Schwaigern und seine Traditions-Gaststätten

Schwaigern  Sie heißen Lamm, Löwen oder Linde und haben eine lange Tradition. Allen diesen Gaststätten - und übrigens auch Metzgereien - widmet der Heimatverein Schwaigern eine Ausstellung im Karl-Wagenplast-Museum. Ab 19. Januar können Besucher dort in guten alten Zeiten schwelgen.

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Metzgereien und Gaststätten im Wandel

Gaststätten im Wandel der Zeit: Jürgen Willig (v.l.), Helmut Melchert und Birgit Eberle vom Heimatverein Schwaigern freuen sich auf die Ausstellung.

Fotos: Friedhelm Römer

Viele Betriebe sind heute auf dem Rückzug, schließen aus wirtschaftlichen Gründen oder weil die Inhaber keine Nachfolger mehr finden, die Kinder haben oft andere Lebenspläne. Der Heimatverein Schwaigen hat sich diesem Thema gestellt und dazu eine Ausstellung vorbereitet über "Gaststätten und Metzgereien im Wandel der Zeit".

Diese wird an diesem Sonntag, 19. Januar, um 14.30 Uhr im Karl-Wagenplast-Museum eröffnet. "Wir wollten diese Thematik schon in unsere zurückliegende Ausstellung über Handwerk und Gewerbe einbauen, aber wir haben schnell gemerkt, dass dies den Rahmen sprengen würde", sagt der Erste Vorsitzende Jürgen Willig.

Viele Informationen auf wenig Raum

Das Karl-Wagenplast-Museum bietet nur wenig Raum, dafür aber viele Informationen. Günter Haberkern hat dem Verein seinen alten Fernseher als Leihgabe zur Verfügung gestellt, um den sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 im Gasthaus Lamm viele Menschen drängten, um das Finale zwischen Deutschland und Ungarn live mitzuerleben.

Damals gab es nur wenige Haushalte, in denen es einen Fernseher gab. Auch deshalb waren die Gaststätten ein beliebter Treffpunkt. "Mein Vater hat erzählt, dass sich die Schwaigerner und die Ungarn-Vertriebenen fast geschlagen hätten", sagt Jürgen Willig.

Gaststätten mit langer Tradition

Schwaigern ist reich an Gaststätten mit einer langen Tradition. Die Geschichte von Lamm, Löwen, Linde und anderen wird hier wieder sichtbar. Im Obergeschoss steht eine Kneipentheke mit allen möglichen alten Bier- und Weingläsern. Birgit Eberle gehört zum Team des Heimatvereins und weiß um die Probleme von heute: "Die Kinder sind aus dem Haus, und die Besitzer finden kein Personal." In der Ausstellung geht es auch um das Reinheitsgebot sowie die Klassifikation der Wirtshäuser.

Metzgereien und Gaststätten im Wandel

1954 hatten nur wenige Haushalte Fernseher. Das WM-Finale verfolgten daher viele Menschen in den Gaststätten.

Auch die Metzgereien haben einiges zu erzählen. In den Stadtteilen Massenbach, Stetten und Niederhofen gab es früher jeweils zwei Metzgereien. Heute gibt es dort überhaupt keine mehr. Inzwischen existieren lediglich in Schwaigern-Stadt noch zwei.

"Wir haben viele Raritäten gesammelt und waren überrascht, wie viele Exponate und Informationen wir zusammenbekommen haben", erzählt Willig. Auch alte Bilder hängen an den Wänden. Die Ausstellung dient nicht nur als Information für die Besucher. Willig: "Auch wir bekommen mitunter zusätzliche Informationen von den Einwohnern."

Vitrinen mit Metzger-Werkzeug und Meisterbrief

In zwei Vitrinen im Erdgeschoss liegen die Werkzeuge für den Metzger wie Fleischbeil und Ausbeinmesser. "Wir könnten damit ein echtes Schlachtfest machen", sagt Birgit Eberle. Jürgen Willig erinnert daran, dass früher das komplette Schwein verwertet und häufig in der Bauernschaft gegessen wurde - heute wird es dagegen in Einzelteile zerlegt und nach China und andere Länder exportiert.

In der anderen Vitrine befinden sich ein Gesellen- und ein Meisterbrief eines Metzgers, der offenbar unmittelbar nach seiner Gesellenprüfung im Jahr 1842 auf seine Wanderjahre ging und erst 1850 kurz vor seiner Meisterprüfung zurückkam. Für die Ausstellung von Gesellen- und Meisterbrief war damals übrigens das Oberamt Brackenheim zuständig.

Für Birgit Eberle sind dies wertvolle Schätze, auf die sie beim Recherchieren in den Gesprächen mit den Menschen immer wieder stößt: "Ich könnte mich jeden Tag mit diesen Menschen unterhalten. Das ist total spannend."

Hausschlachtung

Die Hausschlachtung hatte früher einen hohen Stellenwert, vor allem in den ländlichen Gebieten, wo die Selbstversorgung eine wichtige Rolle spielte. Geschlachtet wurde damals im Winter, weil es noch keine Kühlschränke gab. Dies war sowohl für die Verarbeitung als auch für die Konservierung vorteilhaft, denn das Fleisch musste in den bäuerlichen Familien für einen längeren Zeitraum reichen. Das eingesalzene und geräucherte Fleisch sollte in der Regel bis zur nächsten Schlachtung halten.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Gemmingen. Darüber hinaus ist er zuständig für die Berufsschulen des Landkreises.

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