Ein fast perfekter Mord erscheint als Buch

Bönnigheim  Der Bönnigheimer Bürgermeister als Mordopfer: Die ehemalige Staatsanwältin Ann Marie Ackermann hat einen Mordfall aus dem Jahr 1835 recherchiert. Zur Buchvorstellung gab's jetzt ein Schauspiel im Schloss.

Von Birgit Riecker
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In Ketten gelegt: Kann Christine Kölle ihren Gottfried frei bekommen? Marianne und Kurt Sartorius spielten an diesem Abend das Ehepaar Kölle.

Foto: Birgit Riecker

Die Geschichte begann mit einem Buch - und nun endet sie auch mit einem Buch: "Tod eines Mörders" von Ann Marie Ackermann ist jetzt im Silberburg-Verlag erschienen und wurde am Mittwochabend im Stadionschen Schloss in Bönnigheim vorgestellt.

Die ehemalige amerikanische Staatsanwältin, die seit 20 Jahren in Bönnigheim lebt, ist Mitglied der örtlichen Historischen Gesellschaft. Für diese wollte die Hobby-Ornithologin ein Buch über die heimische Vogelwelt schreiben. Doch als ihr der Vorsitzende Kurt Sartorius für ihre Recherchen das Tagebuch eines Bönnigheimer Försters übergab, war es passiert. Denn dort stieß sie auf einen Mordfall: 1835 wurde der damalige Bönnigheimer Stadtschultheiß Johann Heinrich Rieber hinterrücks erschossen.

Ermittler setzt auf Schusswaffenvergleich

Ann Marie Ackermann begann zu ermitteln. Und stieß dabei auf eine spannende Geschichte. Denn bereits 1835 - und damit rund 50 Jahre vor den bislang als Start der forensischen Ballistik angenommen Ereignisse in Frankreich - hatte der brillante Ermittler, Eduard Hammer, einen Schusswaffenvergleich vorgenommen. Leider nur mit dem Erfolg, dass die Tatwaffe nicht unter den vorhandenen Waffen war.

Seine Vernehmungen waren nun Grundlage für ein kleines Schauspiel anlässlich der Buchpremiere, das viele der rund 100 Besucher in die Zeit ihrer Ahnen mitnahm. Da tauchten die Bönnigheimer Familiennamen Zipperlen, Völter, Hepperle, Mayer, Wenz, Wachter, Kölle und der "rei"gschmeckte" Metzger Kachel auf.

Und ihre Darsteller aus der Historischen Gesellschaft sorgten für reichlich Kurzweil: Bernhard Gerdes, der mit "blutiger" Schürze und Unschuldsblick den Metzger mimte, Ortspolizist Heiner Ziegler, der als Oberamtsrichter Eduard Hammer in seiner Amtsrobe und mit Perücke die Ermittlungen führte, oder Kurt und Marianne Sartorius, die das Ehepaar Kölle spielten und große Schwierigkeiten hatten, die Unschuld des "Schluckspechts" Gottfried Kölle aufzuzeigen.

Dialoge aus den Vernehmungsprotokollen

Engagiert unterstützten amtierende Stadträte die Ermittlungen. Dorothea Bechtle-Rüster und Jochen Türk zeigten Talent in ihren Rollen als damalige Stadträte. Hanna Balazs und Ann-Sophie Kolkhorst von der Theater-AG überzeugten als junge Frauen, die am Kirchhof Schüsse gehört hatten. Ann Marie Ackermann, die beim Schauspiel erstmals auch Regie führte, betonte, dass die Dialoge exakt auf den Vernehmungsprotokollen beruhten und von Stadtarchivarin Helga Engster-Möck und ihr sorgsam transkribiert worden waren.

Viele Kostüme hatten Antje Diener und Gerlinde Schmälzle aus dem Fundus der Historischen Gesellschaft, doch die Amtsrobe von Eduard Hammer war ein Original: Der Historiker und frühere Lauffener Archivar Otfried Kies hatte nicht nur den englischen Text des Buches ins Deutsche übersetzt, sondern für diesen Abend auch die Robe seines Vater zur Verfügung gestellt.

Fall erst nach 37 Jahren aufgeklärt

Bürgermeister Albrecht Dautel stritt in seiner kurzen Rede morbide Gefühle ab und outete sich als Krimi-Fan. Die Museumsleiterin der Sammlung Zander, Cynthia Thumm, wies daraufhin, dass der Mordfall erst nach 37 Jahren aufgeklärt und die damals ausgelobte Belohnung erst im vergangenen Jahr in den USA von Bönnigheims ehemaligem Bürgermeister Kornelius Bamberger ausgezahlt worden sei.

Doch wer war denn nun der Mörder? Um die Spannung aufrechtzuerhalten, ließ Ann Marie Ackermann bei der Präsentation und im Schauspiel die Lösung offen. Sie ist nur im Buch zu erfahren. Doch die Faszination dieses Falles hat inzwischen auch Ralf Michelfelder, den Präsidenten des Landeskriminalamts, erfasst. Er wird am 5. April nächsten Jahres eine Ausstellung zum Bönnigheimer Mordfall im Steinhaus eröffnen.

Der Mörder wanderte aus

Ann Marie Ackermann fesselte bei diesem Mordfall ein weiterer besonderer Aspekt: Der Mörder wanderte nach seiner Tat in die USA aus. Dort kämpfte er im mexikanisch-amerikanischen Krieg an der Seite des berühmten Generals Robert E. Lee, der ihn für seine Tapferkeit beim Kampf um Vera Cruz lobte. "Für Amerikaner ist Lee wie Goethe für die Deutschen", sagte sie. Daher erschien ihr Buch zunächst für die Amerikaner auf Englisch und bekam dafür im Jahr 2018 in New York die Bronzemedaille des Independent Publishers Book Award in der Kategorie "True Crime".


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