Naturschützer wollen Eingriff in die Umwelt minimieren

Güglingen/Cleebronn  Der Streit um die geplante Erweiterung des Güglinger Gerüstherstellers Layher geht weiter. Die Naturschutzorganisation BUND spricht dem Zweckverband Wirtschaftsförderung die Glaubwürdigkeit ab.

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Beim geplanten Bau der Layher-Verzinkerei im Zabergäu wollen Naturschützer Eingriff in die Umwelt minimieren.
Wilhelm Stark setzt sich dafür ein, die Eingriffe in die Natur zu minimieren. Foto: Müller

Dass er Werk III des Güglinger Gerüstherstellers Layher auf dem interkommunalen Industriegebiet Langwiesen IV auf Cleebronner Gemarkung nicht wird verhindern können, darüber ist sich Dr. Wilhelm Stark, stellvertretender Vorsitzender des BUND Regionalverbandes Heilbronn-Franken, im Klaren. Trotzdem würden er und die Umweltorganisation nicht müde, "auf diesen Wahnsinn" hinzuweisen. "Es geht darum, die Eingriffe in die Natur zu minimieren", sagt Stark.

In seinem jüngsten Schreiben an den Zweckverband Wirtschaftsförderung Zabergäu spricht Stark unter anderem von Landschaftszerstörung, Versiegelung wertvoller Ackerböden, zusätzlicher Verkehrsbelastung sowie Licht-, Lärm- und Luftverschmutzung.

BUND-Sprecher wirft Verantwortlichen Mauschelei vor

Als ehemaliger Stadtrat der Bürger-Union in Güglingen hatte sich Stark bei der Abstimmung pro oder contra Layhererweiterung auf Langwiesen IV noch enthalten. Heute betont er, der Zweckverband Wirtschaftsförderung Zabergäu habe seine Glaubwürdigkeit verloren. Der Verband hatte 1992 eine Rahmenkonzeption für die Erschließung des Industriestandortes Langwiesen III in Auftrag gegeben, der 27 Jahre später beim Bebauungsplanentwurf Langwiesen IV keine Rolle spiele. Warum, erklärt sich Stark: "Es wird gemauschelt."

Vorwürfe erhebt er auch gegen die Bauern, die ihre Grundstücke verkauften. "Sie hätten den Wahnsinn verhindern können. Aber Gier frisst Hirn", so Stark, der mit provokanten Äußerungen selten hinterm Berg hält. Dem Güglinger Gemeinderat hatte er am Ende der vergangenen Wahlperiode im Nachklang der Haushaltsdebatte "abgesunkenes geistiges Niveau" attestiert.

Naturschützer spricht von Auftragsgutachten

Beim geplanten Bau der Layher-Verzinkerei im Zabergäu wollen Naturschützer Eingriff in die Umwelt minimieren.

Mit einem Ballon an einer 17 Meter langen Leine will der BUND zeigen, wie hoch die Halle von Layher wird.

Foto: privat

In Langwiesen III seien "definierte Anforderungen, Kriterien und Zielsetzungen als Entscheidungshilfe zur weiteren Entwicklung nicht berücksichtigt worden". Die Gutachten für den Bebauungsplanentwurf von Langwiesen IV nennt Stark Auftragsgutachten mit wohlwollenden Aussagen und Folgerungen im Sinne des Vorhabenträgers. "Erst nach Inbetriebnahme wird die Belastung für die umliegende Bevölkerung zu Tage treten", so Stark.

Als gravierenden Verfahrensfehler bezeichnet Stark, dass die Planungsunterlagen keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) enthielten. Mit diesem Vorwurf sah sich der Zweckverband bereits bei der rund 20-köpfigen Demonstration gegen die Layhererweiterung Mitte September konfrontiert. Brackenheims Bürgermeister und Vorsitzender des Zweckverbandes widersprach: Eine UVP sei gemacht worden und werde derzeit vom Regierungspräsidium in Stuttgart geprüft. "Das Ergebnis wird demnächst offengelegt", so Kieser.

Steinkrebs, Mühlkoppe und Elritze

Gravierende Mängel will Stark auch bei dem faunistischem Gutachten ausgemacht haben. Dort seien nur Vögel erfasst worden. Der BUND habe bei einer nächtlichen Aktion in der Zaber und dem Fürtlesbach aber unter anderem den geschützten Steinkrebs, die Mühlkoppe und die Elritze bestimmt. Seine Schlussfolgerung: "Die geplante Renaturierungsmaßnahme für die Zaber und den Fürtlesbach kann man getrost in die Mülltonne werfen."

 

Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

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