Braucht die Zabergäubahn gar keine Schienen?

Güglingen  Güglingens Bürgermeister Ulrich Heckmann setzt bei der Zabergäubahn nicht zwingend auf die Schiene, sondern will auch über Alternativen nachdenken.

Von Wolfgang Müller

Im Interview mit unserer Zeitung will sich Güglingens Bürgermeister kein Denkverbot bei der Zabergäubahn erteilen lassen.

Ulrich Heckmann will bei der Zabergäubahn Alternativen zur Schiene nicht ausschließen.

Foto: Matthias Heibel

Die Zabergäubahn steht am Scheideweg. Ob sie sich wirtschaftlich trägt und damit überhaupt eine Chance hat, realisiert zu werden, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Güglingens Bürgermeister Ulrich Heckmann hält die Trasse für wichtig. Im Gespräch mit unserer Redaktion setzt er aber nicht nur auf die Schiene.

Herr Heckmann, die Ortsumgehung Güglingen ist noch nicht in trockenen Tüchern, es gibt keine Schienenanbindung und der Bürgerbus ist gescheitert. Ist die Stadt Güglingen verkehrstechnisch abgehängt?

Ulrich Heckmann: Güglingen ist verkehrstechnisch nicht abgehängt. Wir gehen davon aus, dass wir die Umgehung Güglingen-Pfaffenhofen in den nächsten zwei Jahren erreichen werden. Der Bürgerbus hatte das Manko, dass er von der Bürgerschaft nicht angenommen worden ist. Bei der Zabergäubahn müssen wir die standardisierte Bewertung abwarten. Dass wir ein Verkehrsmittel brauchen als Ausgleich zum privaten Personenverkehr, ist klar.
 

Welche Rolle könnte denn aus Ihrer Sicht die Zabergäubahn spielen?

Heckmann: Sie wäre eine Stärkung des gesamten Zabergäus und eine Verbesserung der Verkehrsanbindung an die Metropolen. Nicht nur Richtung Heilbronn, sondern auch in Richtung Stuttgart. Wir sind hier im Zabergäu Zuzugsgebiet für Menschen aus dem mittleren Neckarraum. Die Zabergäubahn wäre außerdem eine Verkehrsentlastung für das Zabergäu insgesamt.
 

Die hohen Kosten waren zuletzt dem einen oder anderen Gemeinderat ein Dorn im Auge. Jetzt hat das Landesverkehrsministerium signalisiert, die Kommunen zu entlasten. Zum Beispiel, indem das Land die Betriebskosten komplett übernehmen könnte.

Heckmann: Wenn die Betriebskosten wirklich komplett vom Land getragen werden würden, wäre das natürlich ein wichtiger Meilenstein bei der Umsetzung der Zabergäubahn.


Ist also die Ankündigung, dass die anliegenden Kommunen sich lediglich an 20 Prozent der Planungs- und Investitionskosten beteiligen müssten, wenn sie keine Verbindung jenseits der standardisierten Taktung wollen, die richtige Antwort aus Stuttgart? Sie hatten dem Verkehrsminister ja zuletzt Sonntagsreden und Heuchelei vorgeworfen.

Heckmann: Manchmal muss man überspitzen, um Gehör zu finden. Aber natürlich bin ich nach wie vor der Meinung, dass man nicht nur einfach sagen kann, was man gerne hätte. Sondern eben auch, wie das finanziert werden soll. Die Frage der Betriebskosten stellt sich ja nicht nur bei der Zabergäubahn, sondern bei allen Reaktivierungsstrecken in Baden-Württemberg. Da bin ich gespannt, für welche Reaktivierungsstrecken sich das Verkehrsministerium entscheidet. Bisher habe ich vom Land aber immer gehört, dass man die Zabergäubahn fördern und reaktiviert sehen möchte.
 

Wenn es mit der Zabergäubahn klappt und das Land die angekündigten Kosten übernimmt, wären die Kosten für Planung und Bau für die Stadt Güglingen darstellbar? Für die anderen beteiligten Kommunen können Sie ja jetzt nicht sprechen.

Heckmann: Das hängt natürlich davon ab, wie hoch die tatsächlichen Kosten sind. 20 Prozent von Nichts ist nicht viel − 20 Prozent von 100 Millionen schon. Wir wissen derzeit nicht, wie viel die Reaktivierung tatsächlich kostet. Darüber reden wir, wenn die standardisierte Bewertung so ausfällt, wie wir sie uns erhoffen. Klar ist aber jetzt schon, dass wir die Kosten alleine nicht werden stemmen können. Da erhoffe ich mir die Solidarität des gesamten Heilbronner Landkreises.
 

Teile des Gemeinderats haben Sie aufgefordert, sich bei Landrat Detlef Piepenburg für die Zabergäubahn stark zu machen. Haben Sie das gemacht?

Heckmann: Ich habe mit dem Landrat darüber gesprochen.


Und da haben Sie sich für die Zabergäubahn stark gemacht?

Heckmann: Natürlich.


Sie haben aber in der Vergangenheit schon mehrfach durchblicken lassen, dass Sie nicht gerade der Vorkämpfer für die Stadtbahn sind. Weil Sie vielleicht nicht unbedingt der Meinung sind, dass die Schiene der Weisheit letzter Schluss ist?

Heckmann: Wenn wir von der Zabergäubahn sprechen, müssen wir ja nicht unbedingt von einer schienengebundenen Strecke reden. Mir geht es darum, dass die Trasse selbst prädestiniert ist, den ÖPNV weiterzuentwickeln. Ob die Zabergäubahn am Ende auf Schienen läuft oder über autonome Busse oder über ein anderes System, ist für mich nicht entscheidend. Mir ist wichtig, dass wir uns Gedanken darüber machen sollten, welche Alternativen es zur schienengebundenen Bahn gibt.
 

Welche Nachteile hat die Schiene?

Heckmann: Eine schienengebundene Zabergäubahn mit fixen Haltestellen ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich brauche auch eine Anbindung an unsere Gewerbegebiete. Ich brauche eine Anbindung an Cleebronn und nach Eibensbach. Allein dort arbeiten 800 Beschäftigte bei Layher. Da ist die Frage: Nutzt es uns, wenn wir immer nur fixe Haltepunkte haben? Oder schaffen wir Systeme, die vielleicht ganz anders betrieben werden? Wir müssen uns die Frage stellen, welche Alternativen es auf der Trasse auch für andere Verkehrsmittel gäbe.
 

Sind aus Ihrer Sicht Investitionen in die Schiene Investitionen in eine veraltete Technik?

Heckmann: Das wäre von mir anmaßend, wenn ich das öffentlich sagen würde. Und das denke ich auch nicht. Ich meine aber schon, dass wir in der Frage der Trasse nicht aufhören sollten zu denken. Zum Beispiel auch mit Blick auf Alternativen, die kostengünstiger für alle Beteiligten wären.


Dann würde sich das Land aber aus der Finanzierung rausziehen. Der Verkehrsminister hat explizit das Ziel ausgegeben, die Schiene zu stärken.

Heckmann: Das weiß ich nicht. Ich bin aber sicher, dass sich auch das Land Gedanken darüber macht, welche Alternativen es auf ehemaligen Trassen gibt.
 

Haben Sie mit dem Landrat schon einmal über so eine flexiblere Nutzung der Trasse gesprochen?

Heckmann: Nein. Darüber haben wir nicht geredet. Das würde zum jetzigen Zeitpunkt zu weit führen.


Wann wäre der richtige Zeitpunkt?

Heckmann: Ich glaube, dass wir jetzt gar nicht wissen, wo die Mobilität in den nächsten zehn Jahren hingeht. Vielleicht gibt es ja vom Land auch Pilotversuche, bei denen einfach auch mal getestet wird, welche Möglichkeiten es auf einer bestehenden Trasse gibt, um den ÖPNV im ländlichen Raum zu stärken. Ich sage einfach: Lassen wir uns keine Denkverbote erteilen.
 

Der Punkt ist doch aber, dass man das zu keinem Zeitpunkt wissen kann. In zehn Jahren wird man auch nicht wissen, wohin die Reise in den dann darauffolgenden zehn Jahren gehen wird. Muss man nicht auch mal einen Knopf dran machen?

Heckmann: Natürlich muss man auch mal einen Knopf dran machen. Aber wir stehen heute an einer neuen Stufe der Mobilität, weil wir wissen, dass uns der reine Individualverkehr nicht weiterbringt. Unsere aktuellen Verkehrsprobleme lösen wir nicht allein durch die Schiene, weil sie starr ist. Die Beschäftigten in den Gewerbegebieten und die Menschen in den Stadtteilen werden weiterhin mit ihren Autos fahren, so dass mindestens der innerörtliche Verkehr nicht entlastet wird. Ich sage voraus: In dem Moment, in dem wir die Stadtbahn kriegen, diskutieren wir hier in Güglingen wieder über den Bürgerbus.

 


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