Das Festjahr in Leingarten in Zeiten von Corona

Leingarten  Wegen des Coronavirus steht auch hinter einigen Jubiläumsveranstaltungen zu "50 Jahre Leingarten" ein Fragezeichen. In der italienischen Partnerstadt Asola steht derweil alles still.

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Beim Käsritt 2017 waren noch alle unbeschwert. Ralf Steinbrenner hofft, dass die Großveranstaltung im Jubiläumsjahr stattfinden kann wie gewohnt.

Foto:Archiv/Berger

Als Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl am 16. Januar Leingarten offiziell die Stadtrechte verlieh, schien Corona noch weit weg. Hunderte Bürgerinnen und Bürger feierten in der Festhalle fröhlich mit. Kein Gedanke an Ansteckung. Der perfekte Auftakt zum Festjahr "50 Jahre Leingarten". "Viele weitere Veranstaltungen, die zum Jubiläum geplant sind, muss ich infrage stellen", ist Bürgermeister Ralf Steinbrenner unglücklich. Er hofft, dass es in Deutschland nicht so weit kommt wie in der italienischen Partnergemeinde Asola (Lombardei), mit deren Bürgermeister Raffaele Favalli er Anfang dieser Woche telefoniert hat: "Da ist tote Hose."

Immer mehr Absagen

Das Benefizkonzert "50 Jahre Leingarten" mit den Heuchelberger Alphorn-Brass in der Lorenzkirche am 21. März findet nicht statt. Das Benfizkonzert mit dem Landespolizeiorchester im Kulturgebäude eine Woche später ist ebenfalls abgesagt, informiert Bürgermeister Steinbrenner. 

Auch immer mehr Ereignisse, die nichts mit dem Jubiläumsjahr zu tun haben, werden gestrichen: der Baby- und Kleinkinderbasar (14. März), die Mallorca-Party der SVL-Fußballer (20. März) und das Frühlingsfest des Wirtschaftskreises (29. März) beispielsweise.

Für die Abschiedsparty vom alten Hallenbad am 4. April hat der Rathauschef vom Gesundheitsamt in Heilbronn grünes Licht bekommen. Der Ausflug ins französische Verdun, den das Partnerschaftskomitee für Mitte April geplant hat, ist fraglich. Ebenso die Einweihung des Museums Altes Rathaus und der neuen Klassenzimmer in der Eichbottschule im selben Monat.

Das Streetfoodfestival auf dem Marktplatz am 16. Mai wird wohl stattfinden. Von Juni bis September ist der Terminkalender dann proppenvoll. Von Weinkulinaria über Fischer- und Gassenfest, Kultur auf dem Marktplatz bis "Whiskey, Gin und Weizenbier". Zum Glück ist auch das alles im Freien. "Wenn sich die Situation hochschaukelt bis im Herbst, werden wir ein Festzelt für 1300 Personen nicht aufstellen können", fürchtet Steinbrenner um den Höhepunkt des Festjahres, den Käsritt vom 18. bis 21. September. "Der absolute Super-Gau" wäre es in seinen Augen auch, wenn das Freibad im Mai nicht öffnen könnte.

Ein bisschen mehr Privatleben

Das Festjahr in Zeiten von Corona

Pünktlich zum Festjahresbeginn wurde Leingarten Stadt.

Foto: Claudia Kostner

"Mit solchen Gedanken geht man morgens ins Geschäft", beschreibt er die Verantwortung als Bürgermeister. Wenn er dem Ganzen überhaupt etwas Positives abgewinnen kann, dann das: "Es ist spannend, dass ich plötzlich ein Privatleben bekomme, wenn alles ausfällt."

Zum Glück gibt es auch Dinge, die der Coronavirus nicht beeinflussen kann. Mehr als 50 Privatleute und Unternehmen haben sich schon bereit erklärt, der jungen Stadt Leingarten zur Feier der Vereinigung von Großgartach und Schluchtern vor einem halben Jahrhundert ganz besondere Sitzbänke zu schenken.

"Das Stichwort ist Vielfalt", betont Ralf Steinbrenner. Jede Bank soll anders aussehen. "Der Landwirtschaftliche Ortsverein beispielsweise baut selbst eine, andere kaufen eine oder lassen sie vom Schreiner anfertigen", ist er gespannt auf das bald sichtbare Ergebnis der Festjahres-Aktion. Wo im Stadtgebiet die neuen Sitzgelegenheiten aufgestellt werden, steht noch nicht fest. Die Spender dürfen Vorschläge machen. "Favorit ist bisher der Weg vom Wasserhäusle raus zu den Sportanlagen", verrät Ralf Steinbrenner. Aber auch der Heuchelberg, die Eichbottseen oder der Bahnhof sind mit im Rennen. Manchmal führe die Standort-Diskussion auch zu "netten Telefonaten", meint Steinbrenner augenzwinkernd. Zum Beispiel, wenn ein Sponsor aus Schluchtern verhindern will, dass seine Bank in Großgartach steht.

Stadtrechte sind gut fürs Image

Seit dem 1. Januar ist Leingarten Stadt: Veränderungen bringt das wenig, außer neue Ortsschilder und neue Briefköpfe. Die Verwaltungsmitarbeiter haben sich auch noch nicht so ganz an die neue Bezeichnung gewöhnt: "Im laufenden Betrieb verspricht sich der eine oder andere noch, wenn er sich am Telefon meldet, ich zum Beispiel", gibt Bürgermeister Ralf Steinbrenner zu.

Leingarten bleibt Mitglied im Gemeindetag Baden-Württemberg. "Der hat die Themen passgenauer für eine Kommune unserer Größe als der Städtetag. Die Stadt Heilbronn hat andere Schwerpunkte als die Stadt Bad Wimpfen", erläutert der Rathauschef. "Auch ob wir Klein- oder Unterzentrum sind, ist nicht kriegsentscheidend", geht er auf den Antrag ein, den die Verwaltung jüngst beim Regionalverband Heilbronn-Franken eingereicht hat. Beim Titel Stadt gehe es vor allem ums Image. "Es melden sich jetzt Kommunen, die ebenfalls Stadt werden wollen", erzählt Steinbrenner. 

 

 

Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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