Naturschützer bei Layher-Erweiterung uneins

Zabergäu  Für den Bau von Werk III des Güglinger Gerüstherstellers im interkommunalen Industriegebiet Langwiesen IV sind rund 14 Hektar Fläche vorgesehen. Etwa zehn Hektar davon werden überbaut. Umweltschützern ist das Vorhaben ein Dorn im Auge.

Von unserem Redakteur Wolfgang Müller

Naturschützer bei Layher-Erweiterung uneins

In etwa so soll Werk III des Gerüstherstellers Layher im Gewerbegebiet Langwiesen IV aussehen. Mit Dachbegrünung, Außenlager und Regenrückhaltebecken.

Foto/Montage: Archiv/Layher

 

Manfred Stotz ist sicher: "Mit der Erweiterung von Layher ist die Wachstumsgrenze im Zabergäu endgültig erreicht." Für den Bau von Werk III des Güglinger Gerüstherstellers im interkommunalen Industriegebiet Langwiesen IV sind rund 14 Hektar Fläche vorgesehen. Etwa zehn Hektar davon werden überbaut. Umweltschützern ist das Vorhaben ein Dorn im Auge. Und doch stimmt eine kritische Gruppierung aus Vertretern von Nabu, SPD und Grünen im Zabergäu und im Landkreis Heilbronn der Planung zu. Ihre Idee: Den Prozess konstruktiv begleiten und dabei das Bestmögliche für den Naturschutz herausholen.

"Es war uns klar, dass Kritik kommt, wenn wir uns für die Erweiterung aussprechen", sagt Stotz. "Aber uns geht es darum, Umweltziele durchzusetzen." Dabei denken die Vertreter der Gruppierung nicht nur an konkrete Ausgleichsmaßnahmen für den Flächenverbrauch. Sie sehen die Ansiedlung auch als Anlass, übergeordnete Ziele zu formulieren.

Eines davon ist laut Adolf Monninger, Vorsitzender der Nabu-Gruppe Brackenheim und Sprecher des Nabu-Kreisverbandes Heilbronn, die Einrichtung eines Naturschutzfonds, in den Ausgleichspflichtige einbezahlen. Er müsse finanziell gut ausgestattet sein und dürfe sich nicht nur auf die Layher-Erweiterung beziehen. Naturschutzverbände sollten ein Mitspracherecht haben. So ließen sich Ausgleichsmaßnahmen am sinnvollsten umsetzen, so Monninger. Im Nabu-Landesverband würden solche lokalen Fonds bereits diskutiert.

Initialzündung für ein Verkehrskonzept

Die Layher-Erweiterung soll in den Augen der Gruppierung auch eine Initialzündung für ein umfassendes Verkehrskonzept sein. Damit sei nicht nur gemeint, den bestehenden Radweg, der vom Layher-Werk unterbrochen wird, auf rund zwei Kilometern neu auszuweisen. "Die geplante Verlegung entspricht nicht den Anforderungen des Radwegegrundnetzes von Baden-Württemberg", sagt Dr. Josef Festl, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Brackenheim. Vielmehr müsse ein Konzept für den Schwerlastverkehr im Zabergäu erstellt werden.

Und noch eines hat die Initiative im Sinn: Sollte die Firma Layher signalisieren, dass es bei Anlieferung und Abtransport konzeptionell den Schienenverkehr einbezieht, wäre das ein weiteres Argument für die Wiederbelebung der Zabergäubahn, sind sich die Vertreter der Gruppierung einig.

Konkrete Ausgleichsforderungen

Einen Erfolg kann die Gruppe bereits verbuchen. Auf ihre Anregung hin haben die Planer die Layher-Erweiterung Richtung Norden verlegt. Wird Werk III gebaut, liegt es jetzt innerhalb des im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Industriegebiets. Im ersten Entwurf hätte das Gebiet erweitert werden müssen. Jetzt schließe sich das geplante Layher-Werk an bestehende Bebauung an und sei an deren Infrastruktur angebunden, so Festl.

Konkrete Ausgleichsforderungen hat die Gruppierung auch formuliert. Unter anderem steht dabei die Renaturierung der Zaber Richtung Westen und des Fürtlesbachs auf der Liste. Einen weiteren Ausgleichsvorschlag bringt der Brackenheimer Bio-Landwirt Jürgen Winkler ins Spiel, der gleichzeitig Fraktionsvorsitzender der Grünen im Heilbronner Kreistag ist. Ihm schwebt vor, bisher konventionell genutzte Ackerfläche künftig ökologisch zu bewirtschaften.

Einen ganz anderen Weg schlägt die Naturschutzgruppe BUND Zabergäu ein. Deren Sprecher Dr. Wilhelm Stark lehnt die Layher-Erweiterung grundsätzlich ab. Ein Dorn im Auge ist ihm der Flächenverbrauch und die "Verletzung des Gebots zum sparsamen Umgang mit Grund und Boden". Stark richtet sich unter anderem gegen die "Vernichtung landwirtschaftlich wertvollen Ackerlandes" und gegen die "Zunahme des Schwerverkehrs, der Geräuschentwicklung und der weiteren Lichtverschmutzung".

Stark macht außerdem den vorbeugenden Hochwasserschutz geltend. Den Verlust von Retentionsflächen mit Dach- und Fassadenbegrünung ausgleichen zu wollen, bezeichnet Stark als "hirnrissig". Im Güglinger Gemeinderat hatte sich Stark als Mitglied der BU-Fraktion bei der Abstimmung über die Layher-Erweiterung noch enthalten. "Im Rückblick hätte ich wohl dagegen stimmen sollen", sagt Stark.


Zunutze machen

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Ein Kommentar von Wolfgang Müller

Fundamental "Nein" zu sagen, ist aller Ehren wert, wenn die Gründe dafür für sich genommen einleuchten. Insofern ist dem BUND im Zabergäu nichts vorzuwerfen. Dennoch: Einen Propheten bedurfte es nicht, um zu erahnen, dass die Erweiterung des Layher-Werks nicht scheitern würde. Weil Kommunalpolitiker sich nicht nur dem Lobbyismus der Naturschützer verschreiben dürfen, sondern das Große und Ganze im Auge behalten müssen. Und dazu gehört eben unter anderem auch die wirtschaftliche Entwicklung der Raumschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Insofern ist der Zusammenschluss von Teilen des Nabu, der SPD und der Grünen im Zabergäu ein kluger Schachzug. Diese Interessengemeinschaft bereitet sich selbst ein möglichst breites Fundament, von dem aus sie Gesprächs- und Kompromissbereitschaft signalisiert. Wer so agiert, wird gehört. Einen Erfolg hat die Gruppierung bereits erzielt. Layher hat seine Standortpläne auf Vorschlag der Initiative so verändert, dass das ausgewiesene Industriegebiet Langwiesen IV nicht erweitert werden muss.

Klug ist auch die rote Linie, die die Gruppierung zieht. Denn das Signal, das Limit sei jetzt erreicht, berechtigt zu Vorschlägen, die über konkrete Ausgleichsmaßnahmen hinausgehen. Da kann das Layher-Werk-III plötzlich nützlich sein für ein Schwerlastverkehrskonzept, die Diskussion um die Wiederbelebung der Zabergäubahn und für die Einrichtung eines Naturschutzfonds.

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