Wie die Familienherberge Lebensweg durch die Pandemie kommt

Schwaigern/Illingen  Nicht nur einmal hätte es in den vergangenen Monaten auch für das Team der Familienherberge Lebensweg in Illingen-Schützingen Gründe gegeben, den Kopf hängen zu lassen. Aber aufgeben ist nicht. "Wir sind noch guten Mutes", sagt Geschäftsführerin Karin Eckstein aus Schwaigern-Stetten.

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Nicht nur Gebäude und Spielplatz sind durch Spenden finanziert. Auch der laufende Betrieb der Familienherberge ist darauf angewiesen.

Foto: Astrid Link

Trotz coronabedingter Einschränkungen läuft der Betrieb in der Einrichtung für schwerstkranke Kinder und deren Familien weiter.

Mit viel Optimismus war die Initiatorin der 2018 eröffneten Familienherberge ins neue Jahr gestartet. "Insgesamt waren wir sehr gut gebucht. Und dann kam Corona", blickt Eckstein zurück. Der Lockdown im März "war ein herber Schlag". Buchungen mussten storniert werden. Geplante Einnahmen in Höhe von 65 000 Euro blieben aus. "Durch den engen und stetigen Austausch mit unseren Familien begegneten uns viel Not, Hilflosigkeit und existenzieller Bedarf an Unterstützung", beschreibt Karin Eckstein die Situation.

Erst am 11. Mai wurden wieder Gastkinder aufgenommen, zunächst ohne Eltern und Geschwister. Seit Ende Juni dürfen Familien wieder gemeinsam in Schützingen Urlaub machen. Allerdings unter strengen Hygienevorschriften und einem veränderten Belegungsplan. Statt der vorgesehenen zwölf Plätze werden nur vier belegt. Die Familien werden eingetaktet auf einen bestimmten An- und Abreisetag. Für die Gastkinder gibt es Eins-zu-Eins-Betreuung durch das Pflegepersonal. "Die Eltern sind trotzdem unglaublich dankbar, einfach mal Verantwortung abgeben und teilen zu können", weiß Karin Eckstein.

Nur noch vier statt zwölf Plätze

Die betriebswirtschaftliche Seite haben die Verantwortlichen in der Krise fest im Blick. Kurzarbeit wird flexibel eingesetzt. Bisher musste niemand entlassen werden.

Weil der laufende Betrieb des Hauses zum großen Teil über Spenden finanziert werden muss, schmerzt die Absage von Benefizveranstaltungen, Festen oder Weihnachtsmärkten besonders. Zusätzlich macht sich bemerkbar, dass die Fundraising-Stelle ein halbes Jahr vakant war. "Um das sehr, sehr gute Spendenziel von 2019 zu erreichen, bräuchten wir noch etwas mehr als 200 000 Euro. Trotzdem sind wir lebensfähig", betont Karin Eckstein. Und zum Glück gibt es immer wieder kreative Ideen, um an Geld zu kommen. So können jetzt beispielsweise Firmen ihre Weihnachtskarten bei der Familienherberge Lebensweg bestellen.

Sehr dankbar ist die Chefin dafür, "dass eine Stiftung sofort reagiert" und Geld für Schutzausrüstung und zusätzliche Hygienemaßnahmen bereitgestellt hat. Nur so kann sich die Familienherberge beispielsweise die FFP2-Masken für alle 49 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten.

Rund 1000 Mitglieder im Förderverein

Eine feste Bank sind die Beiträge der rund 1000 Mitglieder des Fördervereins Familienherberge Lebensweg. "Dass die Mitglieder uns so treu sind, ist genial", sagt Karin Eckstein. "Da merkt man, dass das Ziel, das die Familienherberge verfolgt, auch ihnen eine Herzensangelegenheit ist." Ebenso wie dem ganzen Team. "Alle tun noch fröhlich ihre Arbeit", freut sich die gelernte Kinderkrankenschwester. "Viele von uns sehen unser Haus als Gottes Wunder. Dass eine höhere Macht dahinter steht, schenkt Optimismus und Mut." Das bestärke auch sie und ihren Mit-Geschäftsführer Martin Mörmann in ihrem Tun. "Wenn wir so weitermachen können, kommen wir ohne Existenzkrise durch die Pandemie."

Dass aufgrund der Hygienebestimmungen keine Ehrenamtlichen mehr ins Haus kommen können, bereitet Eckstein allerdings Sorge. Nicht nur, weil sie im Alltag fehlen, sondern auch, "weil der eine oder andere nach Corona vielleicht dauerhaft wegbleibt".

Prävention

49 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verteilt auf 21,1 Vollzeitstellen, hat die Familienherberge Lebensweg. Um einer Ausbreitung des Coronavirus vorzubeugen, tragen alle FFP2 Masken und es gibt einen Hygieneplan. Zu Hause messen sie täglich ihre Körpertemperatur und achten auf mögliche Symptome. "Wir überlegen, uns auch, ob wir ein Konzept für Schnelltests ausarbeiten. Aber das ist momentan sicher der Weg, um am schnellsten zu reagieren", sagt Geschäftsführerin Karin Eckstein. Ehrlichkeit in Bezug auf mögliche Covid 19-Erkrankungen erwartet sie auch von den Gastfamilien: "Aber mit Kindern, die zur Risikogruppe gehören, werden gerade sie kein Risiko eingehen", ist die gelernte Kinderkrankenschwester überzeugt. 


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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