Schwaigerner AfD-Stadtrat Michael Fischer will Rathauschef in Brackenheim werden

Brackenheim  Der Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Brackenheim legt für den Wahlkampf sein Parteibuch zur Seite. Eine Verwaltungsausbildung hat Fischer nicht. Darin sieht er allerdings keinen Nachteil.

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Mit Jeans und Sakko statt Anzug mit Krawatte. Schwaigerner AfD-Stadtrat Michael Fischer will Rathauschef in Brackenheim werden.

Michael Fischer ist seit Sommer AfD-Stadtrat in Schwaigern. In Brackenheim will der 51-Jährige die Nachfolge von Bürgermeister Rolf Kieser antreten.

Foto: Wolfgang Müller

Nein. Stigmatisiert fühle er sich nicht. Und doch ist Michael Fischer sicher: "Ein Großteil der Leute wird mich vorverurteilen." Fischer ist Mitglied der AfD und will Bürgermeister in Brackenheim werden. Ob er sich eine Chance ausrechnet? "Ich bin Realist und weiß, dass es extremst schwer wird gegen Thomas Csaszar", sagt der 51-Jährige. "Aber man wächst mit seinen Aufgaben", sagt Fischer, der seit Sommer für die AfD Mitglied des Schwaigerner Gemeinderats ist.

Derzeit keine Unterstützung vom Kreisverband im Wahlkampf

Kommunalpolitik hat für den Bäckermeister aus Schwaigern nichts mit einem Parteibuch zu tun. "Es geht immer um das Wohl der Kommune", sagt Fischer. Aus seinem Wahlkampf werde er deshalb seine Partei herauslassen. "Die Partei wird weder auf Plakaten noch auf Flyern auftauchen." Vielleicht tue sich der AfD-Kreisverband deshalb zumindest derzeit noch schwer, seinen Wahlkampf finanziell zu unterstützen, mutmaßt der Schwaigerner Stadtrat.

Keinen Nachteil sieht Fischer darin, dass er keine Verwaltungsausbildung hat. "Ein Bürgermeister muss wissen, um was es geht. Er muss aber nicht jeden Paragrafen kennen." Dafür gebe es Fachbereichsleiter. Der Bäckermeister, der auch eine kaufmännische Ausbildung hat, setzt vielmehr darauf, dass die Leistung überzeugt. "Es ist nicht unmöglich, als Nichtfachmann die Menschen zu begeistern", lautet das Credo des Kandidaten.

Stadtrat besucht Verwaltungsschule in Karlsruhe

Derzeit besucht Fischer mehrere Seminare an der Verwaltungsschule Karlsruhe. "Für meine Tätigkeit im Schwaigerner Gemeinderat", sagt der gebürtige Esslinger, der in einer Heilbronner Bäckerei derzeit vier Tage in der Woche arbeitet. Den fünften Tag brauche er für seine Gemeinderatsarbeit. "Ich nehme diese Aufgabe sehr ernst. Es ist nicht damit getan, zweimal im Monat an einer Gemeinderats- und einer Ausschusssitzung teilzunehmen."

Sollte er bei der Wahl am 1. Dezember gewinnen, will sich Fischer, der in Remseck aufgewachsen ist, seine Autorität verdienen. Von "direktiver Autorität" halte er genauso wenig, wie davon, täglich mit Anzug und Krawatte im Rathaus zu erscheinen. Seine Arbeitskleidung seien Hemd, Jeans und Sakko, so der Vater einer 19-jährigen Tochter.

Bewerber will sich Autorität verdienen

Seine Kernpunkte seien unter anderem der Ausbau des digitalen Netzes und die medizinische Versorgung. Er wolle über ein kostenfreies Nahverkehrsangebot nachdenken und würde am liebsten die Gewerbesteuer senken. In seiner Freizeit kümmert sich Fischer um Hunde und fährt Motorrad. Seine größte Stärke sei seine Lernfähigkeit, seine größte Schwäche seine Kompromissbereitschaft.

 

Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

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