Austausch zwischen den Partnerstädten lahmgelegt

Region  Die Corona-Pandemie hat auch die Städtepartnerschaften lahmgelegt. In den Partnerschaftskomitees hofft man auf Normalität im kommenden Jahr. Manche Gemeinden beklagen sich zudem über die schwache Beteiligung ihrer Partnerstädte.

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In Brackenheim sind die Partnerstädte an den Kreisverkehren allgegenwärtig. Auf einen regen internationalen Austausch müssen die Kommunen in diesem Jahr coronabedingt verzichten.

Foto: Friedhelm Römer

Die Corona-Pandemie hat auch die Städtepartnerschaften lahmgelegt. "Wir haben schon seit längerem keinen Kontakt mehr zu unseren Partnergemeinden Asola und Lésigny", sagt Klaus Wiedmaier, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Leingarten. So wie Leingarten geht es derzeit vielen Landkreiskommunen.

Im Oktober wird es in Leingarten eine Arbeitssitzung mit den drei beteiligten Kommunen geben, um die Aktivitäten für das nächste Jahr zu besprechen. Themen wie der Käsritt, Gassenfest und das traditionelle Fußball-Jugendturnier stehen 2021 auf der Tagesordnung.

Seit 20 Jahren mit Nottwil verbandelt

In Schwaigern wurden für den Herbst 2020 geplante Veranstaltungen bereits abgesagt. "Wir hoffen noch, dass der Weihnachtsmarkt in Massenbach stattfinden kann", sagt Manfred Litz, Vorsitzender des Schwaigerner Förderkreises. In diesem Jahr sollte ursprünglich das Partnerschaftsjubiläum mit der Schweizer Gemeinde Nottwil gefeiert werden. Vor 20 Jahren hatten sich Schwaigern und Nottwil verbandelt. Nun sind sie Opfer der Pandemie geworden und haben das in Schwaigern geplante Fest auf das nächste Jahr verschoben, während Teil eins dieses Doppelfestes in Nottwil noch im September 2019 über die Bühne gehen konnte.

Neckarwestheim hatte im Mai über Christi Himmelfahrt eine mehrtägige Veranstaltung mit Ceton, das in der Normandie liegt, geplant. "Aber es ist schnell klar geworden, dass es in diesem Jahr nicht klappen wird", sagt Bürgermeister Jochen Winkler. Einen Austausch auf Verwaltungsebene habe es nicht gegeben. "Wenn wir einen Hilferuf wegen der Corona-Lage bekommen hätten, hätten wir selbstverständlich etwas unternommen", sagt Winkler. Aber die Kommunikation gestalte sich schwierig: "Wir haben überhaupt keinen Ansprechpartner dort. Die Verbindung ist hemdsärmelig gestrickt."

Keine Unterstützung

Ceton ist eine landwirtschaftlich geprägte Flächengemeinde. Die Partnerschaft privat organisiert. Von französischer Seite bekomme die dortige Kommune keinerlei Unterstützung für die Jumelage. In Neckarwestheim gebe es dagegen ein festes Budget für gemeinsame Veranstaltungen.

Lebendiger und aktiver werden dagegen die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Lauffen und La Ferté-Bernard geführt. Geplant war ein Besuch der Franzosen im Rahmen des Sommerfestes anlässlich des Hölderlin-Jahres zum 250. Geburtstag des in Lauffen geborenen Dichters. Doch auch diese Veranstaltung wurde coronabedingt abgesagt. Zwei Weltkriege haben ihre Spuren hinterlassen und werden in der Erinnerungskultur auf beiden Seiten wach gehalten. "Die Partnerschaft mit La Ferté ist vital", stellt Bärbel Wein, Zweite Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Lauffen, erfreut fest.

Auch Güglingen musste alle geplanten Veranstaltungen mit seinen beiden Partnerstädten, dem französischen Auneau und dem britischen Dorking absagen. "Nachdem bekannt wurde, dass in beiden Partnerstädten Masken knapp waren, haben wir Mundschutzmasken geschickt, die dort an die Mitglieder der Partnerschaftsvereine verteilt wurden sowie an öffentliche Einrichtungen, die einen starken Bedarf hatten", sagt Beate Eberhardt, Erste Vorsitzende des Güglinger Partnerschaftsvereins. Für 2021 ist ein gemeinsamer Besuch mit den Partnerstädten der Gartenschau in Eppingen vorgesehen.

 

Serie
Die Serie "Partnerstädte und Corona" beschäftigt sich mit Fragen, wie die jeweiligen Partner die schwierige Phase in den ersten Monaten der Pandemie erlebt haben, ob es gemeinsame, unterstützende Aktionen gab und ob sich die Partnerkommunen eine andere Vorgehensweise ihrer Regierung beim Lockdown gewünscht hätten. Zum Auftakt starten wir mit der regionalen Perspektive aus Zabergäu und Leintal.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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