst für den Erhalt des Steillagen-Weinbaus ein: "Die Steillagen gehören zu Württemberg." Und aus ihren vielen Gesprächen der vergangenen Wochen habe sie erkannt: "Die Menschen wollen ein Produkt mit Geschichte und Herkunft." Allerdings könne der Verbraucher mit einem einfachen Schriftzug auf dem Etikett nichts anfangen. Daher sind die Akteure dabei, im Hinblick auf die Vermarktung nach einem Label zu suchen, das die Herausforderungen des Steillagen-Weinbaus in die Köpfe der Verbraucher transportiert.

Hierbei sollen sich weitere Akteure des Projekts, wie die Abteilung Rebenzüchtung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO), die Hochschule Geisenheim oder das Weininstitut Württemberg einbringen. Auch die Stadt Lauffen unterstützt das Projekt. "Wir wollen damit die Landschaft erhalten und werden im künftigen Verein Regionalentwicklung Neckarschleife mitarbeiten", sagte Lauffens Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger.

Drei Vegetationsperioden

Das EIP-Projekt "Steile Weine" läuft seit November 2018 und noch bis Oktober 2022, also insgesamt vier Jahre. Damit wird das Wachstum von drei Vegetationsperioden in den terrassierten Steillagen erfasst. Im ersten Jahr (2019) gab es noch keinen Ertrag. Insgesamt werden zwölf Rebsorten bei diesem Projekt getestet: Cabernet franc, Cabernet-Sauvignon, Carmenère, Marselan, Montepulciano, Nero d'Avola, Petit Manseng, Tannat, Teroldego, Satin Noir, Sauvignac und Sauvignon Gryn.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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