Wie geht es weiter mit dem von der Pandemie ausgebremsten Musical "Hölder"?

Lauffen  Im Februar 2020 ging es uns wie anderen. Wir waren fokussiert auf unsere Auftritte in Lauffen und haben nicht darüber nachgedacht, dass schon bald Veranstaltungen abgesagt werden könnten." Für Götz Schwarzkopf war das Jahr des 250. Geburtstags des in Lauffen geborenen Dichters Friedrich Hölderlin eine Berg- und Talfahrt.

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Das Hölderlin-Musical ist 2020 von Corona gestoppt worden. Nur der Start in Lauffen fand im Februar mit vier Aufführungen und einer Vorpremiere statt.

Foto: privat

 

Der Autor und Ideengeber von "Hölder", dem Hölderlin-Musical, war ständig in Kontakt mit den weiteren vorgesehenen Veranstaltungsorten Bad Homburg, Heidelberg, Denkendorf und Stuttgart. Bis in den Juni hinein sei der Stimmungspegel kontinuierlich gesunken, so Schwarzkopf. Letztlich zerplatzten die Hoffnungen, das Musical-Projekt als Ganzes in 2020 durchzuführen. "Das war ein totales Ausbremsen", sagt Schwarzkopf.

Hoher Aufwand

Doch die Erwartungshaltung ist, das Projekt doch noch abzuschließen. Allerdings ist das mit großem Aufwand verbunden. Vor allem, weil die Zusammensetzung des Chores eine andere sein wird, denn der Abiturjahrgang ist ein neuer. "Unsere Vorbereitungen liefen über zwei Jahre", sagt Schwarzkopf. "Ich musste aufhören, zu planen. Das Loslassen tat weh." In Heidelberg und Denkendorf seien die jeweiligen Schulchöre mit den Proben bereits fertig gewesen.

Was blieb, waren die vier Aufführungen sowie die Vorpremiere in Lauffen. "Wir haben ein gutes Feedback bekommen, die Veranstaltungen waren ausgebucht. Besucher und Teilnehmer sind zu einer Einheit geworden. Das hat Glückgefühle ausgelöst."

Hölderlin on stage

Da der ursprüngliche Plan auch in diesem Jahr nicht umgesetzt werden konnte, kommt dafür derzeit eine Idee von der Leiterin des Lauffener Bürgerbüros Bettina Keßler zum Tragen: Hölderlin on stage. Das betrifft zwar nicht das Musical, "ist aber die Rückkehr in die Präsenz", sagt Götz Schwarzkopf. "Es fühlt sich konkret an."

Aber wie geht es nun weiter? Derzeit ist noch vieles unklar. Das Theaterhaus in Stuttgart hat das Musical - mit dem Lauffener Chor - für den 4. Oktober vorgesehen. Doch hinter diesem Termin steht noch ein dickes Fragezeichen, weil der Aufwand im Vergleich zum Nutzen, zum Beispiel wegen einer coronabedingten Begrenzung von Zuschauerzahlen, zu groß sein könnte. Schwarzkopf: "Ich würde gerne mit einer Entscheidung noch bis zum 1. August abwarten." Für die weiteren Spielstätten in Bad Homburg, Heidelberg und Denkendorf - alles Orte, zu denen Hölderlin einen Bezug hatte - scheint die Umsetzung selbst 2022 unwahrscheinlich. "2023 ist realistischer. Jeder muss schließlich in Form kommen, und an unserer Konzeption wollen wir festhalten", sagt der Autor. Mit dabei sind also die Band Hölder sowie Solisten, Chor und Bühnen-Kammerchor. Und im Mittelpunkt steht die junge Generation. Genau die Altersgruppe, zu der 1790 die drei Studenten Hölderlin, Hegel und Schelling gehörten, die in einer Studentenkneipe in Tübingen tiefgreifende Gedanken formulierten, die bis in die Gegenwart hineinwirken.

Auch eine Streuung der Aufführungen über zwei Jahre will Schwarzkopf nicht ausschließen. "Ich würde es allerdings lieber en bloc machen wollen." Auch in dieser Beziehung will er sich Hölderlins Aufforderung zum Motto machen: Komm ins Offene, Freund. Schwarzkopf: "Lass dich drauf ein."

Moral und Ethik

In dem Musical "Hölder" geht es um Freundschaft, Freiheit und Revolution. Ausgangspunkt waren für den Autor Götz Schwarzkopf die Ideen für eine bessere Welt. Diese hatte Hölderlin gemeinsam mit seinen Tübinger Studienkollegen Hegel und Schelling entwickelt und unter dem Begriff "Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus" formuliert und niedergeschrieben. Darin geht es um Moral und Ethik.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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