Leingarten stimmt zweigleisigem Ausbau der Stadtbahn S4 zu

Leingarten  Der Gemeinderat stellt Bedingung ans Land Baden-Württemberg: Der Regionalexpress soll nach dem zweigleisigen Ausbau nach dem Jahr 2022 mehrmals täglich am Bahnhof halten. Künftig soll es mehr Stopps in den Stoßzeiten geben.

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Damit es künftig nicht mehr so viele Verspätungen gibt, wird die Stadtbahnstrecke zwischen Leingarten und Schwaigern ausgebaut. Leingarten muss sich mit einer Million Euro daran beteiligen.

Foto: Claudia Kostner

"In meinen Augen wäre es ein Kardinalsfehler, wenn wir hier nicht zuschlagen", betonte der Leingartener Bürgermeister Ralf Steinbrenner. Bis auf Bernd Stahl (CDU) waren alle Gemeinderäte seiner Meinung und stimmten am Freitagabend dem zweigleisigen Ausbau der Stadtbahnstrecke S4 zwischen Leingarten und Schwaigern zu. Allerdings unter der Bedingung, dass nach der Realisierung der Regionalexpress mehrmals täglich am Bahnhof hält. Die Gemeinde muss sich an dem Projekt mit rund einer Million Euro finanziell beteiligen.

Der zweigleisige Ausbau der 3,2 Kilometer langen Strecke bis Ende 2022 ist Voraussetzung für das neue Fahrplankonzept des Landes Baden-Württemberg: Das derzeitige Stadtbahnsystem der S 4 zwischen Karlsruhe und Heilbronn wird aufgeteilt in einen Regionalstadtbahnbetrieb, der von der AVG mit Stadtbahnfahrzeugen betrieben wird, und einen Betrieb mit Expresszügen nach Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung von Karlsruhe Hauptbahnhof bis Heilbronn Hauptbahnhof mit weniger Halten.

Nadelöhr bringt Probleme

"Wir stehen vor einer Ausgabe von einer Million Euro, und wenn man die ausgibt, sollte man erwarten, dass zumindest der Ist-Zustand erhalten wird und wir nicht schlechter dastehen", brachte Wolfgang Kretschmann (SPD) seine Bedenken zum Ausdruck. Der Regionalexpress halte laut Fahrplan nach 2020 nur ein Mal in Leingarten. Bei genauem Hinsehen "hat sich bei den Normalhalten aber eher etwas verbessert", ergänzte er und stimmte dem Vorhaben zu. Welche Probleme das "Nadelöhr" zwischen Leingarten und Schwaigern verursacht, könne er schließlich regelmäßig von seinem Haus aus beobachten.

Ganz und gar unzufrieden zeigte sich CDU-Gemeinderat Bernd Stahl: "Ich frage mich, wo die Vertreter des Landratsamtes, die am Montag in der Sitzung in Schwaigern waren, heute sind." Den zweigleisigen Ausbau nannte er "ein vergiftetes Geschenk. Wir zahlen für ein zweites Gleis und kaufen uns dafür eine Verschlechterung ein". Seine Frau fahre öfter nach Karlsruhe. "Künftig muss sie zuerst mit dem Auto nach Schwaigern fahren, um dort in den Regionalexpress einzusteigen", so Stahl. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass eine Gemeinde mit 12 000 Einwohnern vom Regionalexpress abgehängt wird."

Bürgermeister Ralf Steinbrenner machte deutlich, dass es in der Übergangszeit zwar weniger Stopps in Leingarten gibt, nämlich 54 statt 64 - "dafür aber 64 statt 59 zu den Zeiten, in denen am meisten los ist". Er als Vater zweier Söhne, die mit der Stadtbahn nach Heilbronn fahren, wisse, dass das gerade für die Schüler besonders wichtig sei.

Land übernimmt 75 Prozent der Kosten

Weil das 16-Millionen-Euro-Vorhaben in besonderem Interesse des Landes stehe, übernehme dieses außerdem statt der üblichen 50 nun 75 Prozent der Kosten, nannte er einen weiteren entscheidenden Vorteil. Auch Thomas Fick sah die finanzielle Beteiligung des Landes positiv: "Leingarten und die übrigen Kommunen entlang der Strecke profitieren von der höheren Förderung." Die Klimaschutzziele. betonte derGrünen-Vertreter, seien zudem nur mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu erreichen.

Zustimmung gab es auch von Thomas Landesvatter (CDU), allerdings nicht ohne leichtem Zweifel, dass mit der Zweigleisigkeit der Regionalexpress dann auch tatsächlich häufiger in Leingarten halten wird. "Ich hätte mir aber seitens des Verkehrsministeriums ein deutliches Signal gewünscht", erklärte Landesvatter. Eine letzte Sicherheit konnte ihm da auch Ralf Steinbrenner nicht geben: "Wir haben es bei der Südostumfahrung erlebt. Da waren wir auf der Zielgeraden, und dann gab es einen Regierungswechsel. Den gesunden Menschenverstand kann man bei solchen Dingen ausblenden."

Kosten werden geteilt

Der geplante Ausbau der Stadtbahnstrecke S4 auf 3,2 Kilometern zwischen Leingarten und Schwaigern beinhaltet neben dem Neubau eines zweiten Gleises auch den Umbau des Haltepunktes Schwaigern-Ost, dem der Schwaigerner Gemeinderat vor einer Woche zugestimmt hat. Die Gesamtkosten für das Projekt schätzt die AVG auf 16 Millionen Euro. Der Landkreis Heilbronn beteiligt sich zur Hälfte − rund 3,1 Millionen Euro − an den auf die Kommunen Eppingen, Gemmingen, Schwaigern und Leingarten entfallenden Ausbaukosten. Der Anteil der Stadt Heilbronn an dem Projekt beträgt rund 1,3 Millionen Euro. Den Umbau des Haltepunktes Schwaigern-Ost teilen sich der Landkreis und die Stadt Schwaigern mit je 250 000 Euro. ck


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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