Stabwechsel mit historischer Dimension in Pfaffenhofen

Pfaffenhofen  Mit Carmen Kieninger übernimmt erstmals eine Frau das Bürgermeisteramt nach fast 40 Jahren Dieter Böhringer.

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Eingerahmt von den stellvertretenden Bürgermeistern Stefan Wasserbäch (l.) und Martin Rösinger (r.) bei der Wachablösung: Dieter Böhringer und Carmen Kieninger.

Foto: Werner Stuber

Der Anlass hätte einen würdigeren Rahmen verdient", sagte Landrat Detlef Piepenburg am Mittwochabend zur Verabschiedung des langjährigen Pfaffenhofener Bürgermeisters Dieter Böhringer. Keine Vorführungen der Vereine wie Liederkranz oder TSV Pfaffenhofen, kein unbeschwertes Fest mit langjährigen Wegbegleitern. Stattdessen eine auf rund 100 Besucher begrenzte Wilhelm-Widmaier-Halle. Masken, Abstandsregeln, Testnachweise. Die Corona-Pandemie hat die Regie bestimmt.

Dennoch: Es waren viele Repräsentanten aus Land-, Kreis- und Gemeindetag, Gemeinderat, Bürgermeister aus dem Sprengel und Bürger sowie der 94-jährige frühere Heilbronner Landrat Otto Widmaier gekommen. Immerhin hatte diese Gemeinderatssitzung eine historische Dimension. Denn Dieter Böhringer ist mit 39 Jahren und fünf Monaten der dienstälteste Bürgemeister im Landkreis Heilbronn und unter den "Top fünf" in Baden-Württemberg wie Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke als Vertreter des Gemeindetages hervorhob. Außerdem bekommt Pfaffenhofen mit Carmen Kieninger, die in diesem Rahmen in ihr Amt eingesetzt wurde, die erste Bürgermeisterin seiner Geschichte.

An einem solchen Abend wird mit Lob nicht gespart. "Sie waren ein Fels in der Brandung. Nichts konnte Sie aus der Ruhe bringen - außer eine Niederlage des VfB Stuttgart", sagte Detlef Piepenburg. Immer auf der Höhe der Zeit sei er gewesen und habe sich nie hinter seinem Gemeinderat versteckt, sondern immer Verantwortung übernommen.

Gegenseitiger Respekt

Klaus Holaschke hob die menschliche Seite des 66-Jährigen hervor: "Dein Handeln war immer von gegenseitigem Respekt geprägt. Du warst ein Verteidiger der kommunalen Selbstständigkeit, und: Du wirst uns in den Nachsitzungen fehlen." Der zweite stellvertretende Bürgermeister Stefan Wasserbäch hatte ebenfalls den gemeinschaftlichen Aspekt im Blick: "Mit Ihnen hat die Kultur der Nachsitzungen einen hohen Stellenwert bekommen." Aber Wasserbäch gab auch einen Einblick in die Verlässlichkeit und Verantwortung Böhringers: "Es gab in Ihrer Ära keine einzige Gemeinderatssitzung, die Sie nicht selbst geleitet haben." Private Urlaubsplanung und andere private Dinge habe Böhringer den Ratsterminen immer untergeordnet.

Sachliche Auseinandersetzungen

Böhringer selbst bedankte sich beim Gemeinderat für die "immer sachlichen Auseinandersetzungen. An persönliche Angriffe kann ich mich in der gesamten Zeit nicht erinnern." Böhringer bedauerte, dass einer Vielzahl von Wegbegleitern, wie zum Beispiel aus der Riege der Sportgemeinschaft der Bürgermeister, die Teilnahme an diesem Abend coronabedingt verwehrt blieb. Mit stehenden Ovationen verabschiedeten sich die Besucher von Dieter Böhringer.

Abschließend ergriffen noch einige aus verschiedenen Vereinen das Wort und bedankten sich. "Was du mit uns aufgebaut hast, wollen wir weiterführen", sagte der Pfaffenhofener Feuerwehrkommandant Matthias Fried im Hinblick auf die verschiedenen von Böhringer geförderten Vereinsaktivitäten und begrüßte ihn gleichzeitig als Bürger der Gemeinde: "Wenn du möchtest, darfst du auch gerne mitschaffen."

Taktstock als Antrittsgeschenk

Einen Taktstock überreichte Leingartens Bürgermeister Ralf Steinbrenner der neuen Bürgermeisterin Carmen Kieninger als Antrittsgeschenk: "Ich wünsche dir, dass die Entwicklung Pfaffenhofens im richtigen Takt weitergeht." Der erste stellvertretende Bürgermeister Martin Rösinger vereidigte Kieninger anschließend. "Unser Verlust im Landratsamt ist ein Gewinn für Pfaffenhofen", sagte Landrat Detlef Piepenburg. Kieninger arbeitete dort als Europa-Beauftragte des Landkreises. "Ich habe schnell erkannt, dass du mit Frische an die neue Aufgabe herangehst", sagte Dieter Böhringer und gab ihr den Rat: "Vertraue auf dein Bauchgefühl." Sie freue sich auf die Herausforderung. Die vielen Begegnungen und das in sie gesetzte Vertrauen bei der Wahl hätten sie beeindruckt, erklärte Kieninger nach der Einsetzung. Die 50-jährige Nordheimerin war am 14. März mit 74 Prozent zur Bürgermeisterin gewählt worden.

"Jeder neue Bürgermeister bringt einen eigenen Stil mit." Ihrer sei von Offenheit, Bürgernähe und einer sachorientierten Gemeinderatsarbeit geprägt. Die Gemeinde möchte sie als Team mit den Bürgern, den Ratsmitgliedern und der Verwaltung gut aufstellen. Das Rathaus betrachtet sie als Dienstleister. Und sie machte die Wertschätzung für das Ehrenamt deutlich: "Ohne Unterstützung von Ehrenamtlichen kann eine Gemeinde nicht funktionieren."


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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