Viel-Fach-Laden mit wechselndem Angebot in Schwaigern

Schwaigern  Gleich drei Geschäfte in einem Laden. In Schwaigern teilen sich ein Reisebüro, eine Blumenbinderin und die Tourist-Info der Stadt eine Ladenfläche. Die Initiatoren ziehen nach knapp sieben Monaten eine positive Zwischenbilanz.

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"Die Leute geben uns häufig ein positives Feedback", sagt die Angestellte Tanja Cantara. Sie arbeitet an drei Vormittagen pro Woche in dem Geschäft in der Fußgängerzone.

Foto: Friedhelm Römer

Es ist ein kleiner Beitrag, um dem Leerstand in der Innenstadt etwas entgegenzusetzen. Nach knapp sieben Monaten fällt die Zwischenbilanz der Initiatoren positiv aus: Die Bürger nehmen den Viel-Fach-Laden in der Schwaigerner Fußgängerzone an.

Der Laden fußt auf zwei Säulen. Ein Reisebüro, eine Blumenbinderin und die Tourist-Info der Stadt haben sich für zwei Jahre eingemietet. Sie bilden das sogenannte shop-in-shop-System. Die zweite Säule besteht aus Regalfächern, die für jeweils sechs Monate vermietet werden. Hier verkaufen zum größten Teil lokale und regionale Anbieter ihre Erzeugnisse.

Fluktuation bringt Chance für neue Ideen

In den 36 Regalfächern herrscht ständig Bewegung. Fünf Mieter sind nach einem halben Jahr wieder ausgestiegen, dafür sind andere hinzugekommen. "Es ist durchaus erwünscht, dass es hier Wechsel gibt", sagt Wolfgang Ossig, einer der fünf Initiatoren. "Wichtig ist, dass Vielfalt gegeben ist", schiebt Mitinitiatorin Petra Best nach.

50 Euro plus fünf Prozent ihres Verkaufserlöses zahlen die Regalflächenmieter pro Monat an die Initiatoren, die eine GBR gegründet und den Laden gemietet haben. "Wir haben auch Regalmieter, bei denen sich die Sache nicht ganz rentiert, die uns aber wegen des Konzepts, die Fußgängerzone zu beleben, trotzdem unterstützen", sagt Wolfgang Ossig.

Konzept lebt vom Idealismus

Auch die Stadt Schwaigern ist mit dabei. Sie hat ein komplettes Regal für zwei Jahre gebucht und bietet darin ihre touristischen Artikel an, wie Stadtführer, Tassen und Regenschirme. Ossig: "Hier geht es darum, präsent zu sein."

"Dieses Konzept lebt vom Idealismus. Wir sind hier nicht aufs Geschäft bedacht", sagt Petra Best, die sowohl zu den GBR-Initiatoren zählt als auch als Untermieterin für das Reisebüro. Corona hat vor allem in diesem Bereich für einen Einbruch gesorgt. Best: "Seit drei, vier Wochen läuft es wieder an."

Doch nicht nur der Idealismus zählt, auch die Zahlen sind nicht völlig unwichtig. "Der Laden soll sich selbstverständlich selbst tragen. Und er trägt sich", sagt Wolfgang Ossig.

Ein Schmuckhersteller, ein Traubenkernanbieter sowie Hersteller von diversen Geschenke-Accessoires sind nach sechs Monaten ausgestiegen und haben Platz gemacht für einen Bürstenmacher aus Bad Friedrichshall, eine Filzgestalterin aus Brackenheim und einen Kaffeeröster und Pastamacher aus Neckarsulm.

Positives Feedback

Die Lauffener Kaywaldschule ist neuerdings ebenfalls mit dabei. Die Schüler haben unter anderem Stifte- und Kartenhalter aus Holz sowie Seifenschalen hergestellt. Auch ihre Produkte liegen nun in einem nummerierten Regalfach in der Theodor-Heuss-Straße. Eine kleine Seifenmanufaktur aus Stuttgart füllt bald eine der letzten noch freien Flächen. "In der näheren Umgebung gab es leider keinen solchen Anbieter, der Interesse gehabt hätte", sagt Petra Best.

Die junge Frau hinter der Kasse nennt Wolfgang Ossig nur "die gute Seele". Tanja Cantara arbeitet als Angestellte dreimal in der Woche vormittags im Laden: "Ich finde es super hier. Die Leute geben uns häufig ein positives Feedback."

Experiment

Der Viel-Fach-Laden in Schwaigern hat am 1. Dezember 2020 eröffnet. Die fünf Initiatoren haben eine GBR gegründet und das Objekt zunächst für zwei Jahre gemietet. In dieser Zeit soll eine Bilanz gezogen und eine Entscheidung gefällt werden, ob der Mietvertrag verlängert wird.

 


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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