Gerüsthersteller Layher schafft mehr Ökopunkte als nötig

Güglingen  Als Ausgleich zu seiner Werkserweiterung bringt der Güglinger Gerüsthersteller Layher eine zusätzliche Streuobstwiese bei Eibensbach auf den Weg. Auch die Dachbegrünung im Industriegebiet auf Cleebronner Gemarkung verbessert die Bilanz.

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So soll die Verzinkerei des Gerüstherstellers Layher im Industriegebiet Langwiesen IV auf Cleebronner Gemarkung aussehen. Die reine Baufläche beträgt laut Zweckverband Wirtschaftsförderung Zabergäu rund 11,3 Hektar.

Grafik/Montage: Messmer Consult

In der ökologischen Ausgleichsbilanz für die geplante Verzinkerei im interkommunalen Gewerbegebiet Langwiesen IV erzielt der Güglinger Gerüsthersteller Layher jetzt ein deutliches Plus. War das Landratsamt Heilbronn noch im März davon ausgegangen, dass das Unternehmen mit dem Bau von Werk drei ein Minus von rund 75.000 Ökopunkten ausweisen würde, steht dem jetzt ein Überschuss von rund 214.000 Ökopunkten gegenüber. "Die Gründe dafür sind vielfältig", sagt Uli Messmer, Geschäftsführer des von Layher beauftragten Stuttgarter Planungsbüros Messmer Consult.

Streuobstwiese bringt 150.000 Ökopunkte

Den größten Brocken macht laut Stefan Stöcklein, für die Produktion zuständiger Geschäftsführer bei Layher, die neu geplante, rund einen Hektar große Streuobstwiese auf Güglinger Gemarkung aus. Rund 150.000 Ökopunkte kann das Unternehmen mit dieser Maßnahme auf der Habenseite verbuchen. Die Streuobstwiese hatte das Unternehmen nachgeschoben, nachdem es im März noch den Anschein hatte, dass die Ökobilanz rund um die Unternehmenserweiterung im Industriegebiet Langwiesen IV negativ ausfallen könnte.

Ausgleichsmaßnahmen für die Menschen vor Ort erlebbar

Für das Unternehmen sei klar gewesen, dass weitere Ausgleichsmaßnahmen vor Ort und für die Menschen in der Region erlebbar realisiert werden müssten. Ökopunkte einzukaufen, sei laut Stöcklein zu keinem Zeitpunkt ernsthaft infrage gekommen. Zusammen mit lokalen Naturschützern und Vertretern aus der Landwirtschaft habe sich der Gerüsthersteller jetzt für die Streuobstwiese mit möglichen Blühstreifen bei Eibensbach entschieden.

Auch, weil sich die Maßnahme nahtlos in eine bestehende Biotopvernetzung einfügen würde. Zudem weise der fragliche Ackerboden schlechte Qualität auf, was sich wiederum positiv auf die Ökobilanz auswirke, so Uli Messmer.

Dachbegrünung jetzt rund 9000 Quadratmeter größer

Dabei wäre die Streuobstwiese gar nicht mehr notwendig gewesen. Denn die Detailplanungen der Werksgebäude hätten jetzt ergeben, dass die Dachbegrünung um rund 9000 Quadratmeter größer ist als bei der Grobplanung noch angenommen. Damit erweitert sich die Dachbegrünung jetzt auf die Gesamtfläche von insgesamt rund 54.000 Quadratmeter.

36.000 Punkt auf der Habenseite

Die zusätzliche Dachbegrünung spült einerseits rund 36.000 weitere Punkte auf die Habenseite der Firma. Aufgrund der dadurch verringerten versiegelten Fläche schlägt dieser Aspekt aber noch einmal mit etwa der gleichen Ökopunktezahl zu Buche. "Die Begrünung zählt quasi doppelt", sagt Messmer.

Weitere zusätzliche Punkte hätten sich unter anderem durch korrigierte Rechenfehler in Excel-Tabellen und der Flurstücks-genauen Bewertung der Ausgleichsfläche ergeben. Demnach stelle sich der Renaturierungsbereich in seinem ursprünglichen Zustand qualitativ schlechter dar, als bei der mittleren, großflächigen Schätzung noch angenommen wurde, so Messmer weiter.

Güglinger Gerüsthersteller Layher schafft als Ausgleich zur Werkserweiterung auf Langwiesen IV weit mehr Ökopunkte als nötig

So sieht das Areal der zukünftigen Verzinkerei der Firma Layher derzeit noch aus. Zuletzt waren hier Archäologen des Denkmalamts zugange.

Foto: Ines Schmiedl

Layher hält an Streuobstwiese fest

Obwohl die ursprüngliche Planung die Ökobilanz für Layher mindestens ausgeglichen hätte, hält das Unternehmen an der Streuobstwiese fest. "Wir werden das machen. Denn wir wollten zu keinem Zeitpunkt pfennigfuchsen", sagt Geschäftsführer Stöcklein.

Werkserweiterung erfordert rund 1,5 Millionen Ökopunkte

Für die Realisierung in Langwiesen IV muss Layher rund 1,5 Millionen Ökopunkte durch Ausgleichsmaßnahmen erzielen. Die tatsächliche Baufläche für das Werk in dem interkommunalen Industriegebiet beträgt rund 11,3 Hektar. Den Kern der Ausgleichsmaßnahmen macht die Renaturierung der Zaber und des Fürtlesbachs aus.

Stefan Stöcklein, Geschäftsführer bei Layher, hofft, dass sowohl die Baugenehmigung als auch die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für den Bau der Verzinkerei noch im Juni erteilt wird. Voraussichtlich Anfang Juni wird der Umweltbericht noch einmal öffentlich ausgelegt. Mit dem Bau könnte im Januar 2021 begonnen werden. Die Bauzeit betrage rund ein Jahr.


Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

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