Lauffen will es wissen

Lauffen  Für Produktionswissenschaftlerin Gisela Lanza spielen Digitalisierung und deren Akzeptanz eine wesentliche Rolle. 200 Besucher bei der Wissenschaftsreihe Lauffen will es wissen in der Stadthalle.

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Ein Plädoyer für den Wandel

Diskussion zu "Industrie − Zukunft durch Wandel" in der Stadthalle (v. l.): Jonas Wagner, Christopher Schudt, Professorin Gisela Lanza (KIT), Wolfgang Hess (Moderator), Paul Bareis und Samuel Dürrstein.

Foto: Römer

Ganz offensichtlich hat das Format "Lauffen will es wissen" nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Rund 200 Besucher interessierten sich am Dienstagabend für das Thema "Industrie - Zukunft durch Wandel", zu dem Moderator Wolfgang Hess die Produktionswissenschaftlerin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Gisela Lanza in die Stadthalle eingeladen hatte.

Faktor für den Wohlstand

Die Leiterin des Instituts für Produktionstechnik machte in ihrem Vortrag deutlich, dass das verarbeitende Gewerbe einen wesentlichen Faktor für den Wohlstand in Deutschland darstellt, die Arbeitsproduktivität in Deutschland jedoch seit Jahren eine sinkende Zuwachsrate aufweist. "Grund dafür sind zu geringe Investitionen, insbesondere im produzierenden Gewerbe", heißt es dazu bei der Bertelsmann-Stiftung.

Um Wachstumsraten im produzierenden Gewerbe zu generieren, sei technologischer Fortschritt wichtig, erklärte die Wissenschaftlerin. Und dabei spiele die Digitalisierung eine zentrale Rolle. "Die Digitalisierung ist der wichtigste Faktor zur Entwicklung der Arbeitsproduktivität", erklärte die Professorin. Denn Digitalisierung umfasse viele Bereiche des täglichen Lebens. Außerdem bescheinigt das Weissbuch "Digitale Plattformen" der Digitalisierung großes Potenzial. Wichtig für die Akzeptanz sei allerdings die Transparenz. Lanza: "Wir müssen den Menschen im System integrieren."

Potenzial bei Ressourceneffizienz

Ebenfalls großes Potenzial sieht Gisela Lanza in der Steigerung von Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Airbus habe am Beispiel des A 300 gezeigt, dass 85 bis 95 Prozent der Flugzeugkomponenten recycelt oder wiederverwendet werden können.

Das Veranstaltungsformat der Lauffener Wissenschaftsreihe sieht nach dem jeweiligen Fachvortrag eine Podiumsdiskussion mit der jungen Generation sowie Fragen aus dem Publikum vor. "Braucht man den Menschen überhaupt noch, wenn die Künstliche Intelligenz entwickelt wird?", wollte Christopher Schudt, Elftklässler am Hölderlin-Gymnasium wissen. Man brauche den Menschen auch weiterhin, erklärte die Wissenschaftlerin. Jedoch müssten sich die Mitarbeiter in den Firmen eine höhere Stufe von Komplexität erarbeiten.

Deutscher Markt profitiert von China

Deutschland werde auch künftig stark von China profitieren, antwortete die 46-jährige Wissenschaftlerin auf die Frage von Paul Bareis, Mechatroniker-Azubi bei der Firma Schunk, ob Deutschland weiter ein großer Profiteur des wachsenden chinesischen Marktes im Maschinenbau bleibe. Gleichzeitig wies Lanza auf ein Defizit hin: "Wir sind abhängig vom chinesischen Markt. Uns fehlt eine langfristige europäische Innovationspolitik."

Gymnasiast Jonas Wagner wollte wissen, ob man mit der Industrie 4.0 die Klimaziele schneller erreichen werde. "Mir fällt nichts Besseres ein. Industrie 4.0 ist ein Baustein dabei", antwortete Gisela Lanza. Und für Azubi Samuel Dürrstein stellte sich die Frage, welches in zehn bis 20 Jahren der meistverbaute Fahrzeug-Antrieb sei. In naher Zukunft sieht Lanza den Batterie-Antrieb vorne. Jedoch hätten auch Hybrid und die Brennstoffzelle ihre Daseinsberechtigung, so dass sie das Zukunftsmodell im Mix aus diesen drei Antriebsarten sehe.

Auch das Publikum kam an diesem Abend zu Wort. Großen Nachholbedarf sieht Lanza beim Thema Sicherheit und Schutz durch KI. Es lauerten viele Gefahren. "Da hinken wir noch hinterher. In diesem Bereich sind wir schlecht aufgestellt."

Wissenschafts-Talk

Die Reihe "Lauffen will es wissen" gibt es seit 2006. Initiator ist Wolfgang Hess, langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift Bild der Wissenschaft. Weitere Kooperationspartner des Wissenschafts-Talks sind die Firma Schunk und die Stadt Lauffen. Am 27. Februar um 19.30 Uhr geht es in der Stadthalle um das Thema "Kernkraft: Kniffliger Rückbau."

 

Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Gemmingen. Darüber hinaus ist er zuständig für die Berufsschulen des Landkreises.

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