Weinkonvent Dürrenzimmern: Größter Barriquewein-Produzent Deutschlands

Brackenheim  Der hoch dekorierte Weinkonvent Dürrenzimmern zelebriert bei einem außergewöhnlichen Abend seine neuen Weine aus dem kleinen Eichenholzfass. Mit einem programmatischem Leitwort will die Wertegemeinschaft ihre Philosophie auf den Punkt bringen: Tintenherz.

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Klerikal angehaucht in Farbe, Architektur und bei den Markennamen: Kurt Freudenthaler (li.) und Mirko Semmler-Lins beim Dekantieren der neuen Weine.

Foto: Kilian Krauth

Maximilian Schmalzried zieht sicherheitshalber ein Tuch unters Drahtgeflecht, nimmt einen Säbel zur Hand, legt ihn an den Flaschenhals und - zack! - schon fließt der Sekt in Strömen. Wie gebannt verfolgt ein Dutzend Medienvertreter das Spektakel des Sommeliers. Der Knaller im lila ausgeleuchteten Holzfasskeller bildet den Auftakt zu einem außergewöhnlichen Abend, mit dem Weinkonvent Dürrenzimmern weit übers Zabergäu hinaus auf sich und auf die neuen Barrique-Weine aufmerksam machen will.

Mit zwölf roten Top-Tropfen der Marke "Divinus", die aus elf Rebsorten kultiviert und teils cuvéetiert werden, verfügt die nur 180 Hektar umfassende Weingärtnergenossenschaft (WG) mutmaßlich über die größte Kollektion solcher in aktuell 356 kleinen Eichenholzfässern ausgebauten Weine. Dies lassen sich Vertriebs-Geschäftsführer Mirko Semmler-Lins und Kellermeister Kurt Freudenthaler gerne bestätigen: von der mehrfach als bester Sommeliere Deutschlands gekürten Christina Hilker über Alexandra Wrann vom Fachblatt Weinwirtschaft bis zu Star-Kritiker Rudolf Knoll, der staunt. Denn die Divinus-Serie ist nicht nur auf Deutsche Rotweinpreise abonniert, die Liste der Auszeichnungen füllt in der Pressemappe fünf Din-A4-Seiten.

Poetisch-informativer Ausflug in die Historie

Dass der Divinus wie die Produktlinien Cellarius und Klosterhof, aber auch der neue Novitius und der Paradewein Abt nicht vom Himmel gefallen, sondern dem Qualitätsstreben der 298 Mitglieder zu verdanken ist: Dies hebt Schauspielerin Sandra Hartmann in informativ- poetischen Texten über die Geschichte der 1937 gegründeten und 1970 durch Stockheim aufgestockten WG hervor. Die Historie bildet den roten Faden des Abends, der vom Gewölbe über das Refektorium und den wie eine Kirche anmutende Präsentationsraum durch die Schatzkammer bis auf die Empore führt. An der langen Festtafel kredenzt Familie Rembold vom Adler in Botenheim ein Menü, das perfekt mit den im Detail vorgestellten Weinen passt.

Seine Philosophie leitet der Weinkonvent, der nach dem Krieg vor allem durch Lemberger und den 1963 erstmals daraus gewonnen Weißherbst stark wird, aus den klösterlichen Wurzeln des Weinbaus am Mönchsberg ab. Der Klosterhof wird im Lorscher Kodex anno 825 erstmal erwähnt, die ersten Reben sind 1147 schriftlich belegt. Klerikal angehaucht sind heute nicht nur die Markennamen und das mitunter in Kutten gewandte Ausschankpersonal, sondern auch die moderne und detailreiche Architektur.

Abstand vom Begriff Genossenschaft

"Außerdem verstehen wir uns tatsächlich als Wertegemeinschaft", betont Semmler-Lins, dem der Begriff Genossenschaft nicht gefällt, weil er außerhalb der Region negativ besetzt sei. Dabei zeigten die vielen Auszeichnungen, dass Kurt Freudenthalers rote Gewächse besser seien, als die von vielen Prädikatsweingütern. Und dies, obwohl sich der hochdekorierte Kellermeister die Kunst der kalten Maischegärung und des Holzfass-Ausbaus selbst beigebracht hat. In der Weinbauschule hatte man solche Traditionsverfahren in den 60er Jahren abgeschafft und auf Maischeerhitzung und Stahltanks gesetzt.

Um die nach innen und außen zielende Programmatik zu unterstreichen, stellt die Führungsriege mit dem - lesebedingt verhinderten - Vorstandschef Alfred Heckel und Marketingberater Frank Mundel einen neuen Schlüsselbegriff vor: Tintenherz. Tinte stehe für den dunklen Wein, Herz für Leidenschaft, für Herzblut, wobei Parallelen zu Cornelia Funkes gleichnamigem Roman auf der Hand lägen, weil auch darin aus Worten und Ideen neues Leben erwachse.

 

Klerikale Anklänge im Weinkonvent

Die Weingärtnergenossenschaft Dürrenzimmern, die Vertriebschef Mirko Semmler-Lins, lieber als Wertegemeinschaft bezeichnet, wurde 1937 gegründet, 1970 schloss sich Stockheim an. Seit 2015 firmiert man als Weinkonvent Dürrenzimmern. Gleichzeitig wurde das 1939, 1970 und 1982 errichtete Gebäudeensemble mit klerikalen Anklängen modernisiert. Die Weinlinien tragen passende Namen wie Klosterhof, Cellarius und Divinus. Kellermeister Kurt Freudenthaler wurde 2019 von der DLG zum Winzer des Jahres gekürt.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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