Mit dem Lastenrad in die Kita oder zum Einkaufen

Brackenheim  Lastenfahrräder sind ein Baustein für Mobilität der Zukunft. Die Cargobike-Roadshow hat einen Halt auf dem Brackenheimer Marktplatz eingelegt. Bürger konnten das Verkehrsmittel, das derzeit in aller Munde ist, ausprobieren und sich Infos einholen.

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Interessierte Bürger nehmen das Angebot wahr, auf dem Brackenheimer Marktplatz am Rathaus Lastenräder zu testen.

Fotos: Friedhelm Römer

Ziemlich wuchtig und gewöhnungsbedürftig sehen sie aus: Zwölf Lastenfahrräder stehen am Dienstagmittag auf dem Brackenheimer Marktplatz vor dem Rathaus und warten darauf, getestet zu werden. Neben Städten wie Mannheim, Ulm, Karlsruhe und Heilbronn macht die Cargobike-Roadshow auch in kleineren Kommunen Station.

Als der Landkreis Heilbronn eine Kommune suchte, war Brackenheim sofort zur Stelle, um diese Räder für einige Stunden zu präsentieren und von interessierten Bürgern ausprobieren zu lassen. "Das Thema passt zu uns, weil wir als Stadt Mobilität weiterentwickeln und die Bürger sensibilisieren wollen", sagt Bürgermeister Thomas Csaszar.

 

Gewöhnungsbedürftig, Balance zu halten

Dahinter steht die Idee, die Kinder mit dem Fahrrad statt mit dem Auto in die Kita zu bringen, oder den Einkauf ebenfalls mit dem Rad zu erledigen. Dank Akku ist zumindest der Krafteinsatz überschaubar. "Aber es ist gewöhnungsbedürftig, die Balance zu halten", sagt Thomas Csaszar nach einer kurzen Testfahrt mit einem Gefährt, bei dem eine große Box mit zwei Kindersitzen nicht hinten, sondern vorne zwischen Lenkstange und Vorderrad angebracht ist.

Der Bürgermeister weiß, dass diese Form der Mobilität vor allem in den großen urbanen Räumen und den Studentenstädten gefragt ist. "Aber wir wollen auch im ländlichen Raum ein Bewusstsein dafür schaffen." Schließlich sei Mobilität auch hier wichtig, und der Einsatz von Lastenrädern nur ein Beispiel, dem Thema Umweltschutz gerecht zu werden.

Lastenräder sollen das Auto ersetzen

Mit dem Lastenrad in die Kita

Bürgermeister Thomas Csaszar (auf dem Rad) lässt es sich nicht nehmen, eines der Lastenräder auszuprobieren. Arne Behrensen von Cargobike weist ihn ein.

Das baden-württembergische Verkehrsministerium fördert den Kauf von gewerblich genutzten Lastenrädern und unterstützt auch Vereine und Kommunen. Allerdings hat Arne Behrensen von der Agentur Cargobike für die Roadshow durch 17 Städte ausschließlich Räder für den privaten Gebrauch dabei. "Unser Anspruch ist, dass Lastenräder Autos ersetzen sollen", sagt Behrensen und ergänzt: "Der E-Motor ist dabei ein wichtiger Treiber für den Radmarkt." Laut dem EU-Projekt CycleLogistics könnten 51 Prozent aller motorisierten Transporte in europäischen Städten auf Fahrräder, Radanhänger oder Lastenräder verlagert werden, da sie eine Streckenlänge von unter sieben Kilometern und ein Gewicht von weniger als 200 Kilogramm haben.

 

Behrensen legt Wert darauf, dass alle zwölf Testräder von unterschiedlichen Herstellern stammen, um die gesamte Bandbreite an Rädern abzudecken. Die Hersteller beginnen allmählich, diesen Bereich als Wachstumsmarkt zu entdecken. So hatten Lastenräder im vergangenen Jahr in Deutschland noch einen Marktanteil von rund zwei Prozent aller Räder. Die Wachstumsprognose für dieses Jahr liege bereits bei 66 Prozent, Tendenz steigend. Der Preis für ein solches Rad liegt laut Arne Behrensen in der Regel zwischen 2500 und 6000 Euro.

In Brackenheim ist von dieser Tendenz aber noch nichts zu spüren. "Die Hersteller tun sich noch schwer, weil die Räder recht sperrig sind. Und die Nachfrage der Kundschaft ist bisher verhalten", sagt Peter Schmid vom Zweiradladen in Botenheim.

Verein

Auftraggeber der Roadshow ist die Arbeitsgemeinschaft der Fahrrad- und Fußgängerfreundlichen Kommunen (AGFK). Dieser Verein ist dezentral in mehreren Bundesländern organisiert und hat bereits eine Vielzahl von Mitgliedskommunen in Baden-Württemberg. In der Region sind der Landkreis und die Stadt Heilbronn sowie die Stadt Neckarsulm dabei. Die Cargobike-Roadshow präsentiert derzeit vom 6. bis 22. September Lastenräder in 17 Städten. Sie begann am vergangenen Montag in Mannheim und macht am Sonntag, 19. September Station in Heilbronn.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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