Das Stille Örtchen am Bahnhof in Schwaigern steht

Schwaigern  Nach jahrelangen Diskussionen im Gemeinderat ist die Toilette am Bahnhof in Schwaigern endlich Realität. Die Kostenfrage hatte zuvor für Streit gesorgt.

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Das Stille Örtchen steht

Nicht zu übersehen: Die neue WC-Anlage am Schwaigerner Bahnhof ist seit Ende vergangenen Jahres in Betrieb. Die Benutzung ist kostenlos.

Foto: Friedhelm Römer

Eigentlich ist es keine große Sache. In Schwaigern allerdings schon. Seit vielen Jahren stand immer wieder die Frage nach einem Stillen Örtchen am Bahnhof auf der Tagesordnung im Gemeinderat und sorgte dort für endlose Diskussionen, obwohl der Bedarf durchaus als dringlich eingeschätzt wurde.

"Es ist ärgerlich, in welchem Umfang der Gemeinderat dieses Thema diskutiert", kritisierte SPD-Fraktionschef Rainer Dahlem in der Sitzung im April 2018 den sich hinziehenden Prozess. Ungeachtet der Dringlichkeit konnte sich das Gremium nicht auf eine Lösung einigen. Das lag vor allem an den hohen Kosten.

Glasfassade und Graffitischutz

Jetzt steht die Toilette da. Ein roter Quader, nicht zu übersehen, Glasfassade mit Graffitischutz. 100.000 Euro galten für viele Ratsmitglieder als Schmerzgrenze. Nun kostet die Anlage rund 165.000 Euro. Hinzu kommen rund 25.000 Euro für die Bereitstellung von Infrastruktur wie Wasser, Abwasser und Strom, sowie Vermessungsgebühren, Baugenehmigungskosten und Pflasterarbeiten. Dagegen erhält die Stadt für die Anlage einen Zuschuss von 30.000 Euro aus dem Förderprogramm kommunale Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur.

Bereits im Jahr 2002 tauchte das Thema auf. In einem Brief wandte sich ein Einwohner an den damaligen Bürgermeister Johannes Hauser, ob man die vorhandene Toilette im alten Bahnhofsgebäude von außen zugänglich machen könne. Dies war nicht möglich, eine Lösung ließ auf sich warten.

Kontinuierlich Thema im Gemeinderat

Seit November 2017 befasste sich der Gemeinderat dann kontinuierlich mit diesem Thema. Die Toilette sollte einerseits einen bestimmten Standard haben, andererseits aber preislich darstellbar sein. Zwischenzeitlich war eine Eco-Toilette mit Streu in der Diskussion, und es wurde sogar eine Dixi-Toilette ins Gespräch gebracht - beide Varianten aber rasch verworfen. Eine Dixi-Toilette sei schließlich alles andere als ortsbildprägend.

Im September 2018 entschied sich der Gemeinderat dann für eine freistehende, Vandalismus hemmende, automatische und selbstreinigende Anlage. Diese ist außerdem behindertengerecht und für die Nutzer kostenlos. Einer der Gründe, warum man sich für die hochwertige Ausstattung mit Graffitischutz und dem automatischem Reinigungssystem entschieden hat, war, die Folgekosten möglichst gering zu halten.

Toilette in der Zwerchstraße

Die öffentliche Toilette auf dem Parkdeck in der Zwerchstraße sollte zunächst im Gegenzug geschlossen und die bisherigen Unterhaltungskosten in Höhe von jährlich rund 5800 Euro eingespart werden. Eine Unterschriftenaktion führte schließlich allerdings dazu, dass die Anlage aufgrund ihrer zentralen Lage in der Nähe von Einzelhandelsgeschäften und ihrer Frequentierung zumindest bis auf weiteres geöffnet bleibt.


Reinigung der Toilettenanlage

Die Reinigung der Toilette erfolgt zweimal wöchentlich. Es gibt eine automatische Reinigungsanlage für den WC-Sitz nach jeder Benutzung. Der Boden wird automatisch nach je fünf Nutzungen gereinigt. Die Anlage hat einen barrierefreien Zugang. Die übliche Nutzungsdauer beträgt 15 Minuten. Danach ertönt ein Summton, und die Tür lässt sich wieder öffnen, falls sie nicht vorher von innen geöffnet wurde. Die Benutzung ist kostenlos. Behinderte Personen können die Toilette mit einem Spezialschlüssel nutzen. Sie müssen die Tür nicht aufziehen. Der Euroschlüssel ist ein europaweit einheitliches Schließsystem für behindertengerechte Anlagen.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Gemmingen. Darüber hinaus ist er zuständig für die Berufsschulen des Landkreises.

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