Ort der berührenden Bilder wird Geschichte

Schwaigern  Der 70-jährige Ekkehart Nupnau schließt nach 34 Jahren seine angemietete Galerie im Schwaigerner Stadttkern.

Von Friedhelm Römer
Ort der berührenden Bilder wird Geschichte

Ekkehart Nupnau schließt seine Galerie nach 34 Jahren. Mit dem Künstler Armin Mueller-Stahl verbindet ihn eine enge freundschaftliche Beziehung. Foto: Friedhelm Römer

Wahre Schätze lagern seit Jahren im Keller. Jetzt drängen sie ans Licht. Alte Grafiken aus dem Nachlass des gesellschaftskritischen Malers und Zeichners A. Paul Weber. Charles de Gaulles und Konrad Adenauer beim Schachspielen, Franz-Josef Strauß mit blauem Auge im Boxring.

Diese Werke hat Ekkehart Nupnau noch nie der Öffentlichkeit gezeigt. Dafür nutzt er jetzt die letzte Gelegenheit - mit einer Ausstellung: An diesem Wochenende schließt der gebürtige Thüringer die Galerie im Schwaigerner Stadtzentrum nach 34 Jahren.

Bilder erzählen Geschichten

Viele Erinnerungen hängen an den Wänden. Die meisten Bilder erzählen eine Geschichte. Helmut Schmidt und Willy Brandt, letzterer mit sturmzerzauster Frisur, hat Nupnau einst in Ludwigsburg gemeinsam fotografiert. Das von den beiden herausragenden Politikern handsignierte, großformatige Bild sucht noch seinen Platz. "Jetzt schaut euch mal den doofen Willy an", habe Helmut Schmidt damals unter anderem dem Fotografen Nupnau zugerufen.

Armin Mueller-Stahl ist allgegenwärtig

An einem großen Künstler kommt der Besucher in der Galerie nicht vorbei. Armin Mueller-Stahl (AMS) begegnet einem überall. Als übergroßes, von Nupnau fotografiertes Porträt oder als vom 88-jährigen Schauspieler, Maler, Musiker und Autor geschaffenen Kunstwerk - Siebdrucke von John Lennon, David Bowie oder Che Guevara. "Das Thema Armin Mueller-Stahl wühlt mich immer noch auf." Zwischen ihm und dem Künstler ist eine enge, freundschaftliche Beziehung entstanden, mit viel Empathie auf beiden Seiten. Nupnau, schon immer ein Bewunderer des vielseitigen Künstlers, hat zwei AMS-Ausstellungen in Heilbronn und Schwaigern organisiert. Zur Eröffnung kam der Künstler im Oktober 2017 persönlich in die Leintalstadt. "Das war eines der Highlights in den 34 Jahren", erzählt der zweifache Vater und zweifache Opa.

Tiefe Einschnitte

"Ich habe keine Chance mehr gesehen, den Laden ökonomisch weiterzuführen." Oder, wie seine Frau Marlene es ausgedrückt habe: Es lohne sich nicht, für so wenig Geld so lange im Laden zu stehen. Für das Ende nach 34 Jahren spielen jedoch weitere Gründe eine Rolle. Das Alter. Und noch etwas anderes. "Ich habe im vergangenen Jahr innerhalb von sechs Monaten fünf enge Bezugspersonen verloren. Diese Freunde, die gegangen sind, haben mir die Augen geöffnet."

Ja, auch tiefe Einschnitte hat es gegeben. Dazu gehört die Geschichte mit den Affen. Zum Ferienbeginn 1984 tobten plötzlich aus dem Leintalzoo ausgebrochene Affen durch die Stadt. Nupnau war damals als Fotograf unterwegs, wurde von einem Affen gebissen, bekam Hepatitis C und musste sich auch noch bitteren Spott gefallen lassen.

Säcke voller Filmrollen

Es hat sich in dieser Zeit viel verändert in der Fotografie. Vor 34 Jahren habe Nupnau täglich zwei große Säcke voller Filmrollen von den Kunden zum Bearbeiten bekommen. Spiegelreflexkameras, Diaprojektoren, Diarahmen und Stative zählten damals ebenso zum Warenbestand wie Spielwaren. "Dann haben wir uns von der Hardware getrennt. Fortan war unser Produkt das Bild." Die Hochzeitsfotografie stellte er vor drei Jahren ein. Heute werde nur noch am PC komponiert. "Das Passbildgeschäft war zuletzt der Frequenzbringer."

Und was kommt jetzt? Nun bekommt seine Familie mehr von seiner Zeit. So ganz fertig ist er aber noch nicht, weder mit der Fotografie noch mit den Ausstellungen. Sport und hochbetagte Menschen sind Themen, die ihn als Fotograf berühren. "Und zwei bis drei große Ausstellungen irgendwo in Deutschland als Kurator." Sicherlich wird ihm die Galerie fehlen. Denn sie war mehr als ein Geschäft. "Sie war auch ein Kummerkasten", sagt er. Menschen kamen zu ihm und vertrauten ihm ihre Sorgen an. Nicht selten wurde es in diesen Räumen melancholisch.

Empathisch, direkt, manchmal ein wenig derb: "Ich bin nicht Everybody"s Darling." Dessen ist er sich bewusst. "Aber ich bin mir treu geblieben."

Abschluss

An diesem Wochenende schließt Ekkehart Nupnau, der mit seiner Familie in Massenbach lebt, die angemietete Galerie in der Kirchstraße in Schwaigern. Am Freitag, 12. Juli, präsentiert er ab 19 Uhr noch nicht öffentlich gezeigte Bilder, Grafiken und Siebdrucke. Am Sonntag, 14. Juli, hat die Galerie während des Kiliansfestes von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

 

 

 

 


Kommentar hinzufügen