Wie stark könnte das Gewerbegebiet Anwohner belasten?

Massenbachhausen  Das geplante Gewerbegebiet Fronäcker sorgt in Massenbachhausen für Gesprächsstoff. Bürger befürchten, von Lärm und Geruch belastet zu werden. Nach Einschätzung von Experten sollen die Emissionen erträglich bleiben. Ausdiskutiert ist das Thema aber noch lange nicht.

Von Elfi Hofmann
Email

Der Firma Endurance Amann hat ihren Sitz in Massenbachhausen und will sich bereits seit Jahren erweitern. Im Gewerbegebiet Fronäcker findet sie Platz.

Foto: Simon Gajer

Die Bürger in kommunale Planungsprozesse mit einzubinden und ihnen Gelegenheit zu geben, sich zu äußern, steht nicht erst seit gestern auf der Agenda von Massenbachhausens Bürgermeister Nico Morast. Jetzt wurden die Einwohner zur Gemeinderatssitzung eingeladen. Dort war das heiß diskutierte Gewerbegebiet Fronäcker der einzige Tagesordnungspunkt. Alle Gäste hatten die Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen.

Wie stark ist die Lärmbelastung, wie hoch das Verkehrsaufkommen? Und was wird mit einer eventuellen Ausgleichsfläche? Aspekte, die nicht nur die direkt Betroffenen umtreiben, schließlich wäre von mehr Verkehr praktisch der gesamte Ort in Mitleidenschaft gezogen. Das zeigen auch die rund 250 Stellungnahmen, die bis zum Ablauf der Frist beim Regierungspräsidium in Stuttgart eingingen. Besonders das Verkehrsaufkommen in der Jahnstraße und der Lärm, der durch mehr Lkw zunehmen würde, beschäftigt die Menschen in Massenbachhausen.

Das Verkehrsaufkommen soll erträglich sein

Christian Fiegel von der BS Ingenieure Ludwigsburg stellte deshalb eine Verkehrsprognose vor und versuchte die Anwesenden zu beruhigen. "Die Prognose zeigt, dass das Aufkommen verträglich ist", so der Experte. Da die Werte laut seinen Berechnungen bei Tag und Nacht unter einer bestimmten Dezibel-Grenze bleiben, seien keine Schallschutzmaßnahmen nötig. "Es gibt keine signifikante Änderung zum jetzigen Zustand", so Siegel in seinen Ausführungen. Eine Gesundheitsgefährdung bestehe ebenfalls nicht.

Dass es durchaus einen Unterschied zwischen einer Prognose, die auf nackten Zahlen beruht, und dem subjektiven Empfinden des Einzelnen gibt, bestätigte Martin Hautzinger: "Die Leute in der Jahnstraße leiden. Sie haben das gleiche Recht wie die, die in anderen Straßen wohnen", so das Gemeinderatsmitglied, und erntete dafür zustimmendes Gemurmel aus dem Publikum. Da tröstet es nicht, dass eine weitere Prognose besagt, dass auch die Geruchsbelastung gering ausfallen wird.

Danijel Kolak vom Ingenieurbüro ProVis verspricht, dass die von ihm zugrunde gelegten Grenzwerte nicht überschritten, in manchen Fällen sogar unter der Relevanzgrenze liegen werden. Freilich sind das nur Prognosen. Wie es dann wirklich aussehen wird, zeigt sich erst, wenn sich die Unternehmen auf dem Gebiet angesiedelt haben.

Das Thema Fronäcker wird noch länger diskutiert werden

Gegenüber des ursprünglichen Entwurfs habe es wesentliche Änderungen gegeben, so Bürgermeister Morast. Das gesamte Gebiet ist in mehrere Teilgebiete aufgeteilt, die nicht nur Platz für die bereits in der Gemeinde ansässige Firma Endurance Amann - deren Vergrößerung der Hauptgrund für das Gewerbegebiet ist -, sondern auch für ein neues Gerätehaus der Feuerwehr bieten. Daneben soll es auch Platz für eine Regenwasserabhaltefläche bieten. "Mittlerweile sind mehrere Unternehmen aus Massenbachhausen an uns herangetreten und wollen sich dort ansiedeln", so Morast.

Durch benachbarte Gewerbegebiete dürfen die Emissionsrichtlinien im übrigen nicht komplett ausgeschöpft werden, denn dann würden die Kontingente doch noch überschritten. Und das will keiner. Am wenigsten die Bewohner der Jahnstraße, die ob der vielen Zahlen einiges zu verdauen hatten nach über drei Stunden Sitzung. Mit ihren Stellungnahmen wird sich der Gemeinderat dann in einer seiner nächsten Sitzungen beschäftigen. Das Thema Fronäcker ist also noch lange nicht durch.


Interessenten: Das geplante Gewerbegebiet wird insgesamt fünf Hektar groß sein. Der bereits in Massenbachhausen ansässige Autozulieferer Endurance Amann möchte zirka 3,5 Hektar von dieser Fläche mit neuen Gebäuden für eine Gießerei, Produktionsanlagen und Büroräume bebauen. Außerdem sollen ein neues Feuerwehrgerätehaus und ein Regenwasserauffangbecken auf dem Gelände entstehen. Laut Bürgermeister Nico Morast haben noch weitere Unternehmen aus Massenbachhausen Interesse an einer Bebauung angemeldet.

 


Kommentar hinzufügen