Langzeitarbeitslose wieder ins Boot holen

Brackenheim  Im Auftrag des Jobcenters Landkreis Heilbronn hat die Aufbaugilde eine Beratungsstelle in Brackenheim eingerichtet.

Von Wolfgang Müller

Langzeitarbeitslose wieder ins Boot holen

Die Aufbaugilde Heilbronn richtet sich an Menschen in prekären Lebenslagen. Ziel ist es, sie möglichst fit für den Alltag und das Arbeitsleben zu machen.

Foto: Archiv/Berger

 

Langzeitarbeitslose in Deutschland − angesichts der boomenden Konjunktur der vergangenen Jahre seien sie zwischenzeitlich aus dem Blickfeld der Politik geraten, so Reiner Knödler, Geschäftsführer der Aufbaugilde Heilbronn. Weil sie vom guten Arbeitsmarkt aber so gut wie gar nicht profitierten, seien sie jetzt wieder mehr in den Fokus gerückt.

In Auftrag des Jobcenters Landkreis Heilbronn hat die Aufbaugilde jetzt eine Beratungsstelle in Brackenheim eingerichtet. "Langzeitarbeitslosigkeit ist ein massives Problem", sagte Knödler am Donnerstagabend im Brackenheimer Gemeinderat.

Viele Gründe für Arbeitslosigkeit

Schlechte Bildung, geringe oder gar keine Sprachkenntnisse, Krankheit, unzureichendes Sozialverhalten − es gebe viele Gründe, in die Langzeitarbeitslosigkeit zu rutschen, erklärte der Geschäftsführer der Aufbaugilde. Auch Alleinerziehende gehörten längst dazu. Jedes sogenannte "vermittlungshemmende Merkmal" halbiere die Chancen, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. "Dabei haben wir einen guten Arbeitsmarkt. Besonders in unserer Region", sagte Knödler. "Viele Firmen suchen händeringend nach Fachkräften", so der Geschäftsführer der Aufbaugilde. Langzeitarbeitslose seinen dennoch so gut wie gar nicht zu vermitteln.

Genau die wollen die Jobcenter jetzt besser erreichen. Und bauen dezentrale Strukturen auf. "Näher an die Betroffenen ran", laute die Vorgabe. "Denn Langzeitarbeitslose sind mitunter nicht mehr in der Lage, ihren Alltag vernünftig zu strukturieren", so Knödler. Der Weg nach Heilbronn sei weit. So hat das Jobcenter Landkreis Heilbronn die Aufbaugilde beauftragt, vier dezentrale Beratungsstellen einzurichten. Neben Brackenheim gehören dazu Eppingen, Weinsberg und Möckmühl.

Die Beratungsstelle in Brackenheim ist in der Obertorstraße 7 untergebracht und mit Michael Buyer mit einer Vollzeitstelle besetzt. Sein Klientel bekommt er vom Jobcenter Landkreis Heilbronn zugewiesen. "Es ist der Personenkreis, der am Rand der Gesellschaft steht", sagte Holger Fuhrmann vom Bildungs- und Arbeitsförderbereich der Aufbaugilde vor den Brackenheimer Gemeinderäten.

 Betroffene in die Gesellschaft zurückholen

Wen das Jobcenter ausgewählt hat, ist drei Monate im Beratungsprogramm. In der Hauptsache gehe es darum, die Betroffenen in die Gesellschaft zurückzuholen. Sie in die Lage zu versetzen, sich weiterzubilden und eine Zusatzqualifikation anzustreben. Buyer soll unter anderem beraten, dabei helfen, Krisen zu überwinden, Familien zu stabilisieren. "Das Coaching ist immer individuell", sagt Knödler.

Drei Stunden bei zwei Terminen seien pro Woche und Person angesetzt. Insgesamt 13 Personen können parallel in der Brackenheimer Beratungsstelle ins Programm aufgenommen werden. "Die Zuweisung erfolgt konsequent durch das Jobcenter Landkreis Heilbronn", sagte Fuhrmann. Es könnten also auch Personen darunter sein, die nicht aus Brackenheim kommen.

Im Brackenheimer Gemeinderat traten Knödler und Fuhrmann offene Türen ein. Das Gremium begrüßte einhellig die neue Einrichtung. Brigitte Hentschke (Liste 21) wollte wissen, wie man etwa bei Kindern Prävention leisten könne. Volker Bohn (Die Linke) stellte die Idee in den Raum, kostenlose Kindergarten- und Krippenplätze zur Verfügung zu stellen. "Alleinerziehung ist auch ein Grund für Armut", sagte Bohn. Thomas Link (SPD) sieht in der Beratungsstelle "eine sehr positive Sache". Und Bürgermeister Rolf Kieser brachte den Vernetzungsgedanken ins Spiel. Unter anderem regte er eine Zusammenarbeit mit den Integrationsmanagern der Stadt an.