Eine andere Art geselliger Weinprobe

Lauffen  Planwagenfahrten in den Weinbergen sind seit Jahren sehr beliebt. 2020 fallen sie möglicherweise ganz ins Wasser.

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Die Corona-Krise hat die Planwagenfahrten "Katzenbeisser-Carrus" in den Lauffener Weinbergen in diesem Jahr ausgebremst. Ob sie 2020 überhaupt stattfinden werden, ist noch völlig offen.

Foto: privat

Eigentlich wären Martina und ihr Mann Gotthard Buck in diesen Tagen in ihren knall-orangenen Planwagen in den Lauffener Weinbergen unterwegs. Dort würden sie ihre Weintouristen unterhalten und an eindrucksvollen und besonderen Stellen eine kurze Pause einlegen, um die Gäste zu informieren. Über die Arbeit im Weinbau und über die Geschichte der Stadt. Und dabei verschiedene Weine kredenzen.

Zehnjähriges Bestehen

Doch 2020 ist alles anders. Ausgerechnet im Jahr des zehnjährigen Bestehens. "Wir hatten einen gut gefüllten Terminkalender. Jetzt ist er voll mit roten Strichen", sagt Martina Buck. Die Corona-Krise hat auch vor den Weinerlebnisführungen keinen Halt gemacht. In den Corona-Verordnungen fallen sie unter Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Da ist zwar seit Mittwoch ein Aufenthalt von bis zu zehn Personen gestattet. Doch die Einhaltung der Abstandsregeln gilt weiterhin. "Das lässt sich mit unseren Führungen nicht vereinbaren", sagt Martina Buck.

Sie waren damals nach der Weinbruderschaft Brackenheim die zweiten Weingärtner im Landkreis Heilbronn, die die traditionellen Weinproben aus den Kellern nach draußen brachten. "Das ist eine andere Art von geselliger Weinprobe", sagt Martina Buck.

"Wir leben von unserer Authentizität"

Dabei gehe es auch um die Brauchtumspflege und zum Beispiel Fragen, wie der Wein entsteht oder wie die Arbeit in den Steillagen funktioniert. Sie ist zertifizierte Weinerlebnisführerin, ihr Mann Weinbautechniker und Stadtführer. Und sie sind Weingärtner im Vollerwerb und Mitglied der Lauffener Weingärtnergenossenschaft. Damit haben sie das entsprechende Rüstzeug. "Wir leben von unserer Authentizität. Das schätzen die Leute", erzählt die 57-Jährige. Ihre Kunden kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus der Schweiz. Und es sind nicht nur Seniorengruppen, die sich in den drei zur Verfügung stehenden Planwagen auf eine der rund 3,5-stündigen Touren begeben. Vereinsausflüge oder Teambildungsmaßnahmen von Betrieben sind ebenso dabei. Touren können individuell zugeschnitten werden, auch für kleinere Gruppen. Selbst Führungen speziell für Sehbehinderte sowie für Gehörlose hat das Ehepaar Buck geleitet.

Schon lange hatten sie nach einem passenden Format gesucht. Doch erst ihre Tochter Tabea, 2008 württembergische Weinprinzessin und deshalb auf vielen Veranstaltungen rund um das Thema Wein auf Achse, habe sie auf die Idee gebracht. Es war eine Zeit des Aufbruchs.

Seit 2008 bietet die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg in Kooperation mit dem Weininstitut Württemberg eine Ausbildung zum Weinerlebnisführer an. Mitinitiator für diesen Lehrgang waren die Touristikgemeinschaften Heilbronner Land und Hohenlohe. Auch der Neckar-Zaber-Tourismus hat sich dem Thema Wein schon seit Längerem angenommen. Die 57-Jährige nimmt eine stetige Aufwärtstendenz in den vergangenen zehn Jahren wahr. Daher hatte es sich angeboten, den Bestand auf drei Planwagen auszubauen. "Damit können wir auch Busgruppen bedienen."

Bildungsgang

Die Weinerlebnisführer Württemberg sind speziell geschult und für die Organisation und Durchführung von weinbezogenen Gästeprogrammen, Weinerlebnistouren und Degustationen ausgebildet. Ziel des Bildungsgangs ist die Qualifizierung von Gästeführern für die Weinregionen Württemberg und Baden. Der nächste Lehrgang findet an rund 25 Ausbildungstagen von September 2020 bis Mai 2021 statt.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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