Nahverkehr: Lauffener Tarif-Puzzle mit vielen Facetten

Region  Die Stadt Lauffen prüft eine Mitgliedschaft im Stuttgarter Verbund VVS nach Beilsteins Vorbild. Durch den BW-Tarif wurden die Karten allerdings neu gemischt.

Von Alexander Hettich

Nahverkehr: Lauffener Tarif-Puzzle mit vielen Facetten

Soll die Stadt Lauffen dem Stuttgarter Verbund VVS beitreten? Durch den neuen BW-Tarif ist die Verlockung etwas kleiner geworden. Foto: Archiv/Hettich

 

Der neue BW-Tarif startet am 9. Dezember. Er soll Fahrten über Grenzen der landesweit 22 regionalen Tarifverbünde deutlich günstiger machen. Zugleich prüft die Stadt Lauffen, ob sie sich nach dem Vorbild Beilsteins neben dem HNV auch dem Stuttgarter Verbund VVS anschließen soll. Die Konditionen, zu denen das geschehen könnte, wären nach Stimme-Informationen allerdings nicht ganz im Sinne Lauffens.

Neuer BW-Tarif: Viele fahren billiger

Viele Reisende aus der Region, die weitere Strecken fahren, dürfen vom 9. Dezember an mit günstigeren Preisen rechnen. Der neue BW-Tarif soll auf der Schiene Fahrten über Verbundgrenzen erleichtern und günstiger machen. Das funktioniert nach dem Prinzip, das Bahnreisende von der City-Option bei Fernreisen kennen.

Wer etwa von Lauffen nach Stuttgart fährt, braucht dann in der Landeshauptstadt keine zusätzliche Fahrkarte zu kaufen. Die endgültigen Tarife stehen noch nicht fest, das Land spricht von Absenkungen von bis zu 35 Prozent. Hierzu ein weiteres Beispiel: Heilbronn-Stuttgart kostet nach Bahntarif 12,90 Euro. Demnächst wird es voraussichtlich spürbar günstiger. Plus: Die Fahrt in der künftigen Stuttgarter Kernzone, also etwa bis Möhringen, ist dann inklusive. So weit, so erfreulich. Allerdings gilt der BW-Tarif zunächst nur für Gelegenheitsfahrten, etwa mit Einzeltickets. Zeitkarten und Abos sollen ab 2020 integriert werden. Das große Geschenk für Berufspendler, die ja in der Regel mit Abos unterwegs sind, ist der BW-Tarif also zunächst nicht.

Die Option VVS: Lauffen fährt zweigleisig

Parallel dazu treibt die Stadt Lauffen Überlegungen voran, neben dem Heilbronner-Hohenloher-Haller Nahverkehr auch dem Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) beizutreten. Bisher ist Kirchheim am Neckar nördlicher Außenposten des VVS, dem Beilstein als bisher einzige Gemeinde im Landkreis Heilbronn angehört. Lauffener könnten von Angeboten profitieren, die es im BW-Tarif nicht gibt, etwa Semester- oder Kombitickets.

Sogwirkung hat auch die größte Tarifreform in der VVS-Geschichte. Statt einem komplizierten Geflecht aus 52 Zonen gibt es rund um Stuttgart von April an nur noch fünf Ringe. Die beiden Kernzonen werden fusioniert, viele Fahrten gerade auf langen Strecken werden deutlich günstiger. "Der VVS ist grundsätzlich aufgeschlossen, wenn eine Gemeinde aus einem Nachbarkreis in den VVS will", heißt es auf Nachfrage bei der Stuttgarter Zentrale.

Frage der Zone: Nur Mitglied zweiter Klasse?

Dass sich Lauffen jüngst auf den VVS zu bewegte, hat mit der Tarifreform zu tun, aber auch mit tarifpolitischen Feinheiten. Bei der Stadt ging man zuletzt davon aus, dass man im Falle eines Beitritts wie der Nachbar Kirchheim am Neckar behandelt würde - eingruppiert in das fünfte äußere Rad des neuen VVS-Gebildes.

Beilstein allerdings ist dagegen jetzt und auch nach der Reform wegen der größeren Entfernung ein Anhängsel, quasi VVS-Mitglied zweiter Klasse in einer Tarifzone 6 mit entsprechend höheren Preisen. Genau das dräut nach Stimme-Informationen auch Lauffen.

Beilstein mit Doppelmitgliedschaftv zufrieden

"In welche Zone Lauffen eingereiht würde, muss zu gegebener Zeit entschieden werden", heißt es auf Anfrage unserer Zeitung beim VVS. "Zunächst wäre Lauffen in die Zone 6 vorgesehen." Das wäre nach jüngsten Aussagen nicht im Sinne der Stadt. Beilsteins Bürgermeister Patrick Holl zeigt sich mit der Doppelmitgliedschaft sehr zufrieden. Ob Beilstein in den inneren VVS-Ring befördert werden kann, werde man prüfen. "Im Zuge der Reform sind wir nicht gefragt worden."

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