Trennwände als Corona-Schutz

Schwaigern  Der Schwaigerner Kunststoffspezialist Söhner erweitert seine Angebotspalette und baut neuerdings Trennwände für den Corona-Schutz. Größere Lieferungen gehen nach Italien und Großbritannien.

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Auch in der Region sind die Raumteiler gefragt. Schwaigern und Brackenheim haben bereits Interesse angemeldet.

In Corona-Zeiten brauchen Menschen plötzlich Dinge, die bis vor Kurzem noch kaum eine herausragende Rolle im alltäglichen Leben gespielt haben: Masken, Schutzkleidung oder Desinfektionsmittel. Viele Unternehmen zeigen sich innovativ und erweitern ihre Produktion. Auch die Firma Söhner aus Schwaigern gehört dazu. Der Kunststofftechnik-Spezialist baut neuerdings Trennwände, die antiseptisch wirken und somit Bakterien und Viren bekämpfen.

Preisgünstig, antiseptisch und abbaubar

Die Idee dazu hatte Geschäftsführer Dr. Theo Doll. "Trennwände für Büros gibt es viele. Aber die sind teuer. Unser Ziel war es, eine Trennwand zu produzieren, die preiswert und antiseptisch ist, außerdem vollständig recyclebar", sagt der Geschäftsführer. Sie sind also gegen Keime gerichtet. Dies habe man in nur zweieinhalb Wochen realisiert. Auch das passende Werkzeug dafür zu bauen, gelang recht schnell. Wenn die Wände nicht mehr benötigt würden, könne man sie schreddern und in Behälter verpacken. "Wir planen derzeit auch die Rücknahme", sagt Doll.

Trennwände als Corona-Schutz

Marktnische entdeckt: Das Schwaigerner Unternehmen produziert in Zeiten von Corona Trennwände, die gegen Bakterien und Viren wirken.

Fotos: Mario Berger

Die Wände sind ein mal zwei Meter groß, und sie sind mit Silberionen versehen. "Sie töten Bakterien ab und richten sich auch gegen Viren", so Geschäftsführer Doll. Eine italienische Studie aus dem Jahr 2011 kommt zu dem Schluss, dass derartige Nanopartikel aus Silber Virusinfektionen reduzieren. Doll: "Dies ist die ökologischste Variante, um Schutzwände zu bauen." Darüber hinaus gebe es zurzeit noch eine Marktnische für diese Art von Trennwänden. Der Beleg, ob sie auch gegen Covid-19-Viren wirken, muss jedoch noch erbracht werden.

Das Unternehmen hat dabei zunächst das bisherige Netzwerk genutzt. "Wir fangen klein an", sagt Marketingleiter Jens Roth. Die erste größere Bestellung von 100 Trennwänden ging bereits nach Italien. In Mailand sitzt schließlich ein Großhändler, der dort als Partner von Söhner im Einsatz ist.

In dieser Woche gehen weitere 100 nach Großbritannien. Roth: "Das nimmt dann an Fahrt auf." Es gebe viele Anfragen, die derzeit bearbeitet werden. "Der Bedarf ist in vielen Ländern gegeben", schiebt Jens Roth hinterher. Allerdings warteten viele potentielle Kunden noch ab, denn sie wissen noch nicht, nach welchem Fahrplan es weitergehe, wann welche Öffnungen von den Regierungen zugelassen werden.

Ein Vertriebsweg fehlt bislang

Einen Vertriebsweg gebe es nicht. Theo Doll: "Unsere bisherigen Ansprechpartner sind nicht die, die wir nun benötigen." Man brauche die Coronabeauftragten. Unterdessen gehen kleinere Bestellungen ein, wie von der Karlsruher Universität. Dort möchte man zwischen den sechs Essensausgaben in der Mensa Trennwände aufstellen. Und auch dem Kundenstamm, wie den Automobilherstellern, möchte Doll die Trennwände näherbringen, sei es für die Büros oder in der Montage. Auch auf lokaler Ebene hat das Unternehmen bereits Interesse geweckt. Schwaigern und Brackenheim haben schon Bedarf für ihre Schulmensen angemeldet. Für Theo Doll ist es eine Selbstverständlichkeit, die lokalen Bedarfe zu decken.

Wände sind vielseitig einsetzbar

Die antimikrobiellen Trennwände lassen sich laut dem in Schwaigern ansässigen Unternehmen Söhner überall dort einsetzen, "wo der Hygienestandard hoch ist und viele Menschen verkehren". Sie könnten damit unter anderem als Schutzwand zwischen Krankenbetten oder in Gemeinschaftsräumen von Krankenhäusern, Rehabilitationszentren und Pflegeheimen, ärztlichen Wartezimmern oder als Sichtschutzwand zur Parzelleneinteilung in Hilfszentren eingesetzt werden. Sie wirken gegen Bakterien, Pilze und Viren.

 

Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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