Kindergartenkinder befreien die Natur von Zigarettenkippen

Lauffen  Wie zwei Neunjährige Anstoß geben für eine Müllsammelaktion des St. Paulus-Kindergartens. Die beiden hatten einen Brief an den Gemeinderat geschickt.

Von Helga El-Kothany
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Halbzeit im Müllsammeln. Yaro, Diega, Lias und Malin (von links) sind schon ganz erschöpft − aber auch sehr erfolgreich. Foto: Helga El-Kothany

Joline Platter und Elisa Holzwarth, beide neun Jahre alt, haben sich an einem Spielenachmittag Gedanken über die Zerstörung der Umwelt gemacht, in erster Linie über die Plastikflut und als Folge dessen den millionenfachen Tod von Tieren und die Auswirkungen auf den Menschen. "Vor allem uns Kindern wird es schaden, denn was hier abgeht, wird erst recht unsere Generation treffen." Der Satz stammt aus dem Brief, den die besorgten Mädchen an den Gemeinderat geschickt haben - samt Vorschlägen: Verteilung von Stoffeinkaufsbeuteln an alle Familien und Reduktion von Plastikverpackungen.

Renate Brauch, Erzieherin im St. Paulus-Kindergarten, außerdem Gemeinderätin, erinnert sich noch an die beiden Mädchen, und sie erzählt ihrer Gruppe von dem Brief. Kinder für die Umwelt zu sensibilisieren, gehört schließlich zum Erziehungskonzept. "Wir machen sauber!", ist die spontane Reaktion.

Für die Müllsammel-Aktion gibt es Applaus 

Die Sonne brennt heiß, als sich die Kinder nun mit ihren beiden Erzieherinnen Renate Brauch und Kerstin Klenk sowie Praktikantin Benita - bestens ausgestattet mit Schutzhandschuhen, Sonnenmützen, Rucksäcken mit Trinkflaschen - auf den Weg machen, ihr Viertel vom Müll zu befreien. Drei Müllsäcke haben die 15 Kinder zwischen vier und sechs Jahren mit dabei.

Das Wohngebiet hinter dem Kindergarten ist sehr gepflegt. Ob man da überhaupt was findet? Von kritischen Orten mit leeren Bierdosen und Schnapsflaschen bleibt die Gruppe fern. Aber schon auf dem kleinen Spielplatz um die Ecke werden die Kinder fündig. "Ich hab" was!" Hier müssen sich viele Raucher aufhalten, denn auf dem Weg liegen zahllose Zigarettenkippen. Gift für Grundwasser, Tier und Mensch. Von einem angrenzenden Balkon ertönt Applaus: "Bravo!" Ein älteres Ehepaar, das die Raucher oft sieht, begrüßt die Aktion.

Der Ehrgeiz ist angestachelt 

Die Kinder verstehen schnell, dass man effektiver arbeitet, wenn man sich organisiert. "Wir müssen uns verteilen. Du guckst links, ich guck" rechts." Die einen suchen im Gras, andere entlang der Hecken und auf dem Weg, drei halten die Mülltüten parat. Nach den ersten Erfolgen ist der Ehrgeiz angestachelt, da können nicht einmal die Schaukeln ablenken.

Weiter gehts. "Mann, habt ihr Adleraugen", stellt Renate Brauch bewundernd fest. Kilian findet auch Nützliches: eine Schraube, die schnell im Rucksack verschwindet. Vielleicht kann sein Vater sie verwenden. Malins Mülltüte hat sich schon kräftig gefüllt. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es sich hauptsächlich um Zigaretten handelt. Nach einer Stunde macht sich Ermüdung breit. Da kommt die Trinkpause am nächsten kleinen Spielplatz gerade recht, auf dem trotzdem noch aufgeräumt wird.

Einige hätten gerne noch weitergesammelt 

Auf dem Rückweg suchen nur noch die Größeren weiter. Im Kindergarten stellen sie die Tüten nebeneinander. "Das war ganz schön viel Müll", stellt Simon fest, "und es stinkt". Und wie! Auch die Hände müffeln übel in den durchgeschwitzten Handschuhen. Also nichts wie ab zum Händewaschen.

Auch die eifrige Sammlerin Malin ist geschafft: "Das war anstrengend. Das Bücken, Aufheben, Tütentragen, Laufen." Aber sie haben etwas Tolles für ihr Viertel geleistet, und einige unermüdliche Jungs hätten gerne noch weitergesammelt. Zur Belohnung gibt es was Süßes. Das haben die Kinder sich verdient.


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