Die Wahl zwischen Flüsterasphalt und Tempolimit

Kirchheim  Die Gemeinde Kirchheim sieht sich beim Kampf gegen Lärm an der Bundesstraße 27 vor eine schwierige Wahl gestellt. Eine Bürgerinitiative warnt vor einem "vergiftetem Geschenk" des Landes Baden-Württemberg.

Von Alexander Hettich

Flüsterasphalt kontra Tempolimit

Die Bundesstraße 27 zerschneidet Kirchheim und bringt viel Lärm. Flüsterasphalt brächte etwas Linderung, würde aber wohl das Tempolimit kosten. Foto: Archiv/Hettich

Sogenannter Flüsterasphalt könnte lärmgeplagten Anwohnern der B 27 in Kirchheim mehr Ruhe bescheren. Dafür müsste die Gemeinde voraussichtlich das Tempo-30-Limit drangeben. Dem Gemeinderat steht am Donnerstag eine schwere Diskussion ins Haus. Die Bürgerinitiative "B 27 raus aus Kirchheim"lehnt den Deal ab.

Signal des Landes: Neuer Belag ist drin

Offenbar ist das Land bereit, die Bundesstraße in der Ortsdurchfahrt mit dem lärmdämmenden Belag ausstatten zu lassen. Das hat laut der Gemeinderatsvorlage Daniel Renkonen nach Gesprächen mit dem Verkehrsministerium mitgeteilt.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete war kürzlich wie vor ihm bereits Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) in Kirchheim, um sich ein Bild von der schwierigen Verkehrssituation zu machen.

Der Haken: "Es heißt wohl: entweder oder", interpretiert Bürgermeister Uwe Seibold die Position des Landes. Kommt der Flüsterasphalt, müsste die Gemeinde wohl auf das angestrebte, ganztägige Tempo-30-Limit verzichten und womöglich die sogar das bereits während der Nachtstunden geltende Begrenzung wieder aufheben. Das lässt nicht nur Seibold mit der Option hadern. "Es ist schwer, da eine eindeutige Position zu finden."

Trotzdem wird die Verwaltung dem Rat empfehlen, auf Flüsterasphalt zu setzen. Dieser ist ohnehin Teil des Lärmaktionsplans, den die Gemeinde erarbeitet hat. Der Krach, erwartet Seibold, werde durch den neuen Belag "schon erheblich weniger". Zudem wirkt die Fahrbahndecke auch nachts, während das Nacht-Tempolimit von vielen Autofahrern ignoriert wird. Tempo 50, so die Überlegung, könnte auch die Neigung der Autofahrer mindern, sich auf Nebenstrecken durch den Ort zu quälen. Der befürchtete Ausweichverkehr ist ein entscheidender Punkt, warum der Lärmaktionsplan noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Gemeinde bei Finanzierung mit im Boot

Es gibt einen weiteren Wermutstropfen: Die Gemeinde müsste auf eigene Rechnung für 200.000 Euro Kanaldeckel sanieren lassen, die eigentlich noch nicht fällig sind. Zudem wird Flüsterasphalt nachgesagt, das seine Haltbarkeit begrenzt ist. Seibold spricht von einer Zeitspanne von acht Jahren, nach der möglicherweise erneut die Maschinen anrollen müssten.

Er erhofft sich am Donnerstag aber weitere Klarheit vom Vortrag eines Verkehrsplaners. Die Bürgerinitiative "B 27 raus aus Kirchheim", die sich zuletzt mit Aktionen für eine Umgehungsstraße eingesetzt hat, hält nichts vom mutmaßlichen Angebot des Landes. Ein "vergiftetes Geschenk" sieht der BI-Vorsitzende Rolf Riecker im Flüsterasphalt, der seiner Ansicht nach eher für Schnellstraßen geeignet ist. "Damit ist keines der Kirchheimer Verkehrsprobleme gelöst."

Ausweichverkehr gebe es auch bei Tempo 50, weil Ampeln an der Ortsdurchfahrt den Verkehr aufstauten. Das Geld für die Kanaldeckel sei besser in Maßnahmen angelegt, die den Ausweichverkehr begrenzen, fasst Riecker die Position des BI-Vorstands zusammen.

 


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