Ärger um die Feldlerche in Cleebronn

Cleebronn  Bei Naturschützern steht die geplante Verzinkerei der Firma Layher im Industriegebiet Langwiesen IV in der Kritik. Jetzt wurden Flatterbänder zur Vergrämung der Feldlerche ohne behördliche Genehmigung aufgestellt.

Von Claudia Kostner
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Ärger um die Feldlerche

Die Feldlerche ist Vogel des Jahres 2019. Hier protestieren (v.l.) Peter Kochert, Wilhelm Stark und Matthias Böhringer gegen ihre Vergrämung in "Langwiesen IV".

Foto: privat

Peter Kochert ist sauer: Auf die Firma Layher, auf deren künftigem Firmengelände im Gewerbegebiet Langwiesen IV bei Cleebronn Flatterbänder zur Vergrämung der Feldlerche aufgestellt wurden. Auf das Landratsamt Heilbronn, das bisher nichts dagegen unternommen hat. Und auf den Zweckverband Wirtschaftsförderung Zabergäu (ZWZ), dessen sechs Mitgliedskommunen dem Bebauungsplanentwurf mehrheitlich zugestimmt haben.

"Wir werden den Bau der Verzinkerei nicht verhindern können. Aber die Voraussetzungen, bis es soweit ist, sind nicht in Ordnung", sagt das Mitglied des BUND Zabergäu. Seine Online-Petition gegen das Vorhaben hat mittlerweile 400 Unterzeichner.

Archäologische Ausgrabungen

Wie berichtet, plant der Eibensbacher Gerüsthersteller Layher auf einer Fläche von rund 14,7 Hektar den Bau einer Verzinkerei im gemeinsamen Zabergäuer Industriegebiet. 360 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Im Frühjahr 2021 soll Werk III in Betrieb gehen. Derzeit graben die Firmen Archaeo BW und Archeo Connect im Auftrag von Layher auf dem Areal nach archäologischen Funden.

Mitte März wurden 24 Kilometer gelb leuchtende Flatterbänder angebracht. Mitte April hat Peter Kochert deswegen bei der Polizei Anzeige gegen den ZWZ erstattet und eine Umweltmeldung beim Landratsamt gemacht, in der er "diese illegale Maßnahme" bemängelt: "Nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der Europäischen Vogelschutzrichtlinie ist ohne triftigen Grund mit Hilfe sogenannter Flatterbänder eine Vertreibung erfolgt." Die Vermutung liege nahe, "dass die Firma Layher mit ihrer Gier nach Fläche schnellstens hier bauen möchte, obwohl noch kein genehmigter Bebauungsplan vorliegt", heißt es in dem Schreiben. "Wir als BUND wollen, dass Layher ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro zahlt. Auch wenn die das aus der Portokasse nehmen können", erklärt der Pfaffenhofener im Gespräch mit unserer Zeitung.

Kein Bußgeldverfahren

"Die Maßnahme war nicht mit uns abgestimmt", bestätigt Manfred Körner, Pressesprecher des Landratsamts Heilbronn. Ein Bußgeldverfahren sei jedoch nicht eingeleitet worden. Auch der ZWZ sei nicht informiert gewesen, so dessen Vorsitzender, Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser. Er weist aber auch darauf hin, dass im Zuge des Bebauungsplanverfahrens von den rund 15 Hektar Fläche knapp drei Hektar als Ausgleichsfläche ausgewiesen wurden. "Auch die Renaturierung der Zaber soll damit verbunden werden." Zudem seien unter anderem gemeinsam mit örtlichen Landwirten auf angrenzenden Feldern Lerchenfenster und Blühstreifen festgelegt worden.

"Ja, sie wollen was machen, aber das bringt der Natur nichts", findet dagegen Peter Kochert. Ebenso wenig ausreichend seien das geplante Regenüberlaufbecken oder die Begrünung von 50 000 Quadratmeter Dachfläche. Dem BUND gehe es auch um den Flächenverbrauch und den zunehmenden Lkw-Verkehr. "Natürlich ist es ein Spagat zwischen wirtschaftlichem Interesse und Naturschutz. Aber wir sagen, das ist alles überdimensional."

Fachaufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium

Am 15. Mai trafen sich Naturschützer und Mitarbeiter des zuständigen Umweltamts zu einem Gesprächstermin in Sachen Feldlerche. Die Behörde vertrete den Standpunkt, dass ein Bußgeldverfahren keine Aussicht auf Erfolg habe, da es sich nur um potenzielle Brutstätten handele, so das Fazit. Für Peter Kochert ist das nicht nachvollziehbar. Mit einer Fachaufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium Stuttgart gegen das Umweltamt, eingereicht am 20. Mai, hofft er, mehr zu erreichen.

Sein Büro habe es versäumt, das Landratsamt zu informieren, erklärt der von der Firma Layher beauftragte Planer Ulrich Messmer. "Wir bedauern das, glauben aber nicht, dass wir in irgendeiner Form eine Feldlerche durcheinander gebracht haben." Die Flatterbänder seien rechtzeitig aufgestellt worden, nachdem die Genehmigung des Landesamts für Denkmalpflege für die Grabungen vorgelegen habe. "Nach der Prospektion des Areals durch die Denkmalschützer war da weit und breit nur Acker."

Umfangreiches Bebauungsplanverfahren für Werk III

Die Verbandsversammlung des Zweckverbands Wirtschaftsförderung Zabergäu (ZWZ) hat am Donnerstag, 23.?Mai, einstimmig den Entwurfsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Verzinkerei des Gerüstherstellers Layher auf der Gemarkung Cleebronn gefasst. Dieser wird im Juni/Juli öffentlich ausgelegt. "Das bisherige Verfahren war sehr umfangreich und mit vielen Gutachten versehen", sagt ZWZ-Vorsitzender Rolf Kieser. Rund 500 Seiten umfasst der Entwurf insgesamt. Unter anderem gab es Gutachten zum Klima- und Artenschutz sowie zum Verkehr. Bei einer faunistischen Untersuchung im Jahr 2018 wurde ein Feldlerchenpaar festgestellt. Auch ein Immissionsschutzverfahren wird es noch geben. "Wir gehen davon aus, dass wir zum Jahresende den Satzungsbeschluss fassen können", erklärt Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser. 

 

 


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