Archäologen sind von den Ausgrabungen in Cleebronn fasziniert

Cleebronn  Im Industriegebiet Langwiesen IV in Cleebronn laufen auf einem 15 Hektar großen Grundstück noch bis zum Herbst archäologische Ausgrabungen. Spuren aus vielen Epochen sind bereits entdeckt worden.

Von Claudia Kostner
Mosaik einer Siedlungslandschaft

Andrea Neth vom Landesamt für Denkmalpflege inspiziert zusammen mit Przemyslaw Sikora Besonderheiten im Grabungsgebiet.

Fotos (2): Claudia Kostner

"Es handelt sich um eine Siedlungslandschaft, die sich mosaikartig erschließt. So langsam verbinden sich die Steinchen zu einer Geschichte": Dr. Andrea Neth vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg ist fasziniert von den Ausgrabungen im Industriegebiet Langwiesen.

Die Zeittafel der archäologischen Befunde reicht von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter. Seit 5500 vor Christus, als die ersten Bauern kamen, ist das Land besiedelt.

Bagger, Schaufeln und digitale Technik

Auf fast 15 Hektar wird noch bis zum Herbst weiter erkundet, wie frühere Bewohner des Zabergäus gelebt und gearbeitet haben, wo und wie sie bestattet wurden. Mit Baggern, Schaufeln, Pinseln, Drohnen und modernster digitaler Technik.

Bei früheren Grabungen gab es vor allem Funde aus der römischen Kaiserzeit (100 bis 260 nach Christus) und dem Mittelalter. Besonders erwähnenswert: eine imposante römische Villa und ein römisches Grabmonument. "Zwischen den römischen Gräbern waren mittelalterliche, die zum Dorf Niederramspach gehörten", erklärt Andrea Neth. Die Siedlung bestand vom siebten bis zum 14. Jahrhundert und wurde dann verlassen. Nur der Grundriss einer mittelalterlichen, St. Dionysius geweihten, Kirche ist davon noch zu sehen. Von der Geschichte des Dorfes zeugt eine Info-Tafel.

Tiefe Grabungen in die Vergangenheit

Mosaik einer Siedlungslandschaft

15 Hektar groß ist das Gelände, auf dem die Firma Layher ihre Verzinkerei bauen möchte. Bevor es losgeht, sichern Archäologen Geschichtliches.

Fotos (2): Archaeo BW

Südlich und nördlich des Römerweges tauchen zwei Grabungsfirmen jetzt noch tiefer in die Vergangenheit ein. Hier, wo bald die Verzinkerei der Firma Layher gebaut werden soll, haben Menschen aus dem Mittelneolithikum und der Eisenzeit (die Kelten) ihre Spuren hinterlassen. Für Andrea Neth eine Überraschung: "Am Zusammenfluss von Fürtlesbach und Zaber haben wir in der Talaue plötzlich die Jungsteinzeit. Das passt eigentlich nicht in mein Weltbild."

Dr. Przemyslaw Sikora zeigt auf den Grabungsplan seiner Firma Archaeo BW. Zahlreiche Pfostenlöcher sind dort eingezeichnet. Die Überreste trapezförmiger Häuser, die bis zu 50 Meter lang und acht Meter breit waren, samt kleinerer und größerer Abfall- und Lehmgewinnungsgruben. "Da weiß man gleich, man ist im Mittelneolithikum", so der Geschäftsführer. Weil sich das Gelände im Überschwemmungsgebiet befindet, müssen er und seine Mitarbeiter für solche Befunde aber tiefer als gewöhnlich in die Erde graben: "Statt 40 bis 60 Zentimeter bis zu 1,50 Meter."

Keltische Grabhügel

Mosaik einer Siedlungslandschaft

Seltener Fund: Bronzearmreif aus einem keltischen Grab.

Rund 4000 Jahre jünger sind Bestattungsplätze, die die Archäologen ein Stück weiter entfernt gefunden haben. Ein Kreisgraben deutet auf keltische Grabhügel hin. Der größte hat einen Durchmesser von 15 Meter. "Was fehlt, sind die eigentlichen Gräber", bedauert Sikora. Auch Körpergräber hat sein Team entdeckt. "Aber die Erde hier ist so aggressiv, dass es keine Knochen mehr gibt."

Nur ein paar wenige erhaltene Grabbeigaben, wie ein Armreif oder ein Bernsteinanhänger haben die Jahrtausende überdauert. In Brandgräbern, vermutlich aus dem ersten Jahrtausend vor Christus, wurden Urnen aus Keramik gefunden. "Vereinzelt gibt es auch römische und spätkeltische Scherben", so Sikora.

Nördlich des Römerweges gräbt die Firma Archaeo Connect. "Wir haben hier ganz viel Neolithikum", berichtet Grabungsleiter Dr. Hauke Kenzler. "So richtig schöne Hausgrundrisse wie drüben haben wir aber nicht." Dafür sind hier die Gräber gut erhalten. Knapp 40 mittelalterliche Grabstätten wurden bisher auf dem etwa zur Hälfte erforschten Gelände entdeckt. Gerade werden zwei Skelette freigelegt. "Aber der Zeitraum, als es noch den Brauch der Grabbeigaben gab, erlischt wegen der Christianisierung Mitte des siebten bis achten Jahrhunderts langsam", erläutert Andrea Neth. Später wurden die Toten des Dorfes Niederramspach auf dem Kirchhof von St. Dionysius bestattet.

Leichnam ohne Sarg begraben

Mosaik einer Siedlungslandschaft

Diesem mittelalterlichen Skelett fehlt der rechte Arm. Vermutlich haben Grabräuber einst sein Schwert gestohlen.

Die Gestaltung der jetzt gefundenen Gräber ist ganz unterschiedlich, sagt Hauke Kenzler. Manche Leichname wurden ohne Sarg, andere im Holzsarg begraben. Es gab Einfassungen aus großen Steinplatten oder aus kleinen Bruchsteinen. Die Archäologen haben Fragmente von Architekturteilen und Inschriften gesichert: "Für die Gräber wurden römische Gebäude der Umgebung abgebaut."


Schon häufiger gab es hier Grabungen

Im Industriegebiet Langwiesen gibt es seit der Erschließung 2001 häufig Grabungen. Spuren zahlreicher Epochen wurden dabei entdeckt - für die Archäologen besonders spannend. Das Mittelneolithikum, also die mittlere Jungsteinzeit, umfasst den Zeitraum von 4900 bis 4300 vor Christus. Die Eisenzeit (Kelten) wird datiert auf 600 bis 120 vor Christus. Die römische Kaiserzeit war etwa von 27 vor bis 284 nach Christus. Ab etwa 500 beginnt das frühe Mittelalter, im siebten/achten Jahrhundert die Christianisierung.

 

Kommentar hinzufügen