Das Kelterfest Schwaigern ist Geschichte

Schwaigern  Die Traditionsveranstaltung wird es ab diesem Jahr nicht mehr geben. Die beiden beteiligten Vereine beklagen einen Umsatzrückgang und Mangel an Helfern.

Von Friedhelm Römer

Das Kelterfest ist Geschichte

Sehr beliebt waren beim Kelterfest die Blicke in den Keller der Heuchelberg-Weingärtner und die Infos vom Zweiten Vorsitzenden Bernd Reiner (2. v.l.).

Foto: Archiv/Pfäffle

Seit mehr als 30 Jahren zählt das Schwaigerner Kelterfest zu den traditionellen Veranstaltungen in der Leintalstadt. Diese Zeiten sind nun vorbei. "Das Kelterfest wird es in dieser Form nicht mehr geben", sagt Werner Bender, Geschäftsführer der Heuchelberg-Weingärtner.

Die Genossenschaft hat das Fest veranstaltet, mit Leben gefüllt haben es jedoch die Vereine. Der Musikverein Stadtkapelle Schwaigern und der Liederkranz Schwaigern haben das dreitägige Event, das jedes Jahr im Juni ein fester Ankerpunkt im Terminkalender war und auf dem Betriebsgelände der Heuchelberg-Weingärtner stattfand, abwechselnd organisiert.

Fest leidet unter Personalmangel

Das Fest litt zunehmend unter Personalmangel. "Unsere Helfer werden älter und weniger. Die Jungen kommen nicht mehr nach, sind außerdem berufstätig. Wir konnten es nicht mehr stemmen", sagt Angelika Rampmeier. Sie ist die Liederkranz-Vorsitzende. Der Verein wäre in diesem Jahr an der Reihe gewesen. "Im Jahr 2017 haben wir während der drei Tage insgesamt 160 Personen benötigt." Dabei haben sich die beiden Vereine schon gegenseitig mit Helfern unterstützt.

Hinzu kommt, dass die Umsätze zurückgegangen sind, weil es inzwischen viele Parallelveranstaltungen gibt und die Menschen eine größere Auswahl haben. Dabei seien derartige Feste notwendig, um die Vereinskasse aufzufüllen. Angelika Rampmeier: "Das Fest war eine wichtige Einnahmequelle für uns." Denn es schlagen im Laufe des Jahres unter anderem Kosten für den Dirigenten, aufwendige Technik oder für die Hallenmiete zu Buche. "Die Menschen sind außerdem viel mobiler als früher", stellt Werner Bender fest. Im Gegensatz zu heutigen Zeiten sei der Montag früher ein guter Umsatzbringer gewesen. Firmen seien damals mit ihren Mitarbeitern häufig am letzten Tag auf das Kelterfest gegangen.

Musikverein wäre eingesprungen

Karl-Georg Blessing, Vorsitzender des Musikvereins findet es schade. "Es hat immer Spaß gemacht, und in diesem Jahr wären wir noch eingesprungen für den Liederkranz." Aber eine Lösung für die Zukunft wäre dies auch nicht gewesen.

Die Heuchelberg-Weingärtner hatten bei diesem Event dagegen nicht das vordringliche Ziel, Umsatz zu machen. "Für uns war das Fest ein Frequenzbringer und ein Imagefaktor", sagt Bender. Die Genossenschaft stellte den Platz und die Infrastruktur zur Verfügung, finanzierte die Musik und hatte nur im Gebäude einen Weinausschank mit Beratung angeboten. Auch die Vorbereitung und die Abwicklung des Kelterfestes kosteten Zeit. "Wir sind ja ein Chor", sagt Liederkranz-Chefin Rampmeier. Darauf müsse er sein Hauptaugenmerk legen. Zumal in diesem Jahr das hundertjährige Bestehen ansteht, sowie die Teilnahme am Leintalchorfest und auf der Buga. Die beiden Chöre des Vereins, die Power Voices und der gemischte Chor, haben diverse Auftritte in 2019.

Veränderung bietet Chancen

Geschäftsführer Bender zeigt Verständnis für die Entscheidung von Musikverein und Liederkranz: "Man darf den Vereinen nicht böse sein. Ein solches Event lebt nun mal von den Ehrenamtlichen." Ob eine andere Veranstaltung an die Stelle des Fests tritt, ist noch nicht klar. Eine Veränderung biete immer auch Chancen. Bender: "Wir werden jedenfalls nicht einfach nur irgendetwas abhalten."


Insgesamt 32 Mal hat das Schwaigerner Kelterfest stattgefunden. Die Premiere richteten Musikverein und Liederkranz 1985 gemeinsam aus. Nach zwei Jahren Pause (1986 und 1987) war es der Musikverein, der 1988 das Event organisiert hatte. Anschließend wechselten sich beide Vereine jährlich ab. Das Fest fand stets im Juni, samstags bis montags, statt. 

 


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