Fließender Übergang in der Kämmerei

Leingarten  Stefan Schnepf folgt als Fachbeamter für das Finanzwesen auf Eberhard Seiz. Ende 2020 ist die Leintalstadt im Kernhaushalt schuldenfrei.

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Mit Stefan Schnepf hat sich die Stadt Leingarten schon 2012 einen Profi in Sachen Doppik ins Rathaus geholt. Jetzt wird der bisherige Stellvertreter von Kämmerer Eberhard Seiz dessen Nachfolger.

Foto: Claudia Kostner

Mit den Grundrechenarten kommt man in der Kämmerei eigentlich durch", zitiert Stefan Schnepf einen Kollegen und schmunzelt. "Wir schlagen uns eher mit dem Haushaltsrecht herum, um das strategische Zahlenwerk zu liefern, auf dessen Basis der Gemeinderat entscheidet", so Schnepf. Bei der Stadt Leingarten ist er seit 2012 an der Erstellung des Haushaltsplans beteiligt - bisher als Stellvertreter von Kämmerer Eberhard Seiz, demnächst als dessen Nachfolger.

In Zeiten der Pandemie hat es Stefan Schnepf mit besonders vielen Unbekannten zu tun: "So eine Dynamik hat man in der Form noch nicht gehabt." Steuerschätzung und Orientierungszahlen von Bund und Land bekommen die Kommunen normalerweise im Herbst. "Aber selbst die vom November sind inzwischen wieder überholt. Den aktuellen, härteren Lockdown konnte man nicht einrechnen", sagt Schnepf.

Aus diesem Grund hat er sich mit der Fertigstellung des Zahlenwerks zurückgehalten. Aber auch "wegen eigener Punkte", unter anderem, weil der Baubeschluss für den Neubau des Feuerwehrhauses vom Gemeinderat erst in der Sitzung Ende November gefasst worden ist. Voraussichtlich am 22. Januar wird der Etat 2021 eingebracht.

"Wir haben optimistisch geplant", sagt Stefan Schnepf über den letzten gemeinsamen Haushaltsplan von ihm und Eberhard Seiz, der Mitte Januar seinen letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand hat. So seien sie beispielsweise bei den Einnahmen aus Eintrittsgeldern von einer normalen Freibadsaison ohne Begrenzung der Besucherzahl ausgegangen, ebenso beim Hallenbad.

Durch Corona hat Leingarten 2020 wie alle Kommunen insgesamt weniger Einnahmen verbucht, etwa bei der Gewerbesteuer. "Durch die Kompensationszahlungen von Bund und Land haben wir aber einiges auffangen können. Das hat uns in die Lage versetzt, unsere Kredite komplett abzulösen." Die gute Nachricht, dass die Stadt im Kernhaushalt Ende 2020 schuldenfrei ist, muss der verheiratete Vater einer vierjährigen Tochter gleich wieder relativieren. "2021 werden wir das noch durchhalten, aber 2022 wird es Kreditaufnahmen geben." Schließlich stehen hohe Investitionen an: der Feuerwehrhaus-Neubau (6,7 Millionen Euro), der Umbau des alten Hallenbades zur Mensa für die Eichbottschule (fünf Millionen) und die Beteiligung am zweiten Gleis für die Stadtbahn (eine Million). Neue Schulden seien unvermeidbar. "Auf längere Sicht Richtung zehn Millionen Euro. Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass nicht noch mehr Steuereinbrüche kommen", sagt Stefan Schnepf. Dass der Zinssatz momentan extrem niedrig ist, solle kein Anreiz sein, über die eigenen Verhältnisse zu leben. Und das habe Leingarten auch nicht vor. "Was wir jetzt machen, ist Substanzerhaltung", betont er.

Umstellung auf Doppik war Hauptgeschäft

Der Übergang vom Stellvertreter hin zum Kämmerer der Stadt ist fließend. Schließlich arbeitet der Böckinger schon seit acht Jahren in Leingarten, hat die Umstellung des kommunalen Finanzwesens von Kameralistik auf Doppik (doppelte Buchführung) gemanagt. "Das war relativ schnell mein Hauptgeschäft", sagt Schnepf.

Darin ist er Profi. Nach dem Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg hat Stefan Schnepf im Rechenzentrum in Stuttgart "von der Pike auf" alles über die Doppik gelernt, mit erarbeitet, Projekte betreut. Bis heute ist er in Arbeitsgruppen auf Landesebene vertreten. "Man soll die Doppik nicht verteufeln, aber das Allheilmittel ist sie auch nicht", sagt der 42-Jährige.

Wer ihm künftig als Stellvertreter zur Seite steht, weiß Stefan Schnepf noch nicht, er hofft auf kompetente Bewerber: "Die Frist läuft bis zum 31. Dezember."

Zusatzarbeit

Viel Zeit geht bei Stefan Schnepf in diesem Jahr für die Beschäftigung mit dem Digitalpakt der Schulen drauf. "Die Koordination hat Bauamtsleiter Ralf Eschelbach. Aber die Zuschüsse laufen alle bei der Kämmerei zusammen", sagt der Ehemann einer Lehrerin. "Im Moment sind wir bei Version vier." Nicht nur der Inhalt lasse sich manchmal nicht oder nur schwer mit der Realität vor Ort vereinbaren. "Vor Corona gab es das auch nicht, dass plötzlich Geld auf dem städtischen Konto war, und man wusste nicht wofür", erzählt Schnepf. So geschehen im Fall der Leihgeräte für Schüler. "Der Brief vom Kultusministerium kam erst zwei, drei Tage später." 


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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