Zwei Landwirte und ein blühendes Paradies für Insekten am Bönnigheimer Ortsrand

Bönnigheim  Markus Stegmaier und Nik Staudenrausch haben im Herbst knapp zwei Hektar Blumen gesät. Nun steht der einstige Acker in voller Blüte. Damit wollen die Landwirte ein Zeichen für Naturschutz setzen. Für ein Stück blühende Wiese werden Patenschaften angeboten.

Von Ines Schmiedl
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Nik Staudenrausch ist im Glück in seiner "Blühenden Heimat" am Ortsrand von Bönnigheim. Auf 1,8 Hektar Fläche hat er mit seinem Chef Markus Stegmaier im Herbst eine Blühmischung eingesät.

Foto: Ines Schmiedl

Wenn man von Bönnigheim in Richtung Lauffen aus dem Ort fährt, kommt gleich nach dem letzten Haus auf der rechten Seite ein Acker voller bunter Blumen. Wo sonst Gerste, Weizen oder Mais gewachsen sind, erstreckt sich jetzt auf knapp zwei Hektar eine blühende Landschaft für Insekten, Käfer und Co. "Das sieht richtig klasse aus. Wir sind im Glück damit", sagt Nik Staudenrausch, der zusammen mit seinem Chef Markus Stegmaier den 1,8 Hektar großen Acker im Gewann Lauffener Feld im Herbst mit einer Blühmischung eingesät hat. "Wir wollten ein Zeichen setzen: Landwirte haben auch ein Herz für Naturschutz und Artenschutz", so der Bönnigheimer.

Der einstige Acker steht in voller Blüte

"Im Vorjahr hat das nicht hübsch ausgesehen", gesteht der Obstbaugeselle Staudenrausch. Jetzt steht der einstige Acker in voller Blüte: Gelb blühender Färberwaid, Blutklee mit seinen roten Blüten, dazwischen büschelweise weiße oder rosa Lichtnelken, zahlreiche Gräser und Disteln sind nicht nur eine Augenweide für die Menschen, die Blüten nützen vor allem Wildinsekten, Käfern und Schmetterlingen als Nahrung und Unterschlupf. An sonnigen Tagen summt es hier und neben den hübschen Pflanzen gibt es allerlei fliegende Tierchen zu beobachten. Allein das Betreten des Ackers ist nicht erwünscht, Zuschauer dürfen nur von außen das Treiben auf der artenreichen Wiese in Augenschein nehmen. Die Insekten sollen ihre Ruhe haben, so der erklärte Wille.

Markus Stegmaier und Nik Staudenrausch haben für ihr Projekt "Blühende Heimat" den Acker aus der herkömmlichen Bewirtschaftung herausgenommen. Die Fläche wird weder mineralisch noch organisch gedüngt, natürlich werden auch keine Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Die beiden wollen ein Zeichen setzen gegen Flächenversiegelung, sie wollen mit ihrem Blühacker einen natürlichen Lebensraum und genügend Nahrung für die kleinen Tierchen bieten. Fördergelder haben sie nicht beantragt.

"Wir waren es leid, immer nur zu hören, dass Landwirte mit ihren Monokulturen und Pflanzenschutzmitteln alles kaputt machen. Man darf auch in unserer Berufsgruppe nicht alle über einen Kamm scheren", sagt Nik Staudenrausch, der sich vor Jahren bewusst für eine Ausbildung zum Obstbaugesellen entschieden hat. Inzwischen kommen ihm immer häufiger Zweifel, denn die Verdienste in der Wirtschaft liegen um einiges höher.

Blühpatenschaft: Für 20 Euro 50 Quadratmeter Blühfläche verschenken

Damit die beiden Bönnigheimer noch mehr Leute für ihre "Blühende Heimat" begeistern können, haben sie sich eine Blühpatenschaft ausgedacht. Bereits ab 20 Euro kann ein Zertifikat über 50 Quadratmeter Blühfläche für eine Saison erworben und verschenkt werden. Das Basispaket kostet 40 Euro. "Wir wollten, dass alle mitmachen können, auch Kinder, die nur ihr Taschengeld haben", sagt Nik Staudenrausch.

Es ist jedoch nicht nötig, dass die Blühpaten auf dem Acker mitarbeiten. "Es muss ohnehin nicht viel gemacht werden. Im Frühjahr wird ein Mal gemäht", so der Naturbegeisterte. Ansonsten werde die Fläche sich selbst und den kleinen Tierchen überlassen, die sich hier wohlfühlen. Vielleicht müsse in ein oder zwei Jahren nachgesät werden. Die Saatenmischung ist von einer Firma, die die Samen pro Blühfläche extra für die jeweilige Region auswählt.


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