In Bönnigheim entstehen Häuser für Geflüchtete und Geringverdiener

Bönnigheim  Die Stiftung Hoffnungsträger aus Leonberg will in Bönnigheim in ein integratives Wohnprojekt investieren, bei dem Bedürftige mit verschiedenen Hintergründen eine Hausgemeinschaft bilden.

Von Birgit Riecker
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In Bönnigheim entstehen Häuser für Geflüchtete und Geringverdiener

Die Bilder zeigen zwei Gebäude in Esslingen. Die Häuser in Bönnigheim sollen genauso hoch werden, allerdings etwas länger.

Foto: privat

Politisch Verfolgte genießen Asylrecht. Doch wie sieht das in Artikel 16a des Grundgesetzes geregelte Asylrecht in der Praxis aus? Eine Perspektive will die Stiftung Hoffnungsträger aus Leonberg sowohl Geflüchteten als auch Geringverdienern bieten. Zwei dreistöckige Gebäude mit je acht Wohnungen könnten im Neubaugebiet Schlossfeld errichtet werden.

Die Integration anerkannter Flüchtlinge ist nicht immer einfach, da die meisten aus ganz anderen Lebensverhältnissen kommen und in ihrem Leben oft Traumatisches erfahren mussten. Sie erlernen die deutsche Sprache und versuchen im Berufsleben, in den Einrichtungen und bei den Vereinen und Organisationen Fuß zu fassen. Doch dazu brauchen sie nicht nur Begleitung und Unterstützung, wie beispielsweise von den Ehrenamtlichen des Ökumenischen Freundeskreises Flüchtlingshilfe, sondern vor allem eine Wohnung.

Das Grundproblem: Es gibt einfach zu wenig Wohnraum

Der Stadt und einigen Wohnungseigentümern ist es gelungen, Geflüchtete dezentral unterzubringen. Doch die Wohnungen reichen nicht aus, denn auch Einheimische suchen dringend nach bezahlbarem Wohnraum. Bürgermeister Albrecht Dautel verwies in der Kirbesitzung des Gemeinderats in Hohenstein auf das Eckpunktepapier des Landkreises, wonach gemeinsam nach Lösungen gesucht werden solle, ohne dass einzelne Gruppen an den Rand gerückt werden.

Das Konzept der Hoffnungsträger-Stiftung, die sich als Investor auf einem städtischen Grundstück an der Schlesierstraße engagieren möchte, sieht zwei Gebäude für jeweils 30 bis 35 Personen und eine gemeinsame Tiefgarage vor. Stiftungsvorsitzender Marcus Witzke und die Bereichsleiterin Nationale Programme, Angelika Röhm, zeigten anhand einer Powerpoint-Präsentation, wie die Holzhäuser in Modulbauweise aussehen. "Sie sind robust gebaut und ausgestattet", betonte Witzke. Integratives Wohnen, Sozialarbeit, Sprachförderung, Arbeitsmarktintegration und geistliches Leben seien Bausteine, um "aus Fremden Freunde zu machen".

So sieht das Wohnkonzept aus

"Der Einzug ist verbunden mit der Bereitschaft sich aktiv in die Hausgemeinschaft einzubringen", ergänzte Angelika Röhm. Offenheit für einen interreligiösen Dialog auf Augenhöhe sowie die Bereitschaft für gemeinsame Aktionen und gegenseitige Unterstützung werde erwartet. "In jedem Haus wohnt eine Familie als Ansprechpartner und Standortkoordinator", erklärte Röhm.

Angetan vom Konzept zeigte sich Stadträtin Dorothea Bechtle-Rüster (SPD). "Doch wer wählt die Bewohner aus?", wollte sie wissen. Hierzu soll es einen Kooperationsvertrag zwischen der Stiftung und der Stadt geben mit gemeinsam vereinbarten Kriterien. 70 Prozent der Wohnungen sollen ein Drittel unter dem ortsüblichen Mietniveau liegen und je zur Hälfte von Flüchtlingen und Einheimischen bewohnt werden. Die übrigen 30 Prozent stehen Menschen zur Verfügung, die sich dort engagieren wollen, aber deren Einkommen zu hoch für einen Mietberechtigungsschein ist.

Droht Anwohnern ein Wertverlust?

Während Stadtrat Michael Gerdes (UWF) den Standort lobte, stellte ihn Frank Müller (CDU/FWV) unter dem Beifall einer kleinen Zuschauergruppe in Frage. Diese befürchtete am Rande der Sitzung ganz offen, dass ihre Grundstücke im Schlossfeld durch dieses Projekt und seine Bewohner an Wert verlieren könnten.

Der Gemeinderat hatte sich vor einiger Zeit bereits mit einem Standort für eine Flüchtlingsunterkunft am Ortsrand beim Strombergkeller beschäftigt. Das neue Konzept bietet nun größere Chancen zur Integration. Das Land Baden-Württemberg hat die Hoffnungshäuser beim Integrationspreis mit dem dritten Platz ausgezeichnet.

Es gibt noch eine Infoveranstaltung zum Thema

Um Streit wie zuvor in Schwaigern zu vermeiden, geht der Gemeinderat mit Offenheit an das Thema heran. Nach der öffentlichen Vorstellung der Pläne im Technischen Ausschuss und im Gemeinderat wird es am Donnerstag, 17. Oktober, 19 Uhr, noch eine Infoveranstaltung in der Turn- und Festhalle geben, bevor eine Entscheidung fällt.


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