Der Feuerwehr-Nachwuchs zieht Leine

Region  Es sind nur noch Übungen erlaubt, die der Einsatzfähigkeit der Feuerwehr dienen. Die Feuerwehr im Kreis hat in der Coronazeit bereits 113 Jugendliche verloren.

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Die Jugendfeuerwehr darf wegen der Corona-Verordnung schon seit Langem nicht mehr üben. Das sorgt für Austritte und stellt den Kreisverband vor ein Problem.

Foto: Archiv/Agentur Kochertal

Der Feuerwehr geht der Nachwuchs verloren. "Wir haben da viele Austritte", macht sich der Zaberfelder Feuerwehrkommandant Matthias Fried große Sorgen. Ein Thema, das auch Timo Kraft Kopfzerbrechen bereitet. Das liegt daran, dass die Jugend-Feuerwehr wegen der Corona-Pandemie nicht mehr üben darf.

"Es sind nur noch Übungen erlaubt, die der Einsatzfähigkeit dienen", sagt der Kreisjugend-Feuerwehrwart aus Lauffen. Und davon ist die Jugendabteilung eben nicht betroffen. Doch die Nachwuchskräfte leben vom kameradschaftlichen Miteinander. Jeder finde dort seinen Platz, könne sich einbringen, so Kraft. Aber inzwischen steht der bisherige Ablauf beim Nachwuchs seit einem Jahr still. Und das spiegelt sich allmählich auch in den Mitgliederzahlen wider. Timo Kraft: "Wir haben 113 Austritte von Jugendlichen zum Ende vergangenen Jahres zu verzeichnen."

Alternativen fehlen

Bei den insgesamt 1001 Mitgliedern im Landkreis Heilbronn in dieser Altersgruppe ist das ein nennenswerter Prozentsatz. Ende 2019 betrug die Mitgliederzahl der Jugendlichen im Kreisverband noch 1146. In der Coronazeit fehlen Alternativangebote, um den Nachwuchs bei der Stange zu halten.

Dass sich die Feuerwehr in den vergangenen Jahren über steigende Nachwuchszahlen freut, liegt vor allem daran, dass es inzwischen in 18 Landkreiswehren Kindergruppen gibt. Diese umfassen zwischen zehn und 30 Personen. Dieser Nachwuchs der Sechs- bis Zehnjährigen bleibt zwar dabei. Doch sie können die derzeit entstehende Lücke nicht so schnell schließen wie dies notwendig wäre. Kraft: "Es sind die 14- bis 16-Jährigen, die uns schon bald in der Einsatzabteilung fehlen werden." Da wird die Feuerwehr vermutlich einige schwierige Jahre überstehen müssen. In jüngster Vergangenheit hat die Feuerwehr im Kreis pro Jahr stets einiges an Nachschub aus der Jugend bekommen: 80 bis 90 Floriansjünger wechselten jeweils in die örtliche Einsatzabteilung. Wie kann es also gelingen, die vielen Abgänge doch noch zu kompensieren? "Wir wollen das über eine erneute Mitgliederwerbung versuchen", sagt Timo Kraft, schränkt aber sofort ein: "Wir stehen uns dabei im Moment aber selbst im Weg."

Kreis soll aktiv werden

Denn Jugendliche zu begeistern, ohne ihnen im direkten Kontakt und bei Übungen in der Praxis zeigen zu können, wie das Ganze abläuft, dürfte äußerst schwierig werden, weiß der Nachwuchs-Feuerwehrwart und fordert: "Der Kreis muss hier aktiv werden."

Dass sich die Lage mittelfristig merklich entspannen wird, sieht Timo Kraft noch nicht. "Für uns zählen die Vorgaben des Innenministeriums." Seine ursprüngliche Hoffnung, zumindest nach den diesjährigen Sommerferien mit den Übungen für die Jugend wieder einsteigen zu können, ist nicht mehr besonders groß.

Inzwischen setzt der Kreisjugend-Feuerwehrwart dagegen auf das kommende Jahr. Dann sollten aus seiner Sicht verschiedene Aktionen zur Mitgliedergewinnung geplant und umgesetzt werden.

Kreisverband

45 kommunale Feuerwehren gibt es im Landkreis Heilbronn mit 4519 Mitgliedern. Nachfolger des Ende 2020 in den Ruhestand gegangenen Uwe Vogel an der Spitze des Kreisverbandes ist nun Bernd Halter. Der 50-Jährige ist im Gegensatz zu Vogel hauptamtlich tätig. Zum 31. Dezember 2020 gab es 1001 Mitglieder in den Jugendgruppen im Landkreis, 23 Jugendliche im Stadtkreis sowie 232 Kinder in den 18 Kindergruppen, also 1256 Mitglieder. Ende 2019 waren es 1412 Mitglieder, davon 1146 in Jugend-, 266 in Kindergruppen.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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