Heidelbeeren sind dieses Jahr besonders süß

Cleebronn  Seit 20 Jahren bauen Ulrike und Albrecht Gerhäusser in Cleebronn und Stockheim Heidelbeeren an. Wer die süßen Früchte probieren oder zu Marmelade verarbeiten will, muss sich beeilen: Die Saison dauert nur noch bis Mitte August.

Von Claudia Kostner
Email

Albrecht und Ulrike Gerhäusser freuen sich über ein gutes Heidelbeer-Jahr 2019. Die Ernte ist Handarbeit, die polnische Pflückerinnen übernehmen.

Fotos: Claudia Kostner

Albrecht Gerhäusser geht durch die Reihen seiner Heidelbeer-Plantage. Nascht mal hier, mal da. "Am liebsten mag ich sie pur", sagt er schmunzelnd. Seit 20 Jahren bauen er und seine Frau Ulrike in Cleebronn und in Brackenheim-Stockheim die leckeren blauen Früchte an.

Mit Höhen und Tiefen. 2018 hat es ihnen am 2. Juli die komplette Ernte verhagelt. Die polnischen Pflückerinnen mussten heimgeschickt werden. Diesen Sommer läuft es gut. "Durch die Wärme im Juni sind die Heidelbeeren besonders süß", freut sich der 56-Jährige.

Erst Christbäume, dann Heidelbeeren

Bis 1999 war der Lindenhof weit über das Zabergäu hinaus für seine Christbaum-Kulturen bekannt. Zu den Blaubeeren sind die Gerhäussers durch einen Zufall gekommen. "Ich hatte zwei große Äcker in Stockheim gepachtet, nur etwa 100 Meter Luftlinie voneinander entfernt. Der eine wurde für Christbäume genehmigt, der andere nicht", erzählt Albrecht Gerhäusser. Just zu diesem Zeitpunkt fiel ihm ein interessanter Artikel über Heidelbeeren in die Hände: "Da hab" ich gesagt, das mache ich."

Inzwischen bewirtschaften die Gerhäussers rund drei Hektar Anbaufläche in Stockheim und Cleebronn. Die ersten zehn Jahre war das ein harter Weg. "Weil Heidelbeeren nicht von alleine wachsen. Es ist richtig viel Arbeit und Wissen, bis man so weit ist, dass sie richtig gut schmecken", sagt Ulrike Gerhäusser. Heidelbeeren sind Moorbeetpflanzen, die Ackerfläche musste erst mit viel Arbeit und Rinde in eine Art Waldboden umgewandelt werden. Feucht gehalten wird dieser durch Tröpfchenbewässerung wie im Weinberg. "Das Wasser kommt aus einem 85 Meter tiefen Brunnen", erzählt ihr Mann. Gedüngt wird mit effektiven Mikroorganismen. Auch ein starker Rückschnitt sorgt für Qualität, auf die er großen Wert legt. "Inzwischen haben wir einen guten Namen", ist auch Ulrike Gerhäusser stolz.

Ernte ist Handarbeit

Am liebsten pur

Richtig schön reif: Nur so kommen die Beeren in die Schale.

Vollernter sind auf dem Lindenhof verpönt. "Wir zupfen direkt vom Strauch in die Schale", betont die 53-Jährige. Sieben bis acht Polinnen werden dafür in der Saison von Ende Juni bis Mitte August beschäftigt. Eine eingespielte Truppe, die weiß, worauf es ankommt. Denn an jeder Pflanze hängen Früchte in unterschiedlichen Reifegraden: grüne, rote und tiefblaue.

Drei Durchgänge, jeweils im Abstand von einer Woche, sind normalerweise nötig, um einen Strauch komplett abzuernten. "In diesem Jahr sind die Beeren schneller gereift, deshalb wird nur zweimal gepflückt", sagt Albrecht Gerhäusser. Los geht"s um 7 Uhr morgens. Bei Regen bleiben die Pflückerinnen im Haus.

Die Vermarktung und Auslieferung übernimmt das Ehepaar selbst. Ausgewählte Supermärkte, Hofläden, aber auch Bäckereien von Sachsenheim bis Neuenstadt zählen zu ihren Kunden. "Der persönliche Kontakt ist uns wichtig", betont Ulrike Gerhäusser. Ein Teil der Ernte bleibt auf dem Lindenhof. Der SB-Kühlschrank muss befüllt werden. Wer größere Mengen Früchte kaufen möchte, kommt besser ins Hoflädle, für das Ulrike Gerhäusser und ihre beiden Schwestern zuständig sind. Dort gibt es auch selbst gemachten Heidelbeer-Fruchtaufstrich oder Honig, für den ein Imker im Mai seine Stöcke in die Plantagen stellt. Besonders stolz ist die Familie Gerhäusser auf ihren Secco. "Da ist in jeder Flasche knapp ein Kilogramm Heidelbeeren drin. Kein Farbstoff, keine künstlichen Aromen", erklärt der Chef.

Exot unter den Landwirten

Im Sommer Heidelbeeren, im Winter Christbäume. Albrecht Gerhäusser schmunzelt: "Unter den Landwirten im Zabergäu sind wir schon so was wie Exoten."

Verkauf ab Hof

Die Heidelbeeren vom Lindenhof tragen das Qualitätszeichen Baden-Württemberg. Zudem wird der Betrieb jedes Jahr von Mitarbeitern der Landwirtschaftlichen Qualitätsprüfung auditiert, Die Früchte verkauft die Familie Gerhäusser auch im eigenen Hoflädle, das in der Saison montags bis freitags von 10 bis 12 und von 16 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet hat. Die 250-Gramm-Schale Heidelbeeren kostet zurzeit 3,50 Euro. Im Kühlschrank halten sie sich etwa eine Woche. 

 
 

Kommentar hinzufügen