Hallenbad in Leingarten wird deutlich teurer

Leingarten  Wie befürchtet, gibt es beim Bau des neuen Hallenbades in Leingarten weitere Preissteigerungen. Die ursprüngliche Summe von 6,3 Millionen Euro ist schon weit überschritten. Die Bauarbeiten liegen aber im Zeitplan.

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Die Kosten steigen, aber der Zeitplan passt: Voraussichtlich im Herbst 2020 wird der Hallenbad-Neubau fertiggestellt.

Foto: Josef Staudinger

Die Baufirmen wissen, dass die Kommunen Geld haben und nutzen das aus", erklärte Andrea Litterer vom Architekturbüro Kauffmann, Theilig und Partner (KTP). Wieder einmal musste sie dem Leingartener Gemeinderat eine Preissteigerung beim Bau des neuen Hallenbades verkünden.

Weitere 300.000 Euro muss die Gemeinde nun drauflegen. Statt bei 6,3 Millionen Euro (Berechnung vom Februar 2018) liegt die Bausumme jetzt bei etwa 7,7 Millionen Euro. Im April waren es noch 7,4 Millionen Euro. In ihrer Kostenprognose geht die Planerin davon aus, dass das Hallenbad am Ende sogar acht Millionen Euro kosten wird.

Metallbau- und Fassadenarbeiten für 500.000 Euro

Dieses Mal sind es vor allem die Metallbau- und Fassadenarbeiten, die die Kosten in die Höhe treiben. Die beiden Gewerke inklusive Dachabdichtung wurden für zusammen rund 500.000 Euro an die Firma Schlichter GmbH & Co. KG aus Heppenheim vergeben, dem günstigsten von fünf Bietern. Die Summe liegt um 210.000 Euro (71,8 Prozent) über den ursprünglich veranschlagten Kosten.

Baubeginn im März

Das alte Hallenbad wurde im Jahr 1977 vom damaligen Bürgermeister Hermann Eppler eingeweiht. Nach einem Architektenwettbewerb bekam im Frühjahr 2016 das Architekturbüro KTP zusammen mit der Pforzheimer Ingenieurgesellschaft für technische Ausrüstung (IGP) den Auftrag für den Bau eines neuen Hallenbads. Ballon-Wasserbomben symbolisierten am 11. März 2019 den Baubeginn. 

"Eine erneute Ausschreibung beziehungsweise freihändige Vergabe würde aber aktuell zu keiner wesentlichen Einsparung führen", erklärte Andrea Litterer. "Es ist frustrierend, auch für uns", betonte sie. Trotz des Gemeinderatsbeschlusses vom Juni, einen Teil der Aluminiumverkleidung des Daches wegzulassen, sei das Angebot bei der erneuten Ausschreibung nicht deutlich niedriger ausgefallen.

Zu den Rohbauarbeiten, die mit 1,6 statt 1,1 Millionen Euro ohnehin schon erheblich teurer waren als geplant, kommt ebenfalls ein Posten von weiteren 100.000 Euro hinzu: Die Entsorgung des Erdaushubs, der nicht wie erwartet sortenrein, sondern mit Scherben versetzt war.

Wenigstens der Zeitplan passt: Momentan sei der Zimmermann auf der Baustelle und habe damit begonnen, die Holzkonstruktion zu errichten, so die Planerin. Mit einer leichten zeitlichen Verzögerung von zwei Wochen - aufgrund der Witterungsverhältnisse. Die Rohbauarbeiten seien auf der Zielgeraden.

Weitere Mehrkosten sind wahrscheinlich

Andrea Litterer gab auch einen Überblick über die Vergabe der Gewerke: 88 Prozent des gesamten Bauvolumens sind beauftragt, fünf Prozent der Ausschreibungen in der Angebotsphase und sieben Prozent stehen noch zur Ausschreibung aus. Bei den Gewerken Heizung und Membran sieht sie ein Risiko: 100.000 Euro weitere Mehrkosten könnten allein dafür auf die Gemeinde zukommen. "Fertigstellung ist im Herbst 2020", rechnet die Architektin damit, dass dieser Termin gehalten werden kann.

"Unerfreulich, aber nicht überraschend", war für Wolfgang Kretschmann die Nachricht, dass das Hallenbad einmal acht Millionen Euro kosten wird. "Wir müssen da jetzt durch", erklärte der Sprecher der SPD-Fraktion. Bürgermeister Ralf Steinbrenner stimmte ihm zu: "Ich glaube, es geht uns allen so: Mit der Faust in der Tasche."


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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