Orgeln in Not

Lauffen  Der Orgelförderverein der Regiswindiskirche will Geld sammeln für die eine Million Euro teure Sanierung und den Neubau.

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Der Orgelförderverein Regiswindiskirche hat sich im Juni 2020 gegründet, mit dem Ziel, Geld für die Sanierung zu bekommen.

Foto: privat

In der Regiswindiskirche gibt es ein Problem. Eigentlich sind es sogar zwei, die miteinander verwoben sind. Und das liegt an den beiden Orgeln. Die historische, unter Denkmalschutz stehende Chororgel von 1701 ist zwar äußerlich gut erhalten, aber das Innenleben nicht. Das ist elektrisch unsicher. Die Orgel ist vom Stromnetz abgeschnitten, weil sie hin und wieder Funken geworfen hat. "Es besteht Brandgefahr", sagt Isabell Glaesser vom Vorstand des Orgelfördervereins. Die Orgel muss saniert werden.

Und die Hauptorgel auf der Empore "ist technisch in einem desolaten Zustand", sagt die 39-Jährige. Das Instrument aus dem Jahr 1969, sollte, so der derzeitige Stand, sogar komplett neu gebaut werden. Das Besondere in diesem Gotteshaus ist, dass beide Orgeln miteinander verbunden sind, also gemeinsam gespielt werden können.

Unter Sparzwang

"Beide Orgeln sind unter einem Sparzwang entstanden, und es hat sich die Frage gestellt, ob man das Ganze nicht neu denken muss, da ohnehin größere Investitionen notwendig werden", sagt der Lauffener Orgelbaumeister und Restaurierer Klaus Rensch.

Sein Vater Richard Rensch hat die Hauptorgel von 1969 bis 1975 gebaut. 2001 wurde sie generalüberholt. Allerdings seien Elektronik und Elektrik zerschlissen. Die Installationen müssten erneuert werden. Außerdem gingen die heutigen musikalischen Ansprüche laut Klaus Rensch eher in Richtung Romantik als Barock. Aufgrund dieser schwierigen Situation hat sich mitten in der Pandemie, im Juni 2020, ein Orgelförderverein gegründet. Isabell Glaesser: "Wir haben uns gesagt, wenn wir jetzt nicht trotz der derzeit widrigen Umstände handeln, versandet das Projekt."

Kunsthistorisch wertvoll

Inzwischen hat ein Orgelsachverständiger ein Gutachten erstellt. Er stellt fest, dass die alte Chororgel kunsthistorisch wichtig sei und ein wertvolles Gehäuse hat. Das Instrument ist nach neueren Erkenntnissen speziell für die Regiswindiskirche gebaut worden, stand vermutlich bis etwa 1932 auf einer Empore und wurde im Laufe der Zeit mit einem zweiten und später mit einem dritten Manual ausgestattet.

Sanierung und Neubau der beiden Orgeln verschlingen nach ersten Schätzungen rund eine Million Euro. Dieses Geld zu beschaffen, hat sich der Förderverein auf die Fahnen geschrieben. "Für die Orgelsanierungen muss die Kirchengemeinde Rücklagen bilden, Kirchensteuern dürfen dort nicht hineinfließen", sagt Isabell Glaesser. Pandemiebedingt kann der Verein erst jetzt Veranstaltungen anbieten, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Eine Reihe nennt sich "Klingende Linde", in Anspielung auf die Linde vor der Kirche. Auf einem alten Klavier, das man geschenkt bekommen habe, wird ein Barpianist dort im Freien spielen. Der Auftakt ist für den 30. Juli um 19 Uhr mit Friedemann Manz geplant. Unterdessen hat die "Orgelliebe" einen chormusikalischen Anspruch. Unter dieser Reihe sollen im Herbst die Benefizkonzerte beginnen. Gestartet wird am 3. Oktober um 19 Uhr in der Regiswindiskirche mit Musik aus Barock und Romantik.

Und am 12. September, dem Tag des Denkmals, der auch der Tag der Orgel ist, stellt der Verein ein kleines Programm zur historischen Chororgel auf die Beine. Klaus Rensch gibt dabei zwei Vorträge und Führungen über die Bedeutung der Chororgel.

Kantor

Motor für die anstehenden Orgelsanierungen war der Kantor und Kirchenmusiker Andreas Willberg, der die Kirchengemeinde im vergangenen Jahr Richtung Marbach verlassen hat. Seitdem ist die Kirchengemeinde auf der Suche nach einem Nachfolger. Bisher allerdings erfolglos. "Wir hoffen, dass die Stelle bald wieder besetzt wird, und der potenzielle Nachfolger von Andreas Willberg hier neuen Schwung reinbringt", sagt Isabell Glaesser. Der 2020 gegründete Orgelförderverein hat rund 40 Mitglieder.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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