Im Zabergäu ist ein Naturschutzfonds im Gespräch

Zabergäu  Die Idee eines Naturschutzfonds nimmt im Zabergäu Formen an. Eine Interessengemeinschaft aus Naturschützern stellt ihr Konzept im Januar dem Zweckverband Wirtschaftsförderung vor.

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Die Renaturierung der Zaber ist in Teilstrecken gut gelungen. Joachim Esenwein und andere Naturschützer wollen Ausgleichsmaßnahmen für Bauvorhaben künftig von Beginn an koordinieren.

Foto: Archiv/Müller

Die Idee für einen sogenannten Naturschutzfonds im Zabergäu ist einen großen Schritt weiter. "Wir haben den Fuß in der Türe", sagt der Brackenheimer SPD-Fraktionssprecher Dr. Josef Festl. Gemeinsam mit Vertretern des Nabu, der Grünen und der Güglinger Bürger Union (BU) hat der Sozialdemokrat Ende vergangener Woche im Gespräch mit dem Brackenheimer Bürgermeister und Vorsitzenden des Zweckverbandes Wirtschaftsförderung, Rolf Kieser, und dem Güglinger Bürgermeister Ulrich Heckmann an einem Konzept gefeilt. In der Januarsitzung des Zweckverbandes wird die Interessengemeinschaft die Idee des Naturschutzfonds den Mitgliedern vorstellen.

Sechs Kommunen müssen sich Gedanken machen

Die Idee, einen kommunalen Naturschutzfonds für das Zabergäu zu institutionalisieren, hatten die Naturschützer schnell entwickelt. Nach drei Gesprächsrunden sei man jetzt "so weit, dass der Verband die Idee nicht grundsätzlich ablehnt", so Alfred Monninger, Sprecher des Nabu-Kreisverbandes.

Ganz im Gegenteil. Zweckverbandsvorsitzender Kieser hält die Idee für einen interkommunalen Ansatz für sehr gut. "Alle sechs Kommunen, die dem Zweckverband angehören, müssen sich jetzt Gedanken machen, nach welchem Schlüssel wir was in den Naturschutzfonds einbringen wollen", sagt der Brackenheimer Bürgermeister.

Mehrere Beteiligte ins Boot holen

Ein möglicher Naturschutzfonds müsse in jedem Fall beim Zweckverband angesiedelt sein. Darin sind sich Kieser und die Naturschützer einig. "Der Zweckverband hat die notwendige Infrastruktur", sagt Monninger. Mit im Boot sollen aber mehrere Beteiligte sitzen. Auch darin sind sich Kieser und Interessengemeinschaft einig.

Neben Vertretern des Zweckverbandes sollten beispielsweise Gemeinderäte, kommunale Verwaltungen, Obmänner der Landwirte und Naturschutzverbände beteiligt werden. Kieser lädt ausdrücklich auch den BUND ein, der in Fundamentalopposition zur Werkserweiterung von Layher gegangen ist und sich von der konstruktiven Koalition der Naturschützer distanziert hat.

Frage nach der Finanzierung ist noch offen

Wie genau ein Naturschutzfonds organisiert sein wird, ist derzeit noch nicht klar. "Das Ganze muss jetzt reifen und verfeinert werden", sagt Rolf Kieser. Dabei geht es nicht nur um die Frage, mit welchem finanziellen Grundstock der Naturschutzfonds ausgestattet sein müsste. Zu diskutieren ist auch, wer am Ende darüber entscheidet. Und auf welchem Wege der Fonds mit neuem Geld ausgestattet wird.

Maßgeblich erscheint den Naturschützern in jedem Fall, dass die Vertreter des Naturschutzfonds bei Bauvorhaben bereits von Anfang an Einfluss auf die Ausgleichsmaßnahmen nehmen können, betont Joachim Esenwein, Fraktionssprecher der BU in Güglingen. Wichtig sei auch, dass die Landwirte ins Boot geholt werden. "Im Verhältnis Landwirtschaft und Ausgleichsmaßnahmen gibt es teilweise verhärtete Fronten", ist Jürgen Winkler, Brackenheimer Bio-Landwirt und Kreisrat für die Grünen im Heilbronner Kreistag sicher.

Ausgleichsmaßnahmen besser kontrollieren

Eine weitere Rolle, die dem Naturschutzfonds zukommen könnte, sehen die Vertreter der Interessengemeinschaft auch in der Kontrolle, dass Ausgleichsmaßnahmen tatsächlich umgesetzt und gepflegt werden. "Wir haben immer wieder Beispiele von Streuobstwiesen, nach denen niemand mehr schaut", sagt Alfred Monninger. Häufig schneide kein Mensch die Bäume oder kümmere sich um die Hecken. Das Landratsamt Heilbronn als Aufsichtsbehörde könne diese Aufgabe personell gar nicht stemmen, so Monninger.

 


Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

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