Bei der Wahl in Brackenheim zeichnet sich ein klarer Favorit ab

Brackenheim  Wer folgt Bürgermeister Rolf Kieser im Amt? Mehr als 1000 Bürger kommen zur Kandidatenvorstellung ins Brackenheimer Bürgerzentrum. Sie erleben Sachverstand und Comedy. Am Ende hat kaum ein Zuhörer Zweifel: Thomas Csaszar wird gewinnen.

Email

Bürgermeisterkandidaten in Brackenheim: (v.l.) Ulrich Raisch, Jochen Halter, Michael Fischer, Samuel Speitelsbach und Thomas Csaszar stellen sich im vollbesetzten Bürgerzentrum den Wählern vor.

Foto: Ralf Seidel

Für die weit mehr als 1000 Brackenheimer Bürger, die am Dienstagabend zur Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag gekommen sind, steht der Wahlsieger schon vor der Veranstaltung fest. Nach mehr als zwei Stunden auf der Bühne des Bürgerzentrums hat sich der Eindruck verfestigt. "Ein Kandidat war gut. Alles andere Pleiten, Pech und Pannen", sagt Hermann Walter aus Stockheim. Auch für Ulrich Gerhäusser aus Brackenheim gibt es keinen Zweifel, wen er wählen wird. "Andererseits ist es auch erschreckend, wie einfach es ist, sich für ein Bürgermeisteramt zu bewerben.

Csaszar rechtfertigt Krankenhausschließung

Thomas Csaszar wird die Nachfolge von Bürgermeister Rolf Kieser antreten. Daran gibt es spätestens nach der Veranstaltung für kaum einen Bürger in der Halle den Hauch eines Zweifels. Der 56-Jährige Bürgermeister aus Zaberfeld bringt seine Vorstellung innerhalb seiner zehnminütigen Redezeit prägnant auf den Punkt. Er scheut sich auch nicht, in der Fragerunde engagiert den Kreistagsbeschluss zu rechtfertigen, der zur Schließung des Brackenheimer Krankenhauses geführt hatte. "Der Beschluss beinhaltete auch, dass Notdienst und Notarzt erhalten bleiben. Gleichzeitig haben wir den Bau der Geriatrie auch mitbeschlossen", sagt Csaszar.

Zuhörer brechen in Gelächter aus

Für mitunter schallendes Gelächter haben die anderen Kandidaten gesorgt. "Das war fast Comedy", sagt Ulrike Betzner aus Meimsheim. "Man muss sich fragen, was geben solche Menschen an unsere Kinder und Jugendlichen weiter." Jochen Halter aus Schwaigern-Stetten etwa, begründete seine Bewerbung damit, dass er über einen Eintrag der Heilbronner Stimme auf facebook von der Wahl erfahren habe. "Dann habe ich mir gesagt: Jetzt zeig" mal Eier", sagt Halter. Rolf Kieser zollte er größten Respekt. Aber als Speditionskaufmann habe er, Halter, genauso viel Ahnung wie Kieser, was die Amtsgeschäfte eines Bürgermeisters betrifft.

Kandidat will Mieten in die Höhe treiben

Kandidat Samuel Speitelsbach aus Ravenstein bescheinigte den Bürgermeistern landauf landab "Provinzialverwalter ohne eigene Visionen" zu sein. "Es geht immer weiter bergab." Ansonsten führe eine wissenschaftliche Ausbildung zwangsläufig zu Korruption und Misswirtschaft. Als Bürgermeister wolle er dafür sorgen, dass sich die Firmen selbst auslasten. Darüber hinaus werde sich die Stadt Brackenheim unter ihm als Bürgermeister an Immobilienspekulationen beteiligen und dafür sorgen, dass die Mieten weiter steigen.

Musikpädagoge Zuhörern erklärt seine Sprechpausen

Auf seine umfangreiche Kommunalerfahrung verwies Musikpädagoge Ulrich Raisch aus Stuttgart. Immerhin habe er in den vergangenen zehn Jahren bei zahlreichen Bürgermeisterwahlen kandidiert. Er macht sich für einen Musikkindergarten in Brackenheim stark. "Da hätte die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal." Und mit ihm einen dreifach qualifizierten Fachmann an der Spitze. Explizit wies er auch auf die stilistischen Pausen in seiner Rede hin. "Stille", sagt Raisch, "ist der Urgrund unserer Demokratie."

Kandidat sieht sich trotz Privatinsolvenz fit für Stadtfinanzen

Auf die Frage aus dem Publikum, wie er die Finanzen der Stadt Brackenheim verwalten wolle, wenn er selbst in einer Privatinsolvenz stecke, antwortet Michael Fischer aus Schwaigern: "Jeder Mensch macht einmal Fehler." Für das Amt des Bürgermeisters sieht sich der AfD-Stadtrat aus Schwaigern gerüstet. Derzeit besuche er mehrere Verwaltungskurse. Ihm sei bewusst, dass es damit nicht getan ist. Aber es gebe ja auch noch die Fachbereichsleiter in der Verwaltung.

Am Ende der Kandidatenvorstellung ruft Bürgermeister Kieser die Bürger in Brackenheim noch einmal nachdrücklich dazu auf, am kommenden Sonntag von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.


Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

Kommentar hinzufügen