Wie die Ferienprogramme trotz Corona funktionieren

Region  Mit kleinerem Angebot und Hygiene-Konzepten gewährleisten Kommunen die Durchführbarkeit der Kinderfreizeit. Dabei zeichnen sich große programmatische Unterschiede ab.

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Der Leingartener Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen bietet auch in diesem Jahr wieder Bastelangebote für die Kinder an.

Foto: Archiv/Josef Staudinger

Monatelang belasteten die Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen das Zusammenleben von Familien. Die Schule galt als gefährlicher Infektionsherd, Treffen im Freundeskreis blieben lange untersagt. Und noch fünf Wochen dauern die Sommerferien an. Sind arbeitstätige Eltern nach wenigen Wochen Präsenzunterricht schon wieder überstrapaziert?

"So hat das noch niemand gesagt", lacht Sarah Schock die im Rathaus von Neuenstadt für die Abteilung Tourismus, Sport und Kultur zuständig ist. Viele Eltern seien froh, ihren "Kids etwas bieten zu können, wenn man schon nicht verreisen kann".

Am Nachbar ein Vorbild genommen

Mit dem Landratsamt und der Nachbargemeinde Hardthausen stand man in regem Austausch, ob und wie ein Kinderferienprogramm in Zeiten der Pandemie möglich sei. Nachdem sich die östliche Nachbarkommune entschieden hatte, habe man beschlossen nachzuziehen.

"Aufgrund der Lage haben wir dieses Jahr weniger Auswahl", räumt Schock ein. "Dafür haben wir einige Veranstaltungen mehrfach im Angebot." Allein das von der Fighters Akademie offerierte Kick-Boxen steht viermal im Aufgebot. Auf leicht abgrenzbaren Matten bekommen Jugendliche einen Eindruck vom Kampfsport.

Auf Grundlage der Hygiene-Verordnungen wurde ein Konzept erarbeitet. Auch Basket- und Handball-Angebote seien trotz Körperkontakt kein Problem: "Analog der Sport-Verordnung des Landes" ermögliche das Neuenstädter Konzept übliche Spielsituationen ohne große Ansteckungsgefahr.

In Eppingen wurden sämtliche Sportaktivitäten gestrichen

Ja, kleiner als sonst sei das Angebot in Eppingen im Corona-Jahr. "Eine positive Überraschung ist es trotzdem", sagt Julia Blaser, verantwortlich für Bildung, Kultur und Demografie. Ein Wermutstropfen ist der Ausfall sämtlicher sportlicher Aktivitäten. "Der Turnverein, der sonst gern gebucht wird, fällt weg", erklärt Blaser. "Auch auf Töpfern und Figurentheater müssen wir dieses Jahr verzichten."

Dafür springt die Stadt beim Ferienspektakel mit einigen Veranstaltungen in die Bresche, zudem werden Ausfälle mit doppelten und dreifachen Ansetzungen verfügbarer Veranstaltungen kompensiert.

Hier ist Töpfern gestrichen, da ist es der Renner

In Leingarten gehört das Töpfern zu den Höhepunkten des Programms. "Wir sind da mit 300 Prozent überbucht, wie üblich", erklärt Iris Bauer. Da die Entscheidung pro Ferienprogramm "sehr kurzfristig" gefallen ist, werden nur 13 Programmpunkte angeboten. "Wir haben lange abgewartet, was noch von oben diktiert wird", so Bauer. Aus der Bevölkerung vernimmt sie ein positives Echo.

Selbst das dreitägige Zeltlager wurde auf die Beine gestellt. Mit diesem Angebot sticht Leingarten heraus, schließlich beinhaltet es gemeinsame Mahlzeiten in großen Gruppen, ein Konzept vor dem andere Kommunen zurückschrecken. Natürlich werde besonders auf die Hygiene geachtet, versichert Bauer, "mit einem Rucksackvesper kommt man eben keine drei Tage aus".


Kohler

Sebastian Kohler

Volontär

Sebastian Kohler arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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