60 Jahre katholische Jugendarbeit auf dem Michaelsberg

Cleebronn  Geistlicher Kraftort für junge Menschen: Drei Tage lang wird auf dem Michaelsberg das 60-jährige Bestehen der katholische Jugendarbeit und Altarweihe gefeiert. Der Weihbischof kommt und es gibt ein buntes Programm mit Musik, Gottesdienst und vielen Erinnerungen.

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Am 17. Oktober 1959 weihte Bischof Carl Joseph Leiprecht den Altar in der Michaelskirche. Zum Jubiläum wird Weihbischof Thomas Maria Renz erwartet.

Foto: privat

Begonnen hat alles 1959: "Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat damals beschlossen, den Michaelsberg zum Ort der Jugendarbeit zu machen", erklärt Pfarrer Oliver Westerhold. Aus dem ehemaligen Kapuzinerhospiz wurde ein Bildungshaus in Verantwortung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Vor 60 Jahren tat sich aber noch etwas Besonderes auf dem Berg: Nach einer grundlegenden Sanierung der Michaelskirche weihte der damalige Bischof Carl Joseph Leiprecht den neuen Volksaltar. Beides wird am Wochenende gebührend gefeiert.

Jugendspirituelles Zentrum seit 2013

"Ein Haus, in dem Jugendliche für die katholische Jugendarbeit qualifiziert werden. Ein Schullandheim. Ein Erholungsort für junge Menschen: All das ist der Michaelsberg bis heute", sagt Oliver Westerhold. Und doch hat sich vieles verändert. 1982 wurde "die Bettenburg" errichtet, ein Anbau mit 20 Zimmern und 60 Betten. 2013 wurde das Bildungshaus zum jugendspirituellen Zentrum.

Mehr als 50 Jahre lang waren die Bergpfarrer nicht nur für das Bildungshaus und die Michaelskirche zuständig, sondern auch für die Seelsorge der umliegenden katholischen Gemeinden Güglingen, Stockheim und Brackenheim. "Sie haben aber nie selbst Jugendarbeit gemacht, sondern nur den Rahmen dafür geschaffen", so Westerhold. Erst 2013, mit Gründung des jugendspirituellen Zentrums, gab es eigene Angebote. Konzipiert und angeleitet vom damaligen Jugendpfarrer Stefan Fischer.

Auszeitzimmer und Tage der Orientierung

Seit 2016 ist Pastoralreferentin Claudia Weiler für die geistliche Leitung und das Programm zuständig. "Wir bieten zum Beispiel Tage der Orientierung. Da kommen übers Jahr verteilt Schulklassen und werden drei Tage lang von uns begleitet", sagt die 32-Jährige. "Sie setzen sich damit auseinander, wie sie als Klasse miteinander umgehen." Etwas Besonderes, das es in der Diözese nirgends sonst gibt, sei das Auszeitzimmer. Manche verbringen dort ein paar Tage, manche länger. Um ihre Bachelor-Arbeit zu schreiben genauso wie zur Krisenbewältigung. Wenn sie möchten, ist Claudia Weiler an ihrer Seite: "Der Michaelsberg ist etwas Besonderes für eine Auszeit. So weg und oberhalb dieser Alltagsdinge. Sie spüren die Kraft, die hier oben ist."

Auch das Angebot der stillen Tage über den Jahreswechsel werde sehr gut angenommen, so Weiler. "Wir wollen diesen Ort als geistlichen Kraftort nutzen. Wir sind kein Kloster, sondern versuchen, das Ganze für junge Erwachsene ansprechend zu machen", formuliert es Oliver Westerhold. Besonders sind auch die musikalischen Veranstaltungen, die hier oben, auf dem "Wächter des Zabergäu", stattfinden. Seit 2014 sind etwa die Mounttones regelmäßig dort zu Gast. "Das war damals das Projekt einer FSJlerin, sie macht es bis heute", berichtet Claudia Weiler.

Ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) und ein Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) können junge Frauen und Männer auf dem Michaelsberg absolvieren. Während dieser Zeit wohnen sie auch dort, in der FSJ-WG. Ein FSJler wird derzeit dringend gesucht.

13000 Übernachtungen im Jahr

"Es gibt selten einen Ort in der Diözese, wo junge Menschen so zusammenkommen und Kirche so leben", ist der Eindruck von Tobias Albrecht. Seit September 2018 leitet er das Tagungshaus, das seit 21 Jahren als kirchlicher Eigenbetrieb in Form einer GmbH geführt wird. Knapp 13 000 Übernachtungen verzeichnet Albrecht im Jahr. 15 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit gehören zu seinem Team. "Ich bin erst der zweite Hausleiter, der nicht Priester ist", sagt der 32-Jährige. "Heute wäre das alles unmöglich in Personalunion zu stemmen", ist Pfarrer Westerhold froh über diese Entwicklung.

Damit das Tagungshaus attraktiv bleibt, wurde in den vergangenen acht Jahren vieles modernisiert. Das jugendspirituelle Zentrum wurde eingerichtet, Bäder und sanitäre Anlagen neu gemacht, alle Dächer saniert, Büros eingerichtet. Rechtzeitig zum Jubiläum wird gerade der Speisesaal renoviert. Tobias Albrecht: "Wir versuchen, professioneller zu werden."

Geistlicher Kraftort für junge Menschen

Freuen sich auf viele Gäste am Festwochenende: (v.l.) Pfarrer Oliver Westerhold, Pastoralreferentin Claudia Weiler und Hausleiter Tobias Albrecht.

Foto: Andreas Veigel


Die Kirche St. Michael und das Festprogramm

"Der Michaelsberg selbst war nie eine eigene Pfarrei", sagt Pfarrer Oliver Westerhold. Teilweise gehörte er sogar zu anderen Diözesen. Vom Ende der 1950er-Jahre bis Mitte der 1990er-Jahre wurde die Kirche St. Michael erst von der katholischen Kirchengemeinde Christus König in Brackenheim und anschließend bis Ende 2015 von der Kirchengemeinde Heilige Dreifaltigkeit in Güglingen verwaltet. "Erst 2016 hat die neu fusionierte Kirchengemeinde Zabergäu, bestehend aus Güglingen, Brackenheim und Stockheim, St. Michael als Patron gewählt", so Westerhold. 600 bis 700 Menschen besuchen die Gottesdienste jedes Jahr. Es gibt bis zu 260 Belegungen mit Hochzeiten, Taufen, Liturgien, Gottesdiensten.

Das Jubiläumswochenende beginnt am Freitag, 27. September, um 18 Uhr mit einem Konzert der Mounttones. Ab 20 Uhr heißt es "Open Stage" für junge Bands und Künstler. Am Samstag, 28. September, feiert Weihbischof Thomas Maria Renz um 17.30 Uhr den Festgottesdienst zum Patrozinium. Anschließend gibt es Anekdoten über den Michaelsberg bei Essen und Begegnung. Am Sonntag geht es um 14.30 Uhr los mit Kaffee und Kuchen. "60 Jahre Kirche und Jugendarbeit auf dem Michaelsberg" ist das Thema von Ausstellung und Vortrag um 15.30 Uhr. Den Abschluss bildet um 17 Uhr ein Konzert mit Alexander Bayer und Entzücklicka. 


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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