Anwohner kämpfen gegen Raser in Nordheim

Nordheim  In der Hausener Straße in Nordheim gilt Tempo 30, doch viele Autofahrer halten sich nicht daran. In der Südstraße sieht es seit Jahren nicht anders aus. Für die Anwohner sind die Raser eine Belastung. Was macht die Gemeinde dagegen?

Von Wolfgang Müller
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Anwohner fordern Blitzer gegen Raser

Eine Reihe von Anwohnern wünschen sich in der Hausener Straße regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen und weniger Verkehrslärm.

Foto: Wolfgang Müller

Für einige Anwohner ist klar: Die Hausener Straße im südlichen Neubaugebiet von Nordheim ist eine Fehlplanung. Die Straße sei zu breit und lade Autofahrer zum Rasen ein. Kein Gehweg auf der Nordseite bedeute Gefahren für Kinder und Anwohner, die aus der Garage fahren.

"Ich bin genervt", sagt Carmen J. Walter. Von zu schnell fahrenden Autos und dem Verkehrslärm. Ihr 47-jähriger Nachbar, der namentlich nicht genannt werden will, hofft, "dass nicht erst etwas Schlimmes passieren muss, bevor sich hier etwas ändert".

Es gilt Tempo 30 in der Hausener Straße. Aber zu viele Fahrer hielten sich nicht daran, sind sich die beiden Anwohner einig. "Ich wurde hier sogar schon von einem Mofa überholt", sagt Carmen J. Walter. "Zu bestimmten Tageszeiten will ich nicht mehr im Garten sein", sagt sie und spielt auf ihrem Tablet mehrere Clips vor, auf denen serienweise Autos vorbeirauschen.

Unterschriftensammlungen haben nicht geholfen 

Die Diskussion um die Hausener Straße ist gut acht Jahre alt. Vor rund anderthalb Jahren hat Carmen J. Walter der Verwaltung eine Protestliste mit 170 Unterschriften übergeben. Passiert sei nicht viel, sagt sie.

In das gleiche Horn stößt Markus Plieninger. Er wohnt in der Südstraße. Eine Unterschriftenliste hat er der Verwaltung bereits 2015 überreicht. "Ich wurde damals beim Ausladen meines Autos fast überfahren." Plieninger fühlt sich vom Rathauschef ungehört. "Man hat das Gefühl, alles verschwindet in der Schublade." Auch er fordert Geschwindigkeitskontrollen. "Man kriegt die Leute nur über den Geldbeutel."

Ende 2017 hat sich Carmen J. Walter mit einer Petition an den baden-württembergischen Landtag gewandt. Sie ist acht Monate später negativ beschieden worden. Vergangenen August hat sie dagegen Widerspruch eingelegt. Jetzt wartet sie auf Antwort. "Ich weiß, für die Gemeinde bin ich der Querulant", sagt die Nordheimerin. "Aber wir leiden extrem unter dem Verkehr."

Von der Sackgasse zur Durchgangsstraße

Als sie vor 18 Jahren hier gebaut habe, sei die Straße eine Sackgasse gewesen. "Zehn Jahre lang lebten wir hier wie im Paradies. Die Kinder haben auf der Straße gespielt." Seit die Straße bis an den Kreisverkehr Richtung Brackenheim gebaut und zur Durchgangsstraße wurde, habe sich das ins Gegenteil verkehrt.

Bürgermeister Volker Schiek möchte ein mögliches Problem nicht herunterspielen. Aber die Gemeinde müsse das gesamte Verkehrsnetz im Blick haben. Andere Straßen in Nordheim seien stärker belastet als die Hausener Straße. "Dass zu schnell gefahren wird, erleben wir leider immer wieder." Die Gemeinde selbst dürfe keine Blitzer aufstellen.

"Wir sind auf die Verkehrsbehörde in Lauffen angewiesen", sagt Schiek. Dass die Hausener Straße Durchgangsstraße werden würde, habe von Anfang an festgestanden. "Frau Walter hätte das wissen können, als sie dort hingezogen ist", sagt der Bürgermeister.

Gemeinde arbeitet an der Bestandsaufnahme

Derzeit sei die Verwaltung dabei, eine Bestandsaufnahme in den wichtigsten Straßen vorzunehmen. Dazu gehört laut Schiek auch die Hausener Straße. "Auch wenn sie keine überörtliche Bedeutung hat." Ein mobiles Mess- und Zählgerät soll einen aktuellen Überblick verschaffen. Über längeren Zeitraum werden die Zahlen in den Straße erhoben.

Schiek rechnet damit, dass die Ergebnisse Mitte des Jahres vorliegen werden. "Dann prüfen wir mit Verkehrsbehörde, Verkehrsschau, Landratsamt und Polizei, was zu tun ist." Gerade sei man im neuen Teil der Hausener Straße dabei, die Rechts-vor-Links-Regelung besser zu verdeutlichen.

Carmen J. Walter gibt sich indes weiter kämpferisch. Sollte sie vom Landtag erneut einen negativen Bescheid bekommen, will sie sich einen Rechtsbeistand holen.

 

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