Zwei Güglinger haben eine Vision vom Mittelpunkt des Zabergäus

Güglingen  Uli Peter und Wilhelm Stark teilen die Vision einer grünen Oase mitten auf dem Acker. Ein zweites Tripsdrill haben sie aber nicht im Sinn.

Von Wolfgang Müller
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Eine begrünte Loggia aus Stahl und ein Park mit austerbenden Obstbäumen. Zwei Güglinger haben eine Vision vom Mittelpunkt des Zabergäus.

Uli Peter (links) und Wilhelm Stark wollen ihre Vision von einem 60 Ar großen Park mit Obstbäumen im Zentrum des Zabergäus verwirklichen. Foto: Wolfgang Müller

Eine begrünte Loggia aus Stahl mitten auf dem Feld, dazu ein rund 60 Ar großer Streifen bepflanzt mit vom Aussterben bedrohten Obstbaumarten: Die Güglinger Uli Peter und Dr. Wilhelm Stark haben den Mittelpunkt des Zabergäus ermittelt und wollen daraus eine grüne Oase am Rande des Wurmbachs machen.

Ihrem Entwurf für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan am Brackenheimer Weg zwischen Frauenzimmern und Brackenheim hat der Güglinger Gemeinderat bereits im Grundsatz zugestimmt. Gibt das Gremium auch am kommenden Dienstag grünes Licht für den Entwurf, kann das Vorhaben wohl noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

Geographischer Mittelpunkt

Was ist das Zabergäu? Und wo liegt dessen Mittelpunkt? Diese Fragen hat sich Uli Peter vor knapp zehn Jahren zum ersten Mal gestellt. Nordheim gehört seiner Ansicht mit hinein. Sternenfels hat der Vorsitzende des Zabergäuvereins nicht dazugezählt. "Aber egal, ob man Nordheim rauslässt und Sternenfels dazu nimmt, der Mittelpunkt des Zabergäus liegt immer auf Güglinger Gemarkung", sagt Peter.

Vision verwirklichen

Eine begrünte Loggia aus Stahl und ein Park mit austerbenden Obstbäumen. Zwei Güglinger haben eine Vision vom Mittelpunkt des Zabergäus.

Die Loggia war in den 90er Jahren als Ladenarkade konzipiert. Sie musste dem Neubau für den Kindergarten Herrenäcker weichen. Foto: Archiv/Veigel

Auf dieser Grundlage haben Stark und Peter mit Hilfe des Gauß-Krüger-Koordinatensystems den Mittelpunkt des Landstrichs bestimmt, der auf dem Acker des ehemaligen Landwirts Günter Beyl liegt. Rund 60 Ar hat Peter gekauft, um seine Vision zu verwirklichen. Ein Pflanzenlabyrinth oder Kunst, das waren die ersten Gedankenspiele, die der 57-Jährige zusammen mit dem Leiter des Römermuseums in Güglingen, Enrico De Gennaro, entworfen hat.

Als die Loggia vor dem Güglinger Kindergarten Herrenäcker abgebaut wurde, kam dem überzeugten Zabergäuer eine neue Idee. "Die Loggia sollte verschrottet werden", sagt Peter. Da habe er sie kurzerhand gekauft. Rund 10 000 Euro hat der 57-Jährige dafür bezahlt. Die halbrunde Arkade aus Stahl hat einen Durchmesser von 30 Metern. Sie ist rund sechs Meter hoch und steht auf 26 Pfosten.

Halbrund Richtung Süden geöffnet

Das Halbrund soll nach Süden hin geöffnet sein, sein Auge also Richtung Michaelsberg öffnen. Davor erstreckt sich ein spitz zulaufendes, langgezogenes Dreieck auf dem Stück Land, das Peter gekauft hat, und aus dem er ein Arboretum machen will. Ein Park also, auf dem alte Obstsorten gedeihen sollen, die es auf dem Markt nicht mehr gibt. "Wilhelm Stark darf sich hier verwirklichen. Er hat freie Hand", sagt Uli Peter.

Kernobst- und Quittensorten

Stark, der sich seit Jahrzehnten für den Umweltschutz engagiert und unter anderem im BUND aktiv ist, hat sich bereits auf die Suche gemacht. Alte Kernobst- und auch Quittensorten, die vom Aussterben bedroht sind, hat er im Sinn. Stark setzt dabei sowohl auf die sogenannte vegetative Vermehrung durch Veredelung, als auch auf die generative Vermehrung, also durch Bestäubung durch Bienen.

"Wir werden die Anlage gut hegen und pflegen", verspricht Uli Peter. Der überzeugte Zabergäuer denkt sogar daran, einen Brunnen zu bohren. Für Besucher sollen Garten und Loggia zugänglich sein. "Wir denken daran, Schaupressen zu veranstalten", sagt Peter. "Auch für Hochzeitsfotos wird sich der Platz bestens eignen. Was wir aber nicht wollen, ist ein zweites Tripsdrill."

Gemeinderat ist am Zug

Eine begrünte Loggia aus Stahl und ein Park mit austerbenden Obstbäumen. Zwei Güglinger haben eine Vision vom Mittelpunkt des Zabergäus.

Am kommenden Dienstagabend ist der Güglinger Gemeinderat am Zug. Billigen die Räte die Planung und geben grünes Licht für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan, leitet die Verwaltung das entsprechende Verfahren ein. Im Herbst könnte Stark dann mit den Pflanzungen beginnen.

Punkte für das Ökokonto

Die Loggia, die in den 90er Jahre vom Architekten Heinz Rall entworfen und in Güglingen gebaut wurde, lagert derzeit in ihre Einzelteilen zerlegt in einem Güglinger Betrieb. "Die Loggia wird mit Kletterpflanzen äußerlich lückig begrünt, mit Knöterich und auch Efeu", sagt Stark. Die ökologische Aufwertung des derzeit landwirtschaftlich genutzten Ackerstreifens könnte auch der Römerstadt zugute kommen. So könne sich Güglingen die entsprechenden Punkte auf ihrem Ökokonto gut schreiben, so Peter.

 

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