Schwarze Wolke in Hausen: Messung soll Aufklärung bringen

Brackenheim  Wegen den dunklen Wolken aus dem Gebäude der Härterei Reese im Brackenheimer Ortsteil Hausen sind die Anlieger nach wie vor beunruhigt. Wissenschaftler der Universität Stuttgart sollen die Emission auswerten.

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Brackenheimer Bürgermeister will der schwarzen Wolke im Ortsteil Hausen: Messung auf dem Dach einer Härterei soll Klarheit bringen.

Zweimal am Tag steigen für wenige Augenblicke dunkle Wolken aus dem Gebäude der Härterei Reese in Hausen. Die Nachbarn sind besorgt, dass von den Emissionen eine Gesundheitsgefährdung ausgeht.

Foto: privat

 "Wir wissen nicht, welche Stoffe in dem Rauch enthalten sind", sagt Erwin Rapp, Vorsitzender der inzwischen aus der Taufe gehobenen Bürgerinitiative "Lebenswertes Hausen". Während Firma und Landratsamt Heilbronn beteuern, dass keine gesundheitliche Gefährdung für die Anwohner besteht, will die Stadt Brackenheim jetzt Klarheit. "Eine Messung soll Aufklärung bringen, was sich in der Wolke verbirgt", sagt Bürgermeister Rolf Kieser.

Stadt will Kosten für Messung übernehmen

Wie das Stadtoberhaupt weiter erklärt, wird die Heuss-Stadt die Kosten für die Messung übernehmen. Ein entsprechendes Angebot geht in den kommenden Tagen bei der Stadtverwaltung ein. Das bestätigt Dr. Ulrich Vogt, Abteilungsleiter Reinhaltung der Luft beim Institut für Feuerungs- und Kraftwerktechnik an der Universität Stuttgart.

Den Kontakt hat die Bürgerinitiative hergestellt. Die Firma Reese hatte betont, dass eine genaue Messung der Emission nicht möglich sei. Da sich der Rauch in Sekundenschnelle verziehe, sei die Einwirkzeit auf die Messstelle viel zu kurz, sagte Philip Reese, Ingenieur bei dem Unternehmen, Anfang August auf Anfrage unserer Redaktion. Auch das Landratsamt Heilbronn hält nach Rücksprache mit der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) im vorliegenden Fall eine aussagekräftige Messung für nicht möglich.

Wissenschaftler wollen Firma aufs Dach steigen

"Es wird nicht einfach", bestätigt Ulrich Vogt. Der Abteilungsleiter an der Uni Stuttgart ist aber sicher, dass es funktioniert. "Wir machen eine Kombination aus Messung und Modellierung", sagt Vogt. Das heißt Mitarbeiter der Universität messen Konzentration und Volumenstrom in der Abgasfahne auf dem Dach der Firma Reese.

Die Ergebnisse geben die Wissenschaftler an das Karlsruher Ingenieurbüro Lohmeyer weiter. Die auf Schadstoffe und Luftreinhaltung spezialisierten Ingenieure entwerfen laut Vogt aus den Messergebnissen ein Modell, wie sich die Emissionen ausbreiten. Und was bei den Anwohnern als Immission ankommt.

Bürgermeister will für besorgte Bürger da sein

"Ich bin gespannt, was sie zu Papier bringen", sagt Rolf Kieser. Der Bürgermeister hat zwar keinen Zweifel daran, dass für die Anwohner keinerlei gesundheitliche Gefährdung besteht. "Man muss auch Vertrauen in Fachleute haben", sagt Kieser. "Aber wir sind eben auch für besorgte Bürger da", erklärt der Rathauschef, warum er über die rechtlich vorgeschriebenenen Maßnahmen hinaus gehen will.

Für den Stadtteil Hausen könnten die Messung eine Befriedung sein. Die Anwohner vor Ort werfen der Firma Reese zwar nichts vor. "Sie handelt im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen", sagt Peter Berger. Die Bürgerinitiative behauptet auch nicht, dass wirklich gesundheitsgefährdende Stoffe austreten. "Wir wollen aber Gewissheit haben", betont Erwin Rapp.

Vom Landratsamt fühlen sich die Anwohner allein gelassen. "Grundsätzlich können bei unvollständiger Verbrennung von Abschreckölen Rauchgase, Aldehyde, Ruß und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen. Letztere sind als krebserzeugend eingestuft", so Rapp. Die Bürgerinitiative beruft sich dabei auf eine Gefährdungsregel der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) für Branchen mit Wärmebehandlung von Metallen vom März 2019.

Landratsamt schließt Gefahren für Gesundheit aus

Das Landratsamt schließt das für Hausen aus. "Weil das für die Öle, die die Firma Reese verwendet, nicht gilt", sagt Landratsamtssprecher Manfred Körner. "Wir sehen keine Gefahr." In einem Schreiben an Erwin Rapp Ende Oktober bittet die Behörde um Verständnis, "dass wir keine weiteren Anfragen zu diesem Sachverhalt mehr beantworten werden".

Die Messungen der Uni Stuttgart könnten noch vor Weihnachten losgehen. "Vielleicht wird es auch Januar", sagt Dr. Ulrich Vogt. Jetzt muss der Abteilungsleiter erst einmal das Angebot an die Stadt Brackenheim schreiben.


Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

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