In Brackenheim wird Umweltschutz großgeschrieben

Brackenheim  Von Akkugeräten bis Amphibienschutz: Für die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs in Brackenheim ist Naturschutz und Artenvielfalt längst Leitfaden für ihre Arbeit. Sie stimmen sich eng mit Naturschutzbehörden und Umweltorganisationen ab.

Von Wolfgang Müller
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In Brackenheim wird Umweltschutz großgeschrieben. Für die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs ist Naturschutz und Artenvielfalt längst Leitfaden für ihre Arbeit
Jürgen Keller und Jenny Rieber markieren eine Blumeninsel in der Innenstadt. Foto: Wolfgang Müller

Die grünen Inseln in der Brackenheimer Innenstadt sind nicht ungepflegt, wie mancher Passant glauben mag. Dass der Bauhof Blumen neben dem Kreisverkehr bei der Volksbank in die Höhe schießen lässt, hat einen Sinn. "Hier blüht es für Bienen, Hummeln & Co", steht auf dem Schild, das die Bauhofmitarbeiter Jürgen Keller und Jenny Rieber in den Boden hämmern. "Mit jedem Handgriff versuchen wir den Umweltgedanken einzubeziehen", sagt der Chef des Bauhofs, Horst Hönnige.

Artenvielfalt steht an erster Stelle

Seit Jahren ist Umweltschutz der Leitgedanke des städtischen Bauhofs. Zwar könnten nicht immer Natur und Artenvielfalt an erster Stelle stehen, räumt Hönnige ein. Der Bauhof muss auch ausrücken, wenn Leib und Leben der Bürger gefährdet sind, Winterdienst verrichtet werden muss oder Hochwasser Maßnahmen erfordert. Konzeptionell sind Umwelt-, Pflanzen- und Artenschutz aber die Hauptüberschrift über dessen Arbeit.

Bauhof stimmt sich mit Behörden ab

"Vielen ist nicht bekannt, was der Bauhof in diesem Bereich schon unternimmt", sagt Bürgermeister Rolf Kieser. Zuletzt zeigte sich selbst der Gemeinderat überrascht. Pflanz- und Pflegeplänen, die Hönnige in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden erstellt. Ob im Anschluss an Neubaugebiete, für Streuobstwiesen oder mit Blick auf Renaturierung und Naturschutzgebiete: Im Blick hat er dabei die Vielfalt der Biodiversität sowie klimaverträgliche Pflanzenarten.

In Brackenheim wird Umweltschutz großgeschrieben. Für die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs ist Naturschutz und Artenvielfalt längst Leitfaden für ihre Arbeit
Bauhofleiter Horst Hönnige lässt sich bei seiner Arbeit vom Umweltgedanken leiten. Auch bei der Schneise für die Feuerfalter in den Zaberauen. Foto: Wolfgang Müller

Heißwasser statt chemische Keule

Dabei reicht der Umweltgedanke bis ins Detail: Weder lassen die Mitarbeiter Motoren unnötig laufen noch bekämpfen sie Unkraut mit Chemie. "Umweltschonender ist Heißwasser", sagt Hönnige. Wenn es irgendwie geht, arbeiten die Bauhofleute mit Akku-Geräten. Auf Friedhöfen wird versickerungsfähiges Pflaster verwendet.

Eine Schneise für den Feuerfalter

Bei der Pflege der 41 Regenrückhaltebecken auf der Gemarkung stimmt sich Hönnige mit dem BUND ab. Wenn es etwa um Laubfrösche oder Krötenpopulation geht, holt er sich den Rat von Dr. Wilhelm Stark aus Güglingen. Bei der Gewässerpflege berücksichtigt der Bauhof die Amphibienpopulation. Naturschutzkonzepte stimmt Hönnige mit dem Landschaftserhaltungsverband ab. Wie etwa beim Naturschutzgebiet Zaberauen mit einer Schneise für Feuerfalter.

Freude über Eisvogel

Dass Hönnige kürzlich einen Eisvogel auf der Gemarkung gesehen hat, freut ihn sehr. "Die Arten und die genetische Vielfalt müssen wir erhalten", sagt der 57-Jährige. "Wir müssen es schaffen, im Einklang mit der Natur zu leben", lautet sein Credo. "Und schließlich ist es auch unsere Heimat."

 

 


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