Radelnde Umweltschützer auf Deutschlandtour

Leingarten  Das rollende Klassenzimmer fährt über 1000 Kilometer durch acht Bundesländer von Heilbronn über Berlin nach Kiel

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Die Schüler aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn radeln über die geschichtsträchtige Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam. Hier wurden vor dem Mauerfall Spione ausgetauscht.

Foto: privat

Es geht wieder los. Doch in diesem Jahr ist einiges anders für das rollende Klassenzimmer. Die vom früheren Lehrer und Olympiateilnehmer Ortwin Czarnowski initiierte Bildungsreise per Rad für Schüler aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn hat Berlin ausnahmsweise nicht wie gewohnt als Höhe- und Schlusspunkt im Programm. Sie ist eine Zwischenetappe. Die Reise führt am Samstag, 24. Juli, über 1000 Kilometer von Heilbronn über Berlin bis nach Kiel, wo sie am 4. August endet, ehe am 6. August die Rückfahrt per Bahn angetreten wird.

Reise in die Vergangenheit

Dabei ist die Stadt an der Ostseeküste nicht zufällig gewählt. Kiel ist auch eine Reise in die Vergangenheit Czarnowskis. Sein Enkel Ole ist 2004 in Kiel mit einem schweren Herzfehler zur Welt gekommen, wurde nach der Geburt operiert und fährt inzwischen diese Touren mit. In jenem Jahr hat Czarnowski das Radprojekt ins Leben gerufen. 2005 war erstmals Kiel Teil der Reise, aber noch nie mit dem Radstart in Heilbronn.

Die Tour steht - abgesehen von Corona - unter dem Eindruck des Klimawandels. Der Baum steht dabei im Fokus. Im vergangenen Jahr habe die Gruppe auf dem Weg nach Berlin viele Flächen mit abgestorbenen Bäumen gesehen. "Das hat mich bewegt zu handeln." Bäume müssten geschützt und gepflanzt werden. "Sie liefern den für uns lebensnotwendigen Sauerstoff", sagt der 81-jährige Leingartener. Deshalb werden die Radler in ihren Etappenorten wie Weimar, Halle oder Lübeck jeweils einen Obstbaum pflanzen. "In Wittenberg pflanzen wir einen Apfelbaum, wie es Martin Luther damals getan hat", sagt Czarnowski. Und was könnte es für einen geeigneteren Ort geben als den dortigen Luthergarten.

Klimaschutz im Fokus

Radelnde Umweltschützer auf Deutschlandtour

Auf den Etappenorten bleibt der Baum im Blick.

Foto: Friedhelm Römer

Es geht also um mehr als Radfahren. Czarnowski: "Radfahren war für mich immer ein Mittel zum Zweck. Der Klimaschutz stand und steht im Mittelpunkt."

Der jüngste der 51 Teilnehmer ist gerade mal elf Jahre alt, der älteste 81. 1000 Kilometer sind auf den elf Etappen zu meistern, die längste führt über 126 Kilometer von Tauberbischofsheim-Dittigheim nach Bad Königshofen. Die 14-tägige Tour führt durch insgesamt acht Bundesländer. Eigentlich hatte der gebürtige Tempelberger und Olympiateilnehmer von 1968 altersbedingt den Rückzug vorgesehen. "Aber das Thema Umweltschutz ist hochaktuell. Ich muss das einfach machen."

Außerdem gab es viele Anfragen von Schülern sowie aus der Elternschaft. Auch in den vielen Etappenorten werden die Radfahrer aus Baden-Württemberg mit offenen Armen empfangen. In Halle in Sachsen-Anhalt und im thüringischen Weimar begrüßen die Bürgermeister die radelnden Umweltschützer.

In der Lutherstadt Wittenberg heißt es: "Sie dürften sich bei bei uns ja schon fast wie zu Hause fühlen." 2018 hatten sich die Schüler im Beisein von Ministerpräsident Reiner Haseloff ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Und die Kleinstadt Grabow in Mecklenburg-Vorpommern erklärt stolz: "Wir freuen uns, dass Sie uns als Etappenort ausgesucht haben."

11 Etappen

Das rollende Klassenzimmer startet am Samstag, 24. Juli, in Heilbronn. Die Etappen im Einzelnen: 1. Heilbronn - Tauberbischofsheim-Dittigheim (88 Kilometer), 2. Bad Königshofen (126 km), 3. Ilmenau (70 km), 4. Weimar (58 km), 5. Halle (99 km), 6. Lutherstadt Wittenberg (88 km), 7. Berlin (97 km), 8. Neuruppin/Gnewikow (67 km),9. Grabow (117 km), 10. Lübeck (112 km), 11. Kiel (71 km). 39 Schüler und zwölf Erwachsene bestreiten die Tour, die vom SV Leingarten veranstaltet wird. Am 6. August geht es per Bahn zurück.

 

Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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