Läden schließen: Innenstadt von Schwaigern wird ärmer

Schwaigern  Schwaigern muss immer mehr Einbußen bei der Einkaufsqualität verzeichnen. Nun suchen der Handels- und Gewerbeverein und die Stadtverwaltung nach einer Lösung, die Menschen in die Läden locken und damit die Geschäfte zum Bleiben bringen soll.

Email

Lange schon stand der frühere Geschenkeladen Schulz-Lehnert mitten im Stadtzentrum leer. Hier zieht nun eine Fahrschule ein, Frequenz geht allerdings verloren.

Fotos: Ekkehart Nupnau

Ende Juni schließt Ulrike Dörr ihr Modegeschäft "Schönding" in der Schwaigerner Innenstadt. Schöne Dinge werde es dafür künftig in Stetten geben. Ulrike Dörr verkleinert sich von 100 auf rund 50 Quadratmeter. Doch in Schwaigern werden die Sorgen größer. "Schwaigern verliert mehr und mehr an Einkaufs-Qualität. Viele Menschen sind früher auch von außerhalb in die Stadt gekommen", stellt CDU-Stadträtin Petra Best mit Bedauern fest.

Wohnungen statt Galerie

Vor knapp einem Jahr hat das Fotogeschäft mit Galerie Nupnau Art et Photographie nach 35 Jahren dicht gemacht. Eigentümer Kurt Wendl baut dort um: Hier kommen zwei Mietwohnungen rein. Noch länger als die Kunstgalerie steht der Geschenkeladen Schulz-Lehnert mitten im Zentrum leer. Dort zieht bald eine Fahrschule ein. Und schon lange beschlossen ist die Schließung des Sanitätshauses Mayer und Rexing, das in das künftige Ärztehaus nach Leingarten wechselt. Die Nachfolge ist noch offen. Dies sind nur einige Beispiele, die die Situation kennzeichnen.

"Eine Fahrschule ist nicht gerade ein Frequenzbringer für eine kleine Stadt wie Schwaigern", sagt Günther Zielke, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Schwaigern (HGV). "Wir haben der Stadt unsere Sorgen mitgeteilt. Gleichzeitig müssen wir aber strategisch denken", ist Zielke überzeugt. In Zusammenarbeit mit der Stadt und Unterstützung von externen Beratern will der HGV ein "Leitbild Schwaigern" entwerfen. Corona hat diese Planungen in eine Warteschleife gesetzt. Ursprünglich wollte man sich noch im Juni auch mit den Gemeinderatsfraktionen zusammensetzen. Zielke: "Hier geht es darum, Diskussionen in Gang zu setzen und gezielt zu akquirieren."

Auf der Suche nach einem Gesamtkonzept

Der Verein hat seit Jahren bereits viele innerstädtische Themen auf der Agenda. Nun versuche man, so Zielke, Dinge neu zu ordnen: "Wir müssen Einzelschritte im Rahmen eines Gesamtkonzepts gehen." Dass der Verkauf immer stärker im Versandhandel stattfindet, ist kein Geheimnis. Antworten darauf zu finden, seien nicht einfach. Die hat auch die Bürgermeisterin nicht. "Es ist bedauerlich, wenn Frequenzbringer in der Innenstadt fehlen und Läden abwandern", sagt Sabine Rotermund und verweist auf das mit dem HGV zu erarbeitende Konzept.

"Interessenten als Nachmieter für die Galerie waren genug hier", sagt Kurt Wendl. Die kamen aber nicht infrage. Spielautomaten-Aufsteller, ein Barbershop oder ein Café, das lediglich Frühstück und zeitlich überschaubare Öffnungszeiten anzubieten hatte, waren nicht nach dem Geschmack von Wendl: "Ich hätte dort gerne weiter einen Ladenmieter gehabt. Jetzt muss ich umbauen und viel Geld investieren."

Ruven Baumgärtner sieht es ähnlich. "Mietinteressenten für Ladenlokale in ländlichem Raum sind rar. Welches Geschäft will sich da auch rechnen, bei stetig steigenden Lohnkosten und stetig schwindender Konsumlaune?", fragt der Eigentümer des ehemaligen Geschenke-Ladens Schulz-Lehnert und zeichnet ein düsteres Bild: "Wenn sich unser Kaufverhalten nicht massiv ändert, sind bald alle Läden aus den kleinen Städten verschwunden."

Baumgärtners mehrheitliche Mietinteressenten seien türkische Schnellrestaurants, ein Ramschladen und ein Wettbüro gewesen. "Das alles kam für uns nicht infrage, weshalb wir die Fläche, um eine kleine Wohnung verkleinert und den Rest an die Fahrschule Dexheimer vermietet haben." Und selbst für ein Café sei die Lage schwierig. Er habe die Verdienstmöglichkeiten im Gastrobereich 2016 noch viel positiver eingeschätzt als es sich 2017/18 tatsächlich dargestellt hatte. "Auch hier ist es so, dass man von den Lohnkosten aufgefressen wird. Drei Stunden volle Hütte am Tag, aber acht Stunden Lohnkosten mit kaum Gästen. Das ist am Ende kein funktionierender Business-Case."

Regional contra online

Für Unternehmerin Ulrike Dörr zieht das Argument des Kaufkraftverlusts aufgrund eines wachsenden Online-Handels nicht so richtig: "Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen inzwischen bewusst regional einkaufen und spüre eine große Treue." Dörr, die das Modegeschäft gemeinsam mit ihrer 74-jährigen Mutter Ingrid Zeeh führt, lebt von der Stammkundschaft. In Stetten besitzt ihr Mann Alexander Dörr ein altes Industriegebäude, in das sie nun umzieht und mehr auf Einkaufs-Events setzt. Soziale Projekte, Kosmetik-Präsentationen und Wein-Events sollen dort künftig stattfinden.

Läden schließen - Innenstadt wird ärmer

Nach 15 Jahren schließt der Modeladen Schönding am Monatsende. Inhaberin Ulrike Dörr zieht es aus privaten Gründen nach Stetten.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

Kommentar hinzufügen